Der Botanische Volkspark Blankenfelde
Bild: Dr. Axel Täumler
Einladung zur „Königin der Nacht“
Südlich des Ortsteils Blankenfelde, am Rande des Naturparks Barnim, liegt eine der schönsten Berliner Parkanlagen: der 34 ha große Botanische Volkspark Blankenfelde-Pankow. , Sie entwickelteder sich aus einem Schulgarten entwickelt hat.
Der erste zentrale Schulgarten Preußens lag am Humboldthain und war 1874 vom Gartendirektor Gustav Meyer (1816-1877) gegründet worden. Als „Pflanzenliefergarten“ versorgte er Berliner Schulen mit botanischem Anschauungsmaterial. Dieser Garten musste ab 1909 verlegt werden, weil die AEG am Humboldthain ihr Werksgelände um einige Fabrikneubauten erweiterte. Für den Umbau stellte der Magistrat ein Gelände auf ehemaligen Rieselfeldern in Blankenfelde zur Verfügung. Mit der Planung des neuen Schulgartens beauftragte die Stadt den Berliner Gartendirektor Albert Brodersen (1857-1930).
Um 1910 wurden die ersten Gewächshäuser errichtet.
Ab 1911 begann man einen Landschaftsgarten anzulegen – mit charakteristischen Landschaftsformationen und Pflanzengesellschaften der Mark Brandenburg. Das eiszeitliche Bodenrelief bot optimale Voraussetzungen für die Gestaltung eines naturnahen Waldes mit heimischen Sträuchern und Bäumen, eines Wiesen- und eines Teichgeländes. Aus den Anpflanzungen von 1911 entstand der heutige Mischwald, der im Frühjahr durch den reichen Blütenflor seiner Kräuter beeindruckt.
Mit der Errichtung der Hochgewächshäuser zwischen 1928 bis 1929
war der Aufbau des „Botanischen Hauptschulgartens“ abgeschlossen. Die zwei turmartigen Bauten – als Palmen- und Kakteenturm bekannt – sind durch einen niedrigen gläsernen Flachbau verbunden. Im Kakteenturm gedeiht der berühmte Schlangenkaktus „Königin der Nacht“. Ihm zu Ehren fand seit 1997 jedes Jahr Ende Juni das Blütenfest „Audienz bei der Königin der Nacht“ statt.
Im Schulgarten unterrichtete man Kinder in Natur- und Kräuterkunde, unterschiedliche Baumarten wurden anhand ihrer Blätter bestimmt und im Herbst buntes Laub und Früchte für Bastelstunden gesammelt. Während der Kriegs- und Nachkriegszeiten baute man im Schulgarten vor allem Obst und Gemüse zur Versorgung der hungernden Bevölkerung an.
Ab 1952 wurde der „Städtische Schulgarten Blankenfelde“ wieder für Bildungszwecke genutzt, und die „Zentralstation Junger Naturforscher“ betreute außerschulische Arbeitsgemeinschaften. Nachdem die Verantwortlichen mehrfach wechselten und der Garten allmählich zu verwildern begann, entschied man sich um 1984, das Gelände zu einem Botanischen Garten zu gestalten – ein Gegenstück zum Botanischen Garten Berlin-Dahlem.
Seit 1994 steht die Botanische Anlage unter Denkmalschutz, am 1. Januar 1995 wurde sie dem Bezirksamt Pankow übertragen.
Seitdem ist der Park einschließlich des Gewächshauses wieder als „Botanischer Volkspark Pankow“ eine öffentliche Grünanlage, die 1998 in den „Naturpark Barnim“ integriert wurde. Zum 100-jährigen Bestehen der Anlage im Jahr 2009 konnten für 1,75 Mio. Euro die beiden Gewächshaustürme und der Mitteltrakt restauriert werden. 2011 übernahm die Grün Berlin GmbH den Betrieb des Botanischen Volksparks. Sie entwickelte einen landschaftsarchitektonischen Masterplan mit den Schwerpunkten Bildung, Freizeit und Gesundheit. Auch besann man sich auf den ursprünglichen Zweck der Anlage, die Naturbildung von Kindern und Jugendlichen, und ergänzte diese um zusätzliche Angebote. So wurden u. a. unbenutzte Wiesenflächen aufgeteilt, damit sie von Berlinern mit Spaß am Gärtnern bearbeitet und bepflanzt werden können.
Inmitten des Waldes liegen malerisch eingebettet zwei fast völlig zugewachsene Teiche, die einer Vielzahl von Amphibien und Vögeln einen gesicherten Lebensraum bieten. Hinter dem Wald geht der Park in die Landschaft des Barnim über. Bei Familien mit Kindern besonders beliebt ist das Gehege mit einer größeren Damwildgruppe. So bietet der Park ein abwechslungsreiches Zusammenspiel aus Natur- und Kulturlandschaft.