Der Herthaplatz
Bild: Museum Pankow
Ein besonderer Stadtraum
Im östlichen Niederschönhausen, zwischen der verkehrsreichen Blankenburger Straße, der Buchholzer Straße und der Siegfriedstraße liegt der Herthaplatz, 1899 benannt nach der Angehörigen einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie.
Von den Plätzen in Niederschönhausen ist dieser der ruhigste. Zwischen seinen Bäumen und Sträuchern hält man sich gern auf und die Kinder können hier ungestört spielen. Rekonstruierte Gründerzeithäuser und einige Neubauten mit Vorgärten umgeben den Platz.
Unweit vom Herthaplatz befindet sich der „Landeseigene Friedhof IV“ (Eingang Buchholzer Straße). Der alte Begräbnisplatz, auf dem bereits in den 1840er Jahren Beisetzungen stattfanden, war im Laufe der Zeit zu klein geworden. Für eine Neuanlage am ehemaligen Buchholzer Landweg erhielt die Gemeinde Land von der Bauernfamilie Liedemit geschenkt. Die Liedemits, die hier seit dem 17. Jahrhundert ansässig waren, erhielten so ein unbegrenztes Erbbegräbnisrecht.
Die Namen auf den Grabstätten lesen sich wie ein „Who’s is who“ des Ortsteiles Niederschönhausen. Vielfach sind die Berufe der Bestatteten angegeben, und manch Alteingesessener weiß noch, wo der hier Beigesetzte seinen Laden oder seine Werkstatt hatte. Hier lässt sich viel über Pankower Geschichte, über Bauern, Bürger und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Vergangenheit und Gegenwart erfahren. An Größe und Schmuck mancher Gräber kann man gut den sozialen Stand der Verstorbenen erkennen. Besonders auffällig gestaltet sind die sogenannten Wandgräber entlang der Umfassungsmauer. Viele der hier Ruhenden haben im 19. und 20. Jahrhundert die Entwicklung von Niederschönhausen geprägt. Eine mehrteilige Grabanlage gehört der Familie Moldenhauer. Hermann Moldenhauer (1849-1924) war langjähriger Amts- und Gemeindevorsteher in Niederschönhausen. Auch der Schmiedemeister Paul Gasde (1908-1960), der Gärtnereibesitzer Gustav Lindstädt (1895-1953) sowie ein August Pieckenhagen wurden
hier beigesetzt. Letzterer war 1858 der erste Müller in Niederschönhausen und betrieb eine Bockwindmühle in Nordend. Ernst Rehfeldt (1865-1927) war der erste Ortschronist.
Auch zwei Ehrengräber des Landes Berlin befinden sich auf dem Friedhof: das eine erinnert an den Publizisten und Herausgeber der „Weltbühne“ Carl von Ossietzky (1889-1938) und seine Frau Maud (1888-1974), das andere an den Filmpionier Max Skladanowsky (1863-1939).
Die Hauptallee führt direkt zur Begräbniskapelle aus rotem Backstein in der Mitte der Anlage. Über 100 Jahre alte Rosskastanien wachsen an den Wegen, ebenso Fichten, Linden, Eiben und andere Gehölze, die Vögeln und Kleintiere Unterschlupf bieten.