Besuch unserer Partnerstadt Riwne
Bild: BA Pankow
Auf Einladung der Stadtverwaltung Riwne reiste vom 4. bis 7. Mai 2025 eine offizielle Pankower Delegation in die ukrainische Partnerstadt. Ziel des Besuchs war es, die freundschaftlichen Beziehungen zu stärken, sich fachlich auszutauschen sowie der Opfer des Krieges zu gedenken. Mit der Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch reisten die Koordinatorin der Städtepartnerschaft Pankow-Riwne Daryna Illienko, die Musikschul-Fachgruppenleiterin Streichinstrumente Stephanie Thunert, die Europabeauftragte Svenja Arenz sowie der Schatzmeister Vollrad Kuhn und Uwe Lehmann der 1. Vorstandsvorsitzende des Partnerschatsvereins Berlin Pankow – Riwne e.V..
Montag, 5. Mai 2025: Geschichte, Gedenken und Austausch
Der Tag begann mit einem Besuch im Regionalmuseum für Heimatkunde in Riwne. Dort erhielt die Delegation einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Region. Besonders interessant war die Exkursion zu den „Geheimnisvollen Tunneln von Riwne“ – den Überresten eines Schlosses, das in sowjetischer Zeit zerstört und mit Bauschutt verfüllt wurde.
Im Anschluss nahm die Delegation an einer bewegenden Trauerzeremonie auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) teil. Die Stadt verabschiedete sich an diesem Tag von zwei gefallenen Soldaten. Bezirksbürgermeisterin Dr. Cordelia Koch legte im Namen des Bezirks Pankow Blumen nieder. Eine ständige Ausstellung von Porträts gefallener Soldaten dort, auf dem Unabhängigkeitsplatz, in deren Mitte ein Schild mit der Aufschrift „Preis für unsere Unabhängigkeit“ steht, erinnert an die Opfer des Krieges.
Sportlicher Austausch wurde beim Besuch des Fußballstadions des FC VERES thematisiert, einem bedeutenden Club in der Ukraine. Bezirksbürgermeisterin Koch sprach über mögliche Sportkooperationen zwischen Pankow, Riwne und auch polnischen Partnerstädten.
Im Lyzeum Nr. 7 besichtigte die Delegation die Schutzbunker der Schule, in denen sich während Luftalarmen über 1.200 Schüler:innen aufhalten müssen. Die Schule pflegt eine lebendige Partnerschaft mit der Pankower Klecks-Grundschule, deren Schüler regelmäßig Briefe schicken und Hilfsgüter für ihre ukrainische Partnerschule sammeln.
Am Nachmittag besuchte die Delegation das Städtische Haus der Kultur. Dort wurde eine beeindruckende Oster-Ausstellung gezeigt, gestaltet von Kindern und ihren Lehrer:innen. Tanz- und Gesangsgruppen zeigten ihr Können – ein Ausdruck der Resilienz und Lebensfreude der Bevölkerung.
Mehrere Schulen und Kultureinrichtungen in der Stadt Riwne haben den Wunsch geäußert, Partnerschaften mit Einrichtungen im Bezirk Pankow aufzubauen. Das Bezirksamt Pankow begrüßt dieses Engagement ausdrücklich und lädt alle interessierten Schulen, Vereine und Kultureinrichtungen herzlich zur Zusammenarbeit ein. Das Bezirksamt kann außerdem bei der Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer Projekte unterstützen – sei es im Bildungsbereich, bei kulturellem Austausch oder in Form von Solidaritätsaktionen. Gemeinsam können Pankower Bürger:innen und Organisationen nachhaltige Verbindungen schaffen und den interkulturellen Dialog stärken.
Dienstag, 6. Mai 2025: Austausch, Erinnerung und Kultur
Pünktlich um 9:00 Uhr begann der Tag mit der stadtweiten Schweigeminute für die Opfer des russischen Angriffskrieges – ein bewegender Moment der Einheit. Die gesamte Stadt kommt dabei zur Ruhe: Der Verkehr stoppt, Menschen verharren schweigend auf Straßen, Plätzen und in Geschäften. Für die Menschen in Riwne sind diese täglichen Momente des Abschieds tieftraurig, denn fast jede Familie ist vom Krieg betroffen.
Beim offiziellen Treffen zwischen Frau Dr. Koch und dem Sekretär des Stadtrats von Riwne, Viktor Shakyrzyan, wurden gemeinsame Projekte in den Bereichen Energieeffizienz, Barrierefreiheit, medizinische Versorgung, Abfallwirtschaft und Unternehmenskooperationen besprochen. Shakyrzyan dankte Pankow ausdrücklich für die kontinuierliche Unterstützung, insbesondere die Hilfslieferungen.
Ein Besuch der Gedenkstätte „Sosenky“ erinnerte an die mehr als 17.000 jüdischen Bürger:innen Riwne, die im November 1941 von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Pankow sammelt aktuell Spenden für die Restaurierung der Gedenktafel und möchte diese Spenden bis Ende 2025 der Jüdischen Gemeinde Riwne für Restaurierung übergeben.
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war der Besuch des Städtischen Krankenhauses Nr. 2. Hier werden viele kriegsversehrte Soldaten behandelt. Der Chefarzt, Dr. Oleksandr Shehera, stellte der Delegation die Pläne für die neue Prothesen-Werkstatt vor. Diese wird mit Unterstützung Pankows aufgebaut und bietet künftig professionelle Versorgung für Menschen mit Amputationen.
Ein kultureller Höhepunkt war das Galakonzert zum 70-jährigen Bestehen des Musik-Colleges Riwne im Kulturpalast der Stadt. Viele der jungen Musiker:innen hatten bereits im Rahmen eines Austauschs im September 2024 Berlin besucht. Ihre Darbietungen beeindruckten durch Talent und Ausdruckskraft.
Zum Abschluss besuchte die Delegation das akademische Musik- und Schauspieltheater Riwne. Der Direktor bedankte sich herzlich für den gespendeten Flügel aus Pankow, der inmitten des Theaters steht und für musikalische Darbietungen genutzt wird.
„Unsere Partner in Riwne haben uns mit großer Herzlichkeit empfangen“, resümierte Bezirksbürgermeisterin Koch. „In Zeiten des Krieges bedeutet es ihnen viel, dass wir persönlich kommen. Unsere Reise hat die Freundschaft vertieft und neue Projekte auf den Weg gebracht.“ Die Delegation kehrte beeindruckt zurück – von der Kraft, dem Lebenswillen und der kulturellen Vielfalt, die Riwne trotz aller Widrigkeiten auszeichnet. (Text: Daryna Illienko/Bezirksamt Pankow)