Der Schlosspark Buch
Bild: Kerstin Schlopsnies
Ein Schlosspark ohne Schloss
Ab 1813 zu einem offenen Landschaftspark umgestaltet und seit 1907 öffentlich zugänglich, ist der Schlosspark in Buch, Erholungsort und Ausflugsziel gleichermaßen.
Der reiche Baumbestand und die sich durch den Park schlängelnde Panke mit ihren Nebenwassern Nebenflüssen und der kleinsten Brücke Berlins zeugen zu jeder Jahreszeit von der Pracht der Anlage. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und beherbergte einst neben dem Schloss eine Orangerie und eine Fasaneri.
Die ursprüngliche Gestaltung des Gartens ist hier aufgrund der noch vorhandenen Wasserläufe und der Alleen noch sehr gut zu erkennen.
Gerhard Bernhard von Pölnitz (1617-1679), Gutsherr von Buch seit 1669, ließ Obstbäume anpflanzen, Alleen, Gemüsebeete, Kanäle und eine Fischteich anlegen und zwischen 1670 und 1672 ein Herrenhaus bauen.
Inspiriert durch die Herkunft seiner Gattin Helianor von Oranien-Nassau (1620-1700) und den Geschmack der Zeit, gestaltete Pölnitz die Anlage im holländischen Stil und veranlasste die Regulierung der bis dahin noch wild durch den Park fließenden Panke. Nachdem Adam Otto von Viereck (1684-1758) im Jahr 1724 das Gut erworben hatte, wurde das Herrenhaus zum Schloss ausgebaut und der Park im nun modernen französischen Stil gestaltet.
Familie Voß, seit 1761 Besitzer von Gut und Schlosspark, ging ebenfalls mit der Mode. In den Folgejahren bedeutete dies Veränderungen zum Landschaftspark nach englischem Vorbild. Der Park wurde erweitert, die Orangerie erhielt einen Anbau im gotisierenden Stil. Vor der Orangerie wurde ein kleiner Teich angelegt.
Aus allen Zeiten und Stilepochen blieben im Park natürliche Zeugnisse erhalten. So schmücken den Eingang in der Wiltbergstraße zwei etwa 300 Jahre alte Eichen. Ein großer Teil des Bewuchses geht auf Anpflanzungen früherer Zeit zurück. Dies gilt besonders für die Fülle der Frühblüher, die den Waldboden und die Parkwiesen im Frühjahr und Frühsommer mit bunten Farbtupfern überziehen. Sogar der Rasen stammt aus Ansaaten, die teilweise aus Süddeutschland und Frankreich eingeführt wurden.
Im östlich des Pölnitzweges gelegenen Teil, der nie intensiv in die Parkgestaltung einbezogen wurde, konnte sich der Wald auf moorigem Boden an der Panke fast ungestört entwickeln. Der Mischwald ist reich an Unterholz und Blütenpflanzen. Sein Altbaumbestand mit Stieleichen und Hainbuchen bietet Lebensraum für den seltenen Mittelspecht, ebenso für Grünspecht und Grauschnäpper. Höhlenbrüter wie Klein- und Buntspecht sowie der streng geschützte Waldkauz finden hier ausreichend Brutbäume und Nahrung.
Zum Schutz dieser Arten- und Biotopvielfalt müssen Höhlenbäume und Totholz erhalten werden. Nach 2000 wurde ein Gebiet im Parkinneren gesperrt, da hier in den sehr alten Stieleichen, Linden und Rotbuchen zwei Käferarten, der Heldbock und der stark gefährdeten Eremit leben. Vor allem das Eremit-Vorkommen sichert dem Schlosspark seinen nach europäischen Normen festgelegten Status als Flora-Fauna-Habitatgebiet. Diese Schutzzone wird sich auch positiv auf die Vogelwelt auswirken.
Der offene Hof der dreiflügeligen Schlossanlage lag in Richtung Gutshof. Aufgrund eines vermeintlichen Schwammbefalls wurde das Gebäude 1964 abgetragen. Dort, wo sich einst das Schloss befand, steht seit 1988 die Stele „Mitwelt“ des Bildhauers Karl Blümel (geb. 1938).
Nach 1898 erwarb die Stadt Berlin Teile des Gutslandes für die Rieselfeldbewirtschaftung. Die landwirtschaftliche Nutzung des Gutes endete um 1980. Nach 1995 wurde der ehemalige Gutshof als „Künstlerhof Buch“ bekannt. Seit 2009 ist das „Stadtgut Buch“ mit seinen rekonstruierten historischen Gebäuden, in denen noch immer einige Künstler arbeiten, einem Restaurant und einem Hotel Anziehungspunkt für Berlin und ihre Gäste.