Der Kissingenplatz
Bild: Dr. Axel Täumler
Im grünen Süden von Alt-Pankow
Als ab 1906 die katholische Sankt-Georg-Kirche auf dem Kissingenplatz und ab 1911 die Hoffnungskirche in der damaligen Lindenstraße (seit 1936 Elsa-Brändström-Straße) gebaut wurden, war das umliegende Gebiet nur dünn besiedelt.
Die Kirchenbauten, das Amtsgericht mit dem Gefängnisanbau (1906) und das Schulgebäude (1907) bildeten den Anfang einer, in den1920er/1930er Jahren, massiv einsetzenden Bebauung des Gebietes zwischen dem ehemaligen Rangierbahnhof Pankow, der Berliner Straße, der Wisbyer Straße und der Prenzlauer Promenade. So entstanden im dazu gehörigen „Kissingenviertel“ (zwischen Kissingen-, Neumann- und Borkumstraße) 1925 etwa 3.600 Wohnungen. Unterschiedliche Wohnbaugesellschaften hatten dafür Acker-, Garten- oder Brachland des ehemaligen Wollank`schen Besitzes erworben und beauftragten zum Teil bekannte Architekten der Weimarer Zeit mit Bebauungsentwürfen. Im Gegensatz zu den Mietskasernen im nahen Prenzlauer Berg entstanden hier Siedlungen, die sich durch grüne Innenhöfe, Spielplätze und soziale Gemeinschaftseinrichtungen auszeichneten. So etwa die Wohnanlage der „Stadt und Land Siedlungsgesellschaft mbH“ zwischen Granitzstraße und Zeiler Weg mit ihren Blöcken „Birkenhof“, „Kastanienhof“
und „Tannenhof“. Die Pläne der Architekten Jacobus Goettel , Paul Mebes (1878-1938) und Paul Emmerich (1876-1958) sahen sogar eine Einrichtung für Kleinkinder und einen Raum für Schulkinder vor.
Die Kissingenstraße entlagzulaufen ist auch im Hochsommer angenehm. Auf der breiten Mittelpromenade stehen alte Platanen, deren breit breit ausladendes Geäst viel Schatten spendet. Von hier gelangt man zum Kissingensportplatz an der Forchheimer Straße, der ebenfalls von alten Bäumen umstanden ist. Mittendrin, versteckt zwischen Kissingen- und Binzstraße, liegt die Kleingartenanlage „Kolonie Insel Rügen“.
Dort, wo die Kissingenstraße in die Prenzlauer Promenade mündet, trifft man auf Häuser mit sogenannten Tonnendächern. Sie gehören zu der in den Jahren 1930/31 erbauten Wohnanlage Zeppelin. Auch sie sind Zeugnisse einer fortschrittlichen Wohnungspolitik, wie sie zur Zeit der Weimarer Republik verfolgt wurde. Licht, Luft und Sonne konnten in die Wohnungen gelangen, und die bepflanzten Innenhöfe luden Kinder zum Spielen ein.
Das Amtsgericht an der Kissingen-/straße/Ecke Arkonastraße mit dem Gefängnisanbau hat eine wechselvolle Geschichte. Heute befindet sich hier eine Justizvollzugsanstalt für Frauen. Als es erbaut wurde (1906), gab es noch nicht einmal elektrisches Licht im Amtsgebäude. 1928 wurde das Gefängnis mangels Insassen geschlossen. Während der Zeit des Nationalsozialismus nutzte die Gestapo das Gerichtsgebäude. Nazigegner waren im Gefängnis nebenan inhaftiert. Nach 1945 bis zum Ende der DDR nutzte die Staatssicherheit das Gebäude als Untersuchungshaftanstalt. Eine Gedenktafel erinnert an die Opfer beider Systeme.