Der Pankower Anger – Breite Straße

Die Skulptur „Viertelmondträgerin“ mit dem Rathaus im Hintergrund

Vom Dorfanger zum Zentrum

An marktfreien Tagen ist der Anger eine kleine Oase, inmitten des Verkehrs auf der Breiten Straße. An dem seinem östlichen Ende steht die Kirche „Zu den Vier Evangelisten“, an seinem westlichen Ende das Rathaus. Die Marktfläche ist von Bäumen und Bänken gesäumt. Am Übergang an der Haltestelle Rathaus Pankow gibt es einen kleinen Platz, in dessen Mitte um die Skulptur „Viertelmondträgerin“ von Trak Wendisch (geb. 1958) steht.

Eigentlich reicht der Anger noch bis zum Stiftsweg und zur Damerowstraße. Entlang der Promenade standen bis in das 20. Jahrhundert Sommervillen wohlhabender Berliner Bürger, die auf ihren Grundstücken repräsentative Gärten anlegen ließen. Park- und Grünflächen gibt es jedoch nur westlich der Kirche. Auf dem Rasen vor der Kirche wird einmal im Jahr im Rahmen einer Kunstaktion eine neue Skulptur neben der breit ausladenden Hängebuche ausgestellt. Vor dem Eingang der Kirche laden Bänke unter großen, alten Linden zum Aufenthalt ein.
Nach der Bepflanzung des Angers im Jahr 1859 mit Lindenbäumen, liebten es die Bürger auch in Pankow „Unter den Linden“ zu promenieren.
Anfang des 19. Jahrhunderts ließ ein Bankier namens Lessing an der Nordseite des Angers (Breite Straße 22) ein großen Garten als Sommersitz anlegen.

Als das Pankower „Rathaus-Center“ 1999 gebaut wurde, befand sich an dieser Stelle lediglich einen Parkplatz. Jedoch stammen die gewaltigen Eichen hinter dem Einkaufszentrum noch aus dem Garten Lessings. Über zwei Zugänge gelangt man in das Blockinnere. Grüne, ruhige Wege führen von hier in den Paule‐Park, zu Spiel‐ und Bolzplätzen und – weiter über die Pestalozzi‐ und Parkstraße – zum Bürger‐ und Schlosspark.

Auf der anderen Straßenseite liegt der Bleichröderpark. Ursprünglich befand sich hier seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Sommersitz der Familie Bleicheröder. Nur die Anordnung der Bäume lassen die Anlage ihres Gartens heute noch erahnen. Deren Kronen ragen hoch hinaus über die niedrigen Häuser an der Breiten Straße. In Nachbarschaft des alten Pfarrhauses entstand nach 1990 ein Neubau (Breite Straße 34), daneben stehen eine kleine Villa und die dreigeschossige Bleichröder-Villa. Auf einer Brache zwischen dem Pfarrhaus und dem Neubau befand sich bis zum Abriss 2013 das Gebäude einer ehemaligen HO-Kaufhalle.

Das Dorf Pankow wurde 1311 erstmals urkundlich erwähnt. Schon um 1230 stand eine kleine Holzkirche auf dem Anger. Im 15. Jahrhundert wurde anstelle der Holzkirche eine Feldsteinkirche errichtet. Ihre heutige, stadtbildprägende Form erhielt die Kirche aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Der westliche Anbau, ein dreischiffiges Hallenanhaus mit Türmen, wurde 1857 -1859 nach Entwürfen Friedrich August Stülers (1800–1865) errichtet. Seit dieser Zeit gibt es den unmittelbar an der Kirche liegenden Friedhof nicht mehr. Die Dorfschule auf dem Anger wurde kurz nach 1900 abgerissen. Die während des Zweiten Weltkrieges beschädigten Kirchtürme wurden im Jahr 1951 renoviert. Im Zuge der Sanierung desdes pankower Angers zwischen 1994 und 2011 wurde auch die Kirche restauriert.
Der Anger, von dem begrünte Wege zum Schloss Schönhausen und zum Bürgerpark sind charakteristisch für den Alt‐Pankower Ortskern. Die ihn umgebenen Wohngebiete sind vor allem geprägt von viergeschossigen Häusern, Gärten statt Höfen, von Villen, baumbestandenen Straßen mit Vorgärten und großen Parkanlagen. Einige kleine Häuser am Anger und die in der Nähr liegenden großen Grünanlagen lassen noch die dörfliche Struktur Pankows erkennen.