Der Brosepark

Seit 1976 steht am Parkeingang die Bronzeplastik „Mutter und Kind“ (1911) von Reinhold Felderhoff.

Ein kleiner Park mit großer Vergangenheit

Ein Spaziergang im Brosepark ist zu jeder Jahreszeit schön. Selbst an heißen Sommertagen ist es dort angenehm kühl. Das fröhliche Lärmen der Kinder klingt gedämpft in der weitläufigen Anlage, die mehr als 40.000 m³ umfasst. Geschwungene Wege führen an Rasenflächen entlang, die, von Büschen eingerahmt, den Blick auf hohe alte Bäume freigeben. Kaum zu glauben, dass das einmal der Garten einer einzigen, wenn auch großen, Familie war.

Im 18. Jahrhundert befanden sich hier Felder und Gärten der Niederschönhausener Bauern. Schon damals war das Dorf Anziehungspunkt der für viele Berliner. Wer es sich leisten konnte, richtete sich hier einen Sommersitz ein. So kamen 1788 die Berliner Bankiers Christian Christoph Engel und Heinrich Friedrich Fetschow mit ihren Familien nach Niederschönhausen, dann Oberbergrat Karsten, Kaufmann Karl Leopold Brendel, Braueigner Lenke, um nur einige zu nennen, und ab 1804 auch der Kaufmann und Bankier Wilhelm Brose (1781-1870) nach Niederschönhausen. Sie alle waren miteinander verwandt, Wilhelm Brose war Fetschows Schwiegersohn. Von der Witwe Maria Amalie Karsten, der Schwester seiner Schwiegermutter, erwarb er das Anwesen an der Dorfstraße (heute Dietzgenstraße 42) mit einem stattlichen Landhaus, flankiert von zwei kleineren Häusern, von denen das eine 1764 als Alterssitz des Küsters Johann Gottfried Palm (1714-1796) errichtet worden war. Christian Wilhelm Brose ließ das Anwesen zu einem ansehnlichen Dreierensemble umbauen.

Der Entwurf dazu mit Säulen und einer Freitreppe zum Haupthaus stammte von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), mit dem Brose eine langjährige Freundschaft verband. „Die Schinkel trank Thee bei mir“, notierte seine Frau Henriette am 10. November 1812 in ihrem Tagebuch.

Für die Niederschönhausener Bauern war Wilhelm Brose auch Helfer in schwierigen Zeiten. In Folge der Stein-Hardenbergschen Reformen (1807/-10) konnten die Bauern das von ihnen bearbeitete Land gegen hohe Ablösesummen als freies Eigentum erwerben. Kaum einer von ihnen hatte aber dafür das nötige Kapital. Brose verschaffte ihnen Darlehen und kaufte ihnen auch Land ab, sodass er seinen Garten erweitern konnte. Für dessen Gestaltung standen ihm die Gärtner Bennickenstein und Kratzenstein zur Seite, aber auch er selbst half tatkräftig mit. So entstand ein Park mit verschlungenen Wegen, Hügeln, einem Borkenhäuschen, einem Teich und einer Orangerie im Lenné`schen Stil.

Der Sommersitz wurde ein beliebter Treffpunkt für Wilhelm Broses großen Freundeskreis, zu dem neben Schinkel und Christian Peter Wilhelm Beuth (1781-1853) namhafte Persönlichkeiten des geistigen und künstlerischen Lebens gehörten, so die Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777-1857), Christian Friedrich Tieck (1776-1851) und August Kiß (1802-1865). Auch der heitere und gesellige Carl Joseph Ludwig Nietner (1792-1861), Sohn des Hofgärtners im Schlosspark Schönhausen, der als Justizrat die Familie Brose in Rechtsfragen beriet, war ein gern gesehener Gast, ebenso der Maler Franz Krüger (1797-1857), der hier auch arbeitete. Henriette Brose berichtet in ihrem Tagebuch von engen Beziehungen zu Friedrich Gropius (1779-1854) und dem seinem jüngeren Bruder Carl Christian Gropius (1781-1854). Beide waren Kaufleute und kamen oft nach Schönhausen. Der Seidenwarenhändler Gottlieb Friedrich Wollank (1771-1851) wird ebenfalls erwähnt.

Nach dem Tode Wilhelm Broses im Januar 1870 wurde das Anwesen weiterhin von der Familie genutzt. Seine unverheiratete Tochter Amalie verbrachte hier bis zu ihrem Tod 1881 die Sommermonate. Seine Enkel verkauften der Gemeinde Niederschönhausen 1919 das Anwesen unter der Bedingung, dass der Park erhalten bleiben soll. Ein Jahr später wurde der Brosepark der Öffentlichkeit übergeben. Von den Gebäuden überstand nur das ehemalige Palm`sche Haus die Kriegs- und Nachkriegszeit . Es wurde vom Gartenbauamt bis zu seiner baupolizeilichen Sperrung im Jahre 1988 als Dienstwohnung genutzt. Nach seiner Rekonstruktion in den Jahren 1993/94 erhielt es der „Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.“ zur Nutzung. Das Küster-Palm-Haus wird seitdem Brose-Haus genannt.