Der Schlosspark Schönhausen
Bild: Stiftung Preuflische Schlösser und Gärten
Ein kleines Schloss mit großer Geschichte
Das erstel Mal erwähnt wurde Niederschönhausen als Dorf im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375. Ab 1662 war Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten (1620-1678) nach mehreren Besitzerwechseln Herrin des Landguts. Auf diesem ließ ihr Gemahl Christian Albrecht von Dohna (1621-1677) nach eigenen Entwürfen ein Haus bauen, ein „petit palais“. Damit begann Schönhausens Schloss- und Parkgeschichte. Gräfin zu Dohna stammte aus Holland. Erfahrungen von dort wurden genutzt, um die Panke zu regulieren und ihrer Niederung trocken zu legen. Gräben und Kanäle wurden gezogen und ein Damm aufgeschüttet (die heutige Schlossallee). Ein Garten und eine Meierei nach holländischem Vorbild entstanden, ebenso eine Obstplantage und kunstvoll mit Tulpen bepflanzte Blumenbeete. Es war die Zeit der sogenannten „Tulpenmode“.
Ernst von Grumbkow (1637-1690), ab 1684 Besitzer von Haus und Hof, ließ den Garten und die Orangerie pflegen und erweitern. Ende des 17. Jahrhunderts erwarben Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (ab 1701 König Friedrich I. in Preußen) und seine Frau Henriette von Oranien die Anlage. Bis 1918 sollten nun die Hohenzollern Schönhausen prägen. Wieder wurde der Garten umgestaltet, das Haus erweitert, diesmal unter der Leitung das jungen holländischen Architekten Johann Arnold Nehring (1659-1695). Ihm folgte 1704 der Königliche Hofarchitekt Johann Friedrich Eosander von Göthe (1669-1728), unter dessen Leitung das Gebäude zu einem Schloss umgebaut wurde.
Nun entstand ein Park im Stil französischer Vorbilder bzw. der Schlossgärten von Berlin und Potsdam: mit symmetrisch angelegten Wegen und Beeten, mit von Weißbuchhecken eingefassten Rasen- und Blumenflächen, mit Eibenpyramiden und einem grünen Labyrinth. Auch eine Fasanerie, vom Schloss durch eine Mauer getrennt, entstand.
Der Nachfolger Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., der sogenannte Soldatenkönig, gab nur noch Geld für das Notwendigste zum Erhalt des Anwesens in Schönhausen aus. Erst unter seiner Schwiegertochter Elisabeth Christine, Gattin von Friedrich II., die 1734 Schloss und Park kennenlernte und viele Sommern dort residierte, lebte der Besitz wieder auf. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) stellte Friedrich II. seiner Frau Mittel für die Instandsetzung zur Verfügung. Der Architekt und Landbaudirektor Johann Boumann d. Ä. (1706-1776) gab dem Gebäude seine heutige Form (mit dem repräsentativen Treppenhaus). Der Nutzgarten und die Gärtnerei wurden um eine Baumschule erweitert, die Orangerie erneuert und der bis dahin von Bauern genutzte südliche Teil des Parkes hinzugewonnen. Elisabeth Christine ließ die streng barocke Form aufbrechen und veranlasste u.a. den Abriss einer Mauer um den Schlossvorhof. Nachdem Johann Joseph Nietner (1726-1803) 1769 Hofgärtner geworden war, wandelte sich
die äußere Park allmählich zu einem Landschaftspark.
Aus dieser Zeit stammen die Alleen und Bäume, die noch heute im Park zu finden sind. Nach dem Tod der Königin 1797 blieben Schloss und Park Rückzugsort für königliche Familienmitglieder.
Die Baumschule wie auch der Wirtschaftsgarten dienten der Versorgung der Schlossbewohner und ihrer Gäste mit Obst und Gemüse. So lieferte die Baumschule Perter Joseph Lenné (1789-1866) und ab 1832 dem Hofgärtner Theodor Nietner (1790-1871) die Pflanzen für Schönhausen und andere Anlagen. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hieten sich immer wieder Familienangehörige des preußischen Hofes in Niederschönhausen auf. Im Jahr 1906 gründen „Brucks & Beinroth“ Baumschulen auf Flächen des Schlossgutes. Der Park begann zu verwildern, Teile davon wurden verpachtet. Auch Schönhausen bekam die Folgen der Industrialisierung zu spüren: Die Panke wurde begradigt, ihr Wasser durch Lederfabriken an ihrem Oberlauf verschmutzt.
Die glanzvolle Zeit von Schloss Schönhausen endet 1918 . Von da an diente es als Lager für das königliche Mobiliar. Im Jahr 1924 pachteten „Brucks & Beinroth“ auch die Schlossgärtnerei. Damit blieb die Orangerie erhalten, deren Ruine unter Denkmalschutz steht und des Wiederaufbaus harrt.
In den 1920/30er Jahren versuchte der „Künstlerbund Norden“ die Stätte mit Kunstausstellungen wiederzubeleben. Die Nationalsozialisten, bemüht, preußische Geschichte fortzuschreiben, gaben die Restaurierung des Schlosses in Auftrag. In nur zwei Jahren (1935/36) wurde es instand gesetzt und der „Reichskammer für Bildende Künste“ als Ausstellungort übergeben. Sogenannte Gauausstellungen für die Öffentlichkeit gingen einher mit dem Verkauf von Werken „entarteter Kunst“ in den hinteren Räumen. Nach 1945 zog die sowjetische Armee in das nur wenig beschädigte Schloss. Mit der Gründung der DDR im Jahr 1949 wurde es Sitz des Staatspräsidenten. Die DDR-Regierung ließ den schlossnahen Parkteil ummauern, sodass das Gut nun in einen inneren und einen äußeren Bereich geteilte Schlossgut in inneren und äußeren Bereich zerfiel.
Die bis dahin noch sichtbare historische Parkgestaltung war dadurch kaum mehr zu erkennen. Der äußere Parkbereich blieb öffentlich. Der inner Bereich um das Schloss wurde ab 1950 vom Gartenarchitekten Reinhold Lingner (1902-1968) gestaltet und mit einem Teich und einem Gartenpavillon ausgestattet. Eine weitere Umgestaltung der Anlage erfolgte um 1960. Dabei wurde auch das alte Kastellanhaus im Schlosshof abgerissen. Bis 1991 blieben das Schloss und der innere Park für die Öffentlichkeit unzugänglich.
Im Jahr 2006 übernahm die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das Objekt und den inneren Parkbereich. Die Eröffnung des Hauses als „Museumsschloss“ fand am 19. November 2009 statt.