Drucksache - VIII-0938  

 
 
Betreff: Durchgangsverkehr im Komponistenviertel verhindern – Erschließung gewährleisten
Status:öffentlich  
 Ursprungaktuell
Initiator:Fraktion der SPDAusschuss für Verkehr und Öffentliche Ordnung
   
Drucksache-Art:AntragBeschlussempfehlung
   Beteiligt:Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Beratungsfolge:
Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin
11.09.2019 
26. ordentliche Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin überwiesen     
30.10.2019 
27. ordentliche Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin ohne Änderungen in der BVV beschlossen     
Ausschuss für Verkehr und Öffentliche Ordnung federführender Ausschuss
26.09.2019 
Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Verkehr und Öffentliche Ordnung ohne Änderungen im Ausschuss beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlagen:
Antrag Fraktion SPD 26. BVV am 11.09.19
Antrag Fraktionen SPD & Bü90/Grüne 2. Ausfertigung, 26. BVV am 11.9.19
Beschlussempfehlung VerkOrd 27. BVV am 30.10.19

Das Bezirksamt wird ersucht,

zur nachhaltigen Verkehrsberuhigung im Komponistenviertel

1. an der Kreuzung Bizetstraße/Smetanastraße eine reversible Diagonalsperre und ergänzend hierzu,

2. in der Meyerbeerstraße in Höhe Solonplatz einen reversiblen modalen Filter

zu errichten.

Die zunächst auf ein Jahr zu befristenden Maßnahmen sind mit dem Ziel einer dauerhaften Einrichtung zu evaluieren. Hierbei sind auch Erfahrungen anderer Berliner Bezirke mit Diagoalsperren und modalen Filtern einzuholen und bei der Auswertung zu berücksichtigen.

Die Anwohner*innen sind über die beabsichtigten Änderungen der Verkehrsführung und deren Dauer zu informieren sowie mittels einer schriftlichen Befragung an der Ergebnisauswertung zu beteiligen.


Begründung der Beschlußempfehlung:

Die Antragsteller nahmen in der Ausschußdebatte noch einmal Gelegenheit, ausführlich ihre Idee aber auch die Ausrichtung der vorgeschlagenen Diagonalsperren und die daraus folgende Verkehrsführung zu erläutern. Die war einleuchtend und plausibel, so daß der Ausschuß mit Mehrheit zu der Überzeugung kam, dieses verkehrslenkende Instrument könne die erhoffte Wirkung zeigen.

Der Ausschuß empfiehlt der BVV mit 10 Ja-Stimmen ohne Nein-Stimme und bei einer Enthaltung die Zustimmung zur Drucksache.

Begründung Ursprungsantrag Fraktion der SPD und ndnis90/ Die Grünen:

Der Durchgangsverkehr im Komponistenviertel ist seit Jahren ein immer wiederkehrendes Thema in Gesprächen mit Anwohner*innen und Gegenstand diverser Anträge und Beschlüsse der BVV, ohne das sich etwas an diesem unhaltbaren Zustand geändert hätte. Mit diesem Antrag soll ein erneuter Vorstoß gewagt werden, um entsprechend politischer Wille aller Beteiligten vorausgesetzt mit geringem Aufwand eine nachhaltig wirksame Verkehrsberuhigung in diesem Wohnviertel zu erreichen und dennoch den Anwohnerverkehr weiterhin zu gewährleisten.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat Poller für eine Diagonalsperre im Kreuzungsbereich Wrangelstraße/Falckensteinstraße gesetzt, weitere Diagonal-sperren werden auf Wunsch der Anwohner*innen folgen. Im Samariterkiez wurden ebenfalls zwei Durchfahrtssperren und eine Diagonalsperre errichtet. Diagonalsperren sind ebenso wirksam wie kostengünstig, eine einfache Sperre mittels umlegbarer Poller ist bereits für unter 10.000 Euro zu haben.

