Der Ostseeplatz

"Die Nackte vom Osteseeplatz"

Versteckte Schönheiten

Von der Kreuzung Hosemannstraße/Ostseestraße gelangt man bequem zum Ostseeplatz. Ein von Kastanien und Platanen gesäumter Weg führt zu einem in der Platzmitte angelegten Rondell. Hier steht seit 1990 eine Bronzestatue der Künstlerin Franziska Schwarzbach (geb. 1949). Sie nannte ihre grazile Frau, die auf dem Kopf eine Schale balanciert, „Die Nackte vom Ostseeplatz“. Prägend für die gesamte Anlage sind jedoch die zum Teil 100-jährigen Platanen und die im Frühjahr rot blühenden Kastanien. Beide Diese Baumarten bilden bis in den Herbst hinein mit ihrem vollen Laub einen Dom der Ruhe im Lärm der stark befahrenen Ost-West-Verbindung. Dabei wirkt es wie ein kleines Wunder, dass die der Natur, dass die für die weiß blühende Rosskastanie so schädliche Miniermotte die rot blühende nicht befällt.
Wie viele Straßen in Berlin geht auch die etwa einen Kilometer lange Ostseestraße auf den Hobrecht-Plan von 1862 zurück. Mit dessen Revision von 1905 erhielt die Ostseestraße eine durchgehend von Bäumen und Gehölzen gesäumte Mittelpromenade. Der von der Baugesellschaft Bellevue geplante und finanzierte rechteckige Ostseeplatz im östlichen Straßenteil wurde am 23. Januar 1913 offiziell freigegeben.

Der Erste Weltkrieg und die, nach Kriegsende noch beschleunigte, Inflation verzögerten die geplante Bebauung auf der südlichen Straßenseite. Erst in den späten 1920er Jahren wurde hier das erste Wohnkarree mit großem, grünen Innenhof und einem Schulgebäude errichtet.
Am südlichen Rand der Ostseestraße entstand zwischen 1934 und 1937 der Häuserblock zwischen Mandel- und Hosemannstraße. Auch dieses Quartier erhielt einen grünen Innenhof mit Spielplatz. Neben dem Haus Ostseestraße 90 stieß man damals bei Schachtarbeiten auf einen eiszeitlichen Findling. 1985, zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, erhielt der Stein eine Bronzetafel zum Gedenken an die bei der Befreiung Berlins gefallenen Rotarmisten.
Auf den unbebauten Flächen um den Ostseeplatz befanden hatten sich bis Anfang der 1950er Jahre fast nur Kleingärten. Zwischen Ostseestraße und Paul-Grasse-Straße entstanden zwischen 1950 und 1955 unter Leitung des Architekten Hermann Henselmann (1905–1995) in herkömmlicher Ziegelbauweise drei- bis fünfstöckige Wohnbauten mit Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Diese sind nach wie vor wegen ihrer großzügigen, grünen Innenhöfe beliebt, die Platz für Sport, Spiel und Entspannung bieten. Die Häuser stehen seit ihrer Sanierung Anfang der 2000er Jahre als Baudenkmäler in der Berliner Denkmalliste.

Verlässt man die Ostseestraße in Richtung Prenzlauer Allee, gelangt man zu einem Park, der den Namen des deutschen Schriftsteller Erich Weinert (1890-1953) trägt. Die Anlage ist zu den Straßenrändern mit dicht stehenden Gehölzen bepflanzt, die den Lärm dämpfen und Abgase filtern. Man findet dort einen gut ausgestatteten Spielplatz und eine große Liegewiese.