Glaubt man den Chronisten, war Weißensee um das Jahr 1230 als Straßendorf am Ostufer des Sees erbaut worden. In einer Urkunde aus dem Jahr 1313 ist es als „Wittenze“ (niederdeutsch: „weiter, heller See“) verzeichnet. Lebensgrundlage der Dorfbewohner war zunächst das nach der letzten Eiszeit entstandene fischreiche Gewässer. Schon bald nach der Gründung rodeten sie die Dörfler die umliegenden Wälder und schufen so Flächen für Ackerbau und Viehzucht. Von 1486 bis 1616 gehörte diese „Dorfschaft“ der Berliner Patrizierfamilie Blankenfelde. Es entstand ein Rittergut , das nach mehrfacher Teilung und Besitzerwechsel 1821 von Johann Heinrich Leberecht Pistorius (1777-1858) erworben wurde. Er baute großflächig Kartoffeln an und der entwickelte einen neuartigen Destillationsapparat zur Schnapsbrennerei, die ihm enorme Gewinne bescherte. Nach Pistorius’ Tod, wurde sein Neffe Friedrich Wilhelm Lüdersdorff (1810-1872) neuer Gutsherr. An der Stelle des bisherigen Gutshauses ließ er ein zweigeschossiges schlossähnliches Gebäude mit zwei turmartigen Kopfbauten errichten und die Fläche zum See hin zu einem Park umgestalteten. Nach 1874 entwickelten sich „Schloss“ und Park zu einer Vergnügungsstätte. Rudolf Sternecker, Besitzer der naheliegenden Brauerei, eröffnete nach dem Vorbild des Kopenhagener Tivoli 1880 das „Weltetablissement Schloss Weißensee“. Zu seinem dessen Erfolg trug auch die Pferdeeisenbahn bei, die ab 1877 zwischen Alexanderplatz und Weißensee verkehrte. Nachdem Sternecker sein Geschäft 1897 überraschend aufgab, erwarb Bürgermeister Carl Woelck (1868-1937) im Jahr 1908 das Areal für die Gemeinde Weißensee, um es zu einem Volkspark umgestalten zu lassen.
Der Park am Weißen See
Blick auf den Weißen See
Bild: BA Pankow
„Weißensee, ein Dorf eine Meile von Berlin, dem Herrn von Schenkendorf gehörig. Es ist daselbst ein sehr schöner Garten, dem die angenehme Lage an dem großen See … Es gehet von Berlin dahin eine Allee … “
Friedrich Nicolai (1733-1811): Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Berlin 1786
Weißensees Schmuckstück ist der fast kreisrunde, 8,5 ha große und bis zu 10 m tiefe Weiße See inmitten einer weitläufigen Parkanlage. Um die Wasserqualität zu bewahren, dürfen dem Weißen See weder Abwässer noch Grundwasser zugeführt werden. Sein Pegel wird heute über das städtische Wasserleitungssystem geregelt, die Qualität des Wassers wird regelmäßig kontrolliert.
Die 1,3 km lange Uferpromenade und deren Nebenwege führen zu zahlreichen interessanten botanischen und künstlerischen Sehenswürdigkeiten. Beeindruckend sind wertvolle, zum Teil über 120 Jahre alten Bäume im Park. Unter ihnen sind Pappeln, Trauerweiden, Buchen, verschiedene Eichenarten und weiß- bzw. rotblühende Kastanien, ja sogar Esskastanien. Naturdenkmale, die als botanische Besonderheiten unter Schutz stehen, sind eine Sommerlinde, der Schwarznussbaum, die Zerreiche, die Baumhasel und einiege Kastanienbäume.
Dem Strandbad gegenüber liegt die 1912 nach dem Entwurf des Gemeindebaurates von Weißensee, Carl James Bühring (1871-1936) erbaute Seebrücke. Sie bietet einen weiten Blick über den See. Die Brücke überdeckte früher die Kühlanlage des nahegelegenen Elektrizitätswerks und dann einen späteren Regenwasserablauf. Zwei steinerne Skulpturen auf der Brüstung der Seebrücke erinnern daran, dass Weißensee einst ein Fischerdorf war. Sie stellen Triton, den Sohn Poseidons, des Meeresgottes aus der griechischen Mythologie dar.
In unmittelbarer Nähe der Seebrücke liegt ein beliebtes Tiergehege. Nicht weit davon entfernt wurde noch bis zum Ersten Weltkrieg in Kellern unter einer wenig genutzten Parkfläche das im Winter aus dem See geschlagene Eis gelagert.
Im Jahr 1920 ließ der Gemeinderat dort eine Plansche und einen Spielplatz anlegen, die noch heute genutzt werden. Das Restaurant „Milchhäuschen“ am Ufer mit seiner 2007 erweiterten Seeterrasse erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.
Vom Parkeingang Amalienstraße, unweit der Albertinenstraße mit ihrer kleinen Grünfläche, gelangt man zu einem etwas abseits gelegenen Garten. Darin wächst eine als Naturdenkmal geschützte Türkische Baumhasel neben weiteren Gehölzen wie Weiß- und Rotdorn, Liguster, Holunder, Haselnuss und dem Pfeifenstrauch.