Der Jürgen-Kuczynski-Platz und die Woelckpromenade
Blick auf die Wohnanlage "Holländerhof"
Bild: BA Pankow
Ein sonniges und luftiges Quartier mit viel Grün
Carl Woelck (1868-1937), seit 1905 Bürgermeister, hatte Großes vor. Er wollte für die Gemeinde Weißensee den Status einer Stadt erlangen. Mit dem Bebauungskonzept von Carl James Bühring (1871-1936), den er zum Stadtbaurat berufen hatte, versuchte er diesen Plan umzusetzen. In dem von Bühring konzipierten Munizipalviertel entstand zwischen 1908 und 1912 rund um den Kreuzpfuhl ein Gemeindeforum mit einer Schule, einem Sportplatz, einer Stadthalle, einem Elektrizitätswerk und einer modernen Wohnanlage.2012 wurde die Grünanlage am Kreuzpfuhl nach dem Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski (1904-1997) benannt.
Die Wohnbauten wurden mit großzügigen Grünanlagen umgeben. Diese Bebauung war ein Gegenentwurf zur vorherrschenden Mietskasernenarchitektur der Gründerzeit.
Die vom Gartenarchitekten Johannes Griese (1878-?) angelegten Grünflächen entlang der Woelckpromenade verbinden den Kreuzpfuhl mit dem Goldfischteich und führen bis zum Park am Weißen See, der ab 1908 Volkspark war.
Eine architektonische Besonderheit an der Woelckpromenade ist die denkmalgeschützte Wohnanlage „Holländerhof“. Sie besteht aus drei- und viergeschossige Häuser mit Sattel- und Walmdächern, Stufen- und Treppengiebeln sowie bogigen Durchgängen, die zu einer gepflegten grünen Hofanlage führen. Als Ergänzung zum Gemeindeforum wurden diese Häuser zwischen 1925 und 1928 im Auftrag der Pankower Heimstätten GmbH nach Entwürfen des Berliner Architekten Joseph Tiedemann (1884-1959) gebaut. Tiedemann knüpfte an historische Bau- und Gestaltungsformen des 18. Jahrhunderts an, wie sie auch das Holländische Viertel in Potsdam kennzeichnen. Die quadratische Wohnanlage entsprach dem zur Zeit der Weimarer Republik weit verbreitetem verbreiteten Bestreben, gesunde Wohnverhältnisse zu schaffen.
Wie das benachbarte Munizipalviertel erlitt auch der Holländerhof gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Schäden. Mit der Beseitigung konnte bereits 1946 begonnen werden. In der parkähnlichen Anlage fallen die Ligusterhecken, die kleinkronigen Kugelrobinien und die Baumhasel auf. Die Wohnanlage wurde im Jahr 2004 denkmalgerecht saniert und präsentiert sich seitdem in alter Schönheit.
Verlässt man den „Holländerhof“ durch eines seiner Portale, trifft man auf den bereits 1925 angelegten Park am „Goldfischteich“. Das kleine Gewässer in einer Senke an der Amalienstraße ist – wie auch der Kreuzpfuhl und der Weiße See – ein eiszeitliches Relikt.