Die Standortwahl für eine Diagonalsperre im Kreuzungsbereich Bizetstraße/Smetanastraße beruht auf folgenden Erwägungen:

Der Durchgangsverkehr befährt fast ausschließlich die Bizetstraße, parallele Erschließungsstraßen sind mangels Reisezeitvorteil keine Alternative. Der Anteil des Durchgangsverkehrs ist so hoch, so dass seine Verhinderung zu einer Verringerung des gesamten Verkehrsaufkommens im Gebiet führt, obwohl die Diagonalsperre durch (geringe) Umwege den Anliegerverkehr erhöht.

r den Durchgangsverkehr stadteinwärts ist der genaue Standort der Diagonalsperre in der Bizetstraße irrelevant, für den Durchgangsverkehr stadtauswärts hingegen gilt es, auch Teilumfahrungen der Berliner Allee, z. B. über die Lindenallee, zu verhindern. Daher müsste der Standort einer Diagonalsperre möglichst weit stadteinwärts liegen.

r den Anliegerverkehr in das Gebiet hinein, wie auch für den Anliegerverkehr aus dem Gebiet heraus stadtauswärts, ist der genaue Standort der Diagonalsperre ebenfalls weitgehend irrelevant. Der - stärkere - Anliegerverkehr aus dem Gebiet heraus stadteinwärts hat die Möglichkeit, im Osten über Chopinstraße, Indira-Ghandi-Straße und Berliner Allee. Das ist für die meisten Anlieger ein Umweg und mit Wartezeiten an LSA verbunden. Sie fahren daher zunächst durch das Viertel nach Westen über Rossini- oder Gürtelstraße. Dafür ist derzeit die Bizetstraße als breiteste Straße im Viertel am besten geeignet. Demnach müsste die Diagonalsperre möglichst weit stadtauswärts liegen.

Der entsprechende Abwägungs-Kompromiss eines geeigneten Standorts für eine Diagonalsperre wäre daher die Kreuzung Bizetstraße/Smetanastraße. Diese macht auch Teilumfahrungen stadtauswärts unattraktiv, zwingt aber nur einen Teil der Anwohner*innen im östlichen Bereich des Viertels stadteinwärts zu Umwegen durch andere Anliegerstraßen oder über Chopinstraße. 

Die Ausrichtung der Diagonalsperre verhindert Umfahrungen stadtauswärts durch die Smetanastraße und gewährleistet die Erschließung von Kita und Grundschule in der Meyerbeerstraße von Westen über die Bizetstraße. 

Um bei einer Sperrung der Bizetstraße auch eine Umfahrung der Berliner Allee über die parallelverlaufende Meyerbeerstraße zu verhindern, sollte diese komplementär in Höhe Solonplatz mittels eines modalen Filters (Poller in Längsrichtung auf der Fahrbahn) für Kfz gesperrt werden. Ein modaler Filter wirkt nicht auf alle Verkehrsarten, sondern filtert lediglich Kfz heraus, Rad- und Fußverkehr können ihn weiterhin passieren.

Die Zufahrt für die Anlieger der Meyerbeerstraße zwischen Smetana- und Lindenallee ist in alle Richtungen weiterhin gewährleistet, wenn auch z.T. mit kleineren Umwegen, im Gegenzug haben sie jedoch keinen Durchgangsverkehr mehr und erhalten eine erhebliche Verkehrsberuhigung. Darüber hinaus erleichtert der modale Filter auch für die Schul- und Kitakinder den Zugang zum Solonplatz, sofern der dortige Spielplatz einmal wiedereröffnet werden sollte.

Die eingesetzten Sperren stellen eine reversible und kostengünstige Maßnahme dar, um den Durchfahrtsverkehr in verkehrsbelasteten Wohngebieten zu verringern. Nach einem Jahr soll das Bezirksamt die Sperrungen und ihre Effektivität evaluieren.

Quelle: Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt06) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)

 
 

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