Der Ernst-Thälmann-Park

Blick auf die Gesamtanlage des Ernst-Thälmann-Parks

Vom grauen Gaswerk zum grünen Wohnquartier

Ergänzend zum Monument für den von den Nationalsozialisten ermordeten KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann (1886-1944) an der Greifswalder Straße stellte der Berliner Senat im Februar 2014 Teile des Parks einschließlich der Wohnbauten unter Denkmalschutz.

Bis 1981 stand auf dem 25 ha großen Areal die 1872/73 erbaute IV. Berliner Gasanstalt mit den sechs weithin sichtbaren Gasometern. Mit ihrer von Bürgerprotesten begleiteten Demontage wurde Platz geschaffen für das Wohnquartiers „Ernst-Thälmann-Park“, ein Prestigeprojekt aus Anlass der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987. Im April 1986, zum 100. Geburtstag seines Namensgebers, wurde das Quartier der Öffentlichkeit übergeben.

Von Anfang an war eine Kombination aus Wohnungen, sozialen und kulturellen Einrichtungen und sowie Natur vorgesehen. Neben den großzügig gestalteten Grünflächen entstanden mehrere achtgeschossige Plattenbauzeilen sowie markante 12- bis 18-geschossige Hochhäuser mit insgesamt 1.332 Wohnungen für ca. 4.000 Menschen.
Im östlichen Bereich entstand ein von geschwungenen Wegen gesäumter Teich mit weißen und roten Seerosen, Wildenten und kleinen Fischen, zu denen sich bald auch Frösche und andere Amphibien gesellten. In in der Nähe dieses Gewässers, das heute von stattlichen Trauerweiden, Birken, Rotbuchen und auch von struppigem Dickicht umgeben ist, gab es lange Zeit ein Staudengarten und einen Alpenrosenhang. In die Parkgestaltung wurden bereits vorhandene Bäume am westlichen Parkrand an der Prenzlauer Allee (wo 1987 das Zeiss-Planetariums errichtet wurde) einbezogen, darunter Stieleichen, eine Schwarzpappel, ein Spitzahorn und eine Amerikanische Gleditschie. Üppig ist auch der Bestand an Bäumen, die im Halbkreis um das kolossale Thälmann-Denkmal und den davor liegenden Platz wachsen.

Die Grünanlage, gestaltet nach Plänen von Georg Büchner (geb. 1943), kann von allen Seiten betreten werden. Man findet man dort mehrere Spielplätze, einen Bolzplatz, eine Schwimmhalle, zwei Restaurants, Bänke an den Parkwegen, Kultureinrichtungen in ehemaligen Gaswerksbauten und nicht zuletzt auch interessante Kunstwerke. Man kann im Eingangsbereich an der Danziger Straße die von Sabina Grzimek (geb. 1942) geschaffene Bronzefigur „Stehender Knabe“, vor der Gaststätte „Zur alten Gaslaterne“ die 1986 von Johannes Harbort (geb. 1951) geschaffene Bronzegruppe „Berliner Typen“, auf der Grünfläche am Planetarium die Skulptur „Sportler“ aus dem Atelier der Bildhauerin Margret Middell (geb. 1940) sowie die „Sonnenuhr“ von Joachim Liebscher (1926–1994) entdecken.
Auf dem „Sternenspielplatz“ stehen Mosaikfiguren, die von der Künstlerin Steffi Bluhm (geb. 1935) gemeinsam mit Kindern im Rahmen eines Wettbewerbs der DDR-Kinderzeitschrift „FRÖSI“ entworfen wurden.

Sechs Gasometer, gebaut zwischen 1872 und 1900, standen ursprünglich auf dem Gaswerksgelände. Es waren imposante, in vier bis fünf Geschosse gegliederte und bis zu 65 m breite Rundbauten mit gelben Klinkerblenden und flachen Kuppeln. Das hier produzierte Leuchtgas wurde zunächst nur für die Straßenbeleuchtung verwendet, bald aber auch zum Heizen und Kochen. Bis 1908 kamen weitere Produkte wie Koks, Teer, Benzol, Schwefel und Ammoniak hinzu.
Für die Errichtung einer kleinen Grünanlage, westlich der heutigen Ella-Kay-Straße wurde 1935 ein Gasometer abgerissen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gaswerkvon Berlins damaligem Gartenbaudirektor Paul Mittelstädt entworfenezu schaffen, Von den damals gepflanzten Bäumen sind noch viele erhalten. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gaswerk schwere Bombenschäden. Erst1946 kam die Produktion wieder in Gang. Als im Mai 1981 der Abriss begann, war die Losung der protestierenden Bürger: „Gasometer sprengt man nicht!“. Sie forderten deren Umbau und eine kulturelle Nutzung.

Das 14 m hohe Thälmann-Denkmal schuf der russische Bildhauer Lew Kerbel zwischen 1981 und 1986. Nicht nur die Auftragsvergabