Der Volkspark Friedrichshain
Der Nachguss einer verschollenen Bronzebüste Friedrichs II. von Christian Daniel Rauch
Bild: Dr. Axel Täumler
Berlins erster städtischer Park im Wandel der Zeiten
Der Volkspark Friedrichshain gilt als erste kommunale Parkanlage Berlins. Um den Mangel an Erholungsmöglichkeiten für die Bewohner der nördlichen, außerhalb der Stadttore gelegenen Wohnviertel zu beheben, schlug Oberbürgermeister Gottfried Büsching (1761–1833) schon 1823 vor, einen öffentlichen Park vor dem Landsberger Tor anzulegen. 1840 legte der Gartendirektor Peter Joseph Lenné (1789-1866) seinem Plan „Projectirte Schmuck und Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung“ vor, in dem er eine Parkanlage „zwischen dem neuen Königs- und Landsberger Tore“ entwarf, die aber nicht umgesetzt wurde kam. Erst anlässlich der Feiern zum 100-jährigen Jubiläum der Thronbesteigung Friedrichs II. beschloss der Magistrat, den Park vor dem Landsberger Tor anzulegen. Den Gestaltungswettbewerb gewann Gustav Meyer (1816-1877), damals Gärtner in Sanssouci. Über sechs Jahre dauerte der Ankauf der ehemaligen Weinberge. Die Leitung der Parkgestaltung oblag dem Berliner Stadtgärtner Adolf Patzig
(1809-1862) und dem Stadtbaurat Friedrich Langerhans (1780-1851). 1848 wurde die damals 37,5 ha große und 30.000 Taler teure Grünanlage fertiggestellt. Im Laufe der Zeit wurde der Park mehrmals umgestaltet. Die letzte Rekonstruktion erfolgte anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Anlage und orientierte sich an den Plänen von Gustav Meyer.
Um 1900 ließ Berlins Gartenbaudirektor Hermann Mächtig (1837-1909) die Wege sowie Teile der Bepflanzung erneuern und die Anlage mit Koniferen umgrenzen.
Die Errichtung zweier Flaktürme ab 1940 und die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg führten zu schweren Schäden. Von dem alten Baumbestand blieb nur wenig übrig. Nach Sprengung der Flakbunker 1946 wurden die Ruinen mit über 2 Mio. m ³ Trümmerschutt aus angrenzenden Wohnvierteln bedeckt. Dabei entstanden die zwei 78 bzw. 67 m hohen Bunkerberge, bei entstanden die zwei 78 bzw. 67 m hohen Bunkerberge, die den Charakter der Parkanlage stark veränderten.
Zur Verminderung der Erosionsgefahr wurden die Hänge der beiden Bunkerberge mit rasch wachsenden Pionierhölzern (Erlen und Pappeln) bepflanzt. Am östlichen Hang des Kleinen Bunkerbergs legte man eine heute noch gern genutzte Rodelbahn an, beide Hügeln erhielten Plateaus. Die am westlichen Abhang des „Kanonenbergs“ 1950 erbaute Freilichtbühne mit 1.500 Sitzplätzen wird im Sommer für Filmvorführungen genutzt. Sport und Spiel sind im sogenannten Neuen Hain zwischen Landsberger Allee und Danziger Straße möglich.
„Der Freude vieler glücklicher Generationen Berlins gewidmet …“, hieß es in der Rede des Oberbürgermeister Friedrich Ebert (1894-1979) im Jahre 1951 bei der Wiedereröffnung des Märchenbrunnens. Der Architekt des Brunnens, der Stadtbaurat Ludwig Hoffmann (1852-1932), widmete diese Anlage den Kindern: „Ein Märchenbrunnen in einer mit Kindern reich gesegneten Gegend einer Zweimillionenstadt muß schon eine größere Anlage sein, damit Hunderte von Kindern gleichzeitig eine Freude daran finden können.“ (Ludwig Hoffmann, Groß-Berliner Kalender, Berlin 1914)
Namhafte Künstler wie Josef Rauch (1868-1921) und Ignatius Taschner (1871-1913) gestalteten den Brunnen. Nach zwölfjähriger Bauzeit und Kosten von 1,2 Mio. Reichsmark wurde er 1913 eingeweiht. Figuren aus den Märchen der Gebrüder Grimm, Fabelschildkröten und steinerne Frösche als Wasserspeier zieren den Brunnen. Den Platz um die Kaskade ließ Hoffmann mit steinernen Bänken und hohen Wänden einrahmen. Es wurden Heckenwege angelegt, an deren Rändern drei Meter hohe, von Georg Wrba (1872-1939) geschaffene Sagengestalten säumten sowie 14 Tierfiguren von Josef Rauch. Die Kriegsschäden an der Brunnenanlage waren verheerend. In den Jahren 1950/51 und in den 1970er und 80er Jahren erfolgten Sanierungen. Zwischen 2005 und 2007 wurde die Anlage umfassend nach den Plänen Hoffmanns rekonstruiert.
Viele Denkmale und Kunstwerke schmücken den Park im Bereich um den großen Bunkerberg und entlang der Friedenstraße.
Auf dem Friedhofsgelände steht die Bronzefigur „Roter Matrose“ von Hans Kies (1910-1984). An der Friedenstraße befindet sich eine Gedenkstätte für die im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) gefallenen Interbrigadisten, errichtet 1968. Der Bildhauer Fritz Cremer (1906-1993) schuf dafür die bronzene Figur eines Spanienkämpfers, Siegfried Krepp (1930-2013) gestaltete Bronze-Relieftafeln mit Szenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg.
Seit 1972 steht am Parkrand das auf Beschluss der Regierungen Polens und der DDR entstandene Denkmal zur Erinnerung an die Waffenbrüderschaft polnischer Soldaten und deutscher Antifaschisten im Zweiten Weltkrieg.
Gegenüber auf der Werneuchener Wiese steht ein Gedenkstein zur Würdigung von Peter Joseph Lenné. Ein zweiter erinnert an Gustav Meyer und die Gründung der Deutschen Gartenbaugesellschaft.
Die Weltfriedensglocke am Südufer des großen Teiches wurde auf Initiative der japanischen World Peace Bell Association aufgestellt. Gegossen wurde sie aus Münzen der damals 104 UN-Mitgliedsstaaten. Die Einweihungsfeier fand am 1. September 1989, dem 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs, statt.