Die Schönholzer Heide

Einer der Wege durch die Schönholzer Heide

Vom königlichen Nutz- und Lustgarten zum beliebten Ausflugsort

Ursprünglich reichte das Waldgebiet der heutigen Schönholzer Heide bis an die Jungfernheide heran. Königin Elisabeth Christine (1715-1797), die sich in den Sommermonaten im nahen Schloss Schönhausen aufhielt, kaufte Anfang 1750 in der Heide Land und ließ auf etwa 35 ha einen Lust- und Nutzgarten anlegen. Obstbäume wurden gepflanzt, ebenso Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht. Auch drei Weinberge entstanden, zwischen denen man in einem sogenannten Lustwäldchen flanieren konnte.
Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) übertrug die Königin zwölf Kolonisten Wohnung und Land als Eigentum, das sie nicht veräußern durften. Als Gegenleistung mussten sie an einem Tag in der Woche „Hofdienst in Natura“ auf der Königin-Plantage der Königin leisten.
Die Kolonie Schönholz, wie sie ab 1791 hieß, entwickelte sich zu einer Gutsanlage mit einem Gutshaus.

Wer im 19. Jahrhundert von Berlin aus einen Ausflug nach Niederschönhausen machte, musste das kleine Waldgebiet „Schönholzer Fichten“ links und rechts der heutigen Grabbeallee durchqueren. In die Schönholzer Heide reiste man ab 1877 schon mit der Eisenbahn oder mit der Pferdestraßenbahn. Zahlreiche Lokale mit großen Schankgärten entstanden. Das oft lustig-derbe Vergnügen wurde sogar besungen: „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten …“. Bevor der Forstfiskus das Waldgebiet zur Bebauung verkaufen konnte, stoppte ein Bürgerverein das Vorhaben, und 1915 es gelang es mit Unterstützung des Bürgermeisters Wilhelm Kuhr (1865–1914) 1915 die Schönholzer Heide zum Dauerwald zu erklären.

Ab 1920, nachdem Pankow zu einem Teil Berlins erklärt worden war, wurden Teile des Gebietes für weitere Vergnügungen und sportliche Betätigungen umgestaltet. Im März 1935 eröffnete der Vergnügungspark Schönholz, der „Luna-Park“, der den Gästen der Olympischen Sommerspiele 1936 ausdrücklich empfohlen wurde.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schloss die Vergnügungsstätte. Auf dem Gelände wurden mehrere Zwangsarbeiterlager errichtet, „Luna-Lager“ genannt, mit fast 2.500 Zwangsarbeitern. Deren Unterkünfte wurden nach 1945 abgerissen. Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) wurde der Park wieder als Erholungsort gestaltet. Die 1956 eröffnete Freilichtbühne, das „Heide-Theater“, war eine Attraktion im Berliner Norden. Nach dem Mauerbau im Jahre 1961 wurde sie geschlossen.

Danach eroberte die Natur das Gebiet zurück. Zu jeder Jahreszeit sind hier Spaziergänger und Jogger anzutreffen. Hat es im Winter geschneit, sind die Abfahrten vom „Gipfel“, besonders beliebt. Der Hügel entstand durch den Aushub, der bei der Bauarbeiten für die Verlängerung der U-Bahn bis Pankow (Vinetastraße) in den Jahren 1927/1928 anfiel und hier aufgeschüttet wurde.

Die Schönholzer Heide, der Bürgerpark, die angrenzenden Friedhofsanlagen und Teile des ehemaligen Mauerstreifens wurden wegen ihrer großen ökologischen Bedeutung 2014 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

Das Sowjetische Ehrenmal in Schönholz ist Ruhestätte für 13.000 sowjetische Soldaten. Mit der Plastik „Mutter Heimat“ wird hier, anders als in Treptow, mehr der Gefallenen gedacht als des Sieges über Hitler-Deutschland. Eine Besonderheit ist auch, dass auf der Rückseite des Obelisken sowjetische Soldaten, die in deutscher Kriegsgefangenschaft umkamen, beigesetzt sind. Sie galten unter Stalin als Deserteure. Am 7. November 1949 wurde die Gedenkstätte feierlich eröffnet und von 2011 bis 2013 umfangreich restauriert.

Ganz in der Nähe, an der Grabbeallee zwischen der Panke und dem Zingergraben entstand 1884 das „Mädchenrettungshaus „Siloah“, eine Filiale des Magdalenenstifts. Heute befindet sie hier die evangelische Wohnstätte gleichen Namens. Daneben wurde 1909 die von dem Architekten Paul Mebes (1872-1932) projektierte „Paul-Francke-Siedlung“ gebaut, ein frühes Beispiel für sozialen Wohnungsbau. Der schuf hier ein Beispiel für den frühen sozialen Wohnungsbau. Die „Schönholzer Fichten“, auf die man in der Wohnanlage trifft, erinnern an das vormalige Waldgebiet.
Auf dem Friedhof Pankow III, 1903 zwischen Bürgerpark und Schönholzer Heide angelegt, findet man u. a. Ehrengräber für den Bildhauer Fritz Cremer (1906-1993), den Schauspieler und Sänger Ernst Busch (1900-1980), den Maler Max Lingner (1888-1959), den Widerstandskämpfer Anton Saefkow (1903-1944), den Erfinder der Thermosflasche Reinhold Burger (1866-1954) und den Fernsehpionier Paul Nipkow (1860-1940).
Die Seniorenwohnanlage Stiftung Schönholzer Heide zwischen Cottastraße und Heinrich-Mann-Straße, das „Städtchen der Alten“, entstand 1930 – ebenfalls nach Plänen Paul Mebes’. Auch hier bezog er den natürlichen Baumbestand in das Ensemble ein.