Das Kavalierhaus

Das Kavalierhaus

Vom Kossätenhof zum Patientenpark

An heißen Sommertagen findet man hier ein schattiges Plätzchen, kann Elstern und Eichhörnchen beobachten. Manchmal streicht auch ein Fuchs durch den kleinen Park hinter dem hübschen Haus, das die einen Kavalierhaus, andere dagegen Villa Hildebrand nennen. Ehrwürdige alte Bäume und geschwungene Pfade laden zum Spaziergang ein.
Vor 300 Jahren liefen dort Gänse, Hühner und Schweine herum. Für je 125 Taler hatten die Hugenotten Henri Noe und Pierre Roux 1706 jeder einen Kossätenhof mit zwei Morgen Gartenland erworben. In der nächsten Generation heirateten die Nachbarskinder und vereinten die beiden Höfe. So wuchs das Anwesen auf das Dreifache seiner ursprünglichen Größe. Es umfasste die Grundstücke 44, 45 und 46 an der Dorfstraße und reichte bis zur Kleekoppel, der heutigen Hadlichstraße.
Der nächste Besitzer war Pierre Caquot, ein reicher Berliner Kaufmann. Er schuf sich auf dem Doppelgrundstück einen prächtigen Sommersitz, der neben mit dem um 1764 errichteten Barockbau, einigen Wirtschaftsgebäuden und einen herrschaftlichen Garten umfasste. Unmittelbar am Haus entstand ein Garten-Parterre mit Zierbeeten, die von Eiben eingefasst waren. Dahinter erstreckte sich eine Lindenallee, die an einem Pavillon endete. Etwa dort steht heute eine Trauerweide. Blickt man von hier zum Haus zurück, kann man diese barocke Sichtachse, noch sehr gut erkennen.

Auf die Pflege des Gartens legte auch die Stiftsrätin Caroline Labes (1730-1810) großen Wert. Ihr gehörte das Grundstück von 1775 bis 1807. In ihrer Lebensbeschreibung von 1777 berichtet sie, wer bei ihr in „Lohn und Brodte“ steht, darunter ein Gärtner in Pankow „und noch eine Gartenfrau“. In diesem Garten, verbrachte ihr Enkel, der spätere Dichter Achim von Arnim (1781-1831), einen Teil seiner Kindheit.
Der nächste Besitzer, der Berliner Kaufmann Carl Philipp Möring, ließ eine Orangerie errichten, die mit einer Dampfheizung ausgestattet war, was zu großem Aufsehen über Preußens Grenzen hinaus sorgte. Möring verdanken wir die früheste bildliche Darstellung des Hauses. Für seine Tochter und seinen Schwiegersohn ließ er 1814 bei der KPM ein Kaffeeservice anfertigen, zu dem auch ein Kuchenteller mit einer Ansicht des Hauses gehört.
Im Jahre 1850 wurde das Grundstück in drei Teile geteilt. Den mittleren Teil mit dem barocken Wohnhaus und dem Gartenpavillon erwarb der persönliche Bibliothekar Friedrich Wilhelms IV. (1795-1861), Charles Duvinage (1804-1871). Für seine sieben Kinder war der weitläufige Garten sicher ein Paradies.
Zwischen 1866 und 1938 war das Anwesen im Besitz der Familie Hildebrand und wurde seitdem auch Villa Hildebrand genannt. Dem Schokoladenfabrikanten Richard Hildebrand und seinem Sohn lag die Gestaltung und Pflege des parkartigen Gartens sehr am Herzen. Es gab einen Spielplatz, einen Tennisplatz und ein Billardhaus. Hinter dem Gartenpavillon erstreckte sich ein großer Obst- und Gemüsegarten. Der hintere Teil des Grundstücks wurde nach 1961 für den Bau einer Polizeistation abgetrennt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren im Haus verschiedene soziale Einrichtungen untergebracht. 1953 zog der Hort der 7. Oberschule in der Görschstraße, der späteren Arnold-Zweig-Oberschule, in den Barockbau. Der große Garten war nicht nur als Spielplatz beliebt, die Hortkinder beteiligten sich auch an seiner Pflege. 1989 musste der Hort dann ausziehen.
Viele Jahre blieb das Anwesen ungenutzt. 1998 konnte es der Verein Caritas-Krankenhilfe Berlin e.V. als Träger der Maria Heimsuchung Caritas-Klinik Pankow erwerben. Damit übernahm der Verein auch die Verpflichtung zur Sanierung der seit 1938 denkmalgeschützten Villa Hildebrand, die seit Dezember 2000 in neuem Glanz erstrahlt. Auch der ursprünglich barocke Garten wurde wieder zu einer grünen Oase. Als geschütztes Gartendenkmal steht es sowohl Patienten als auch Besucher offen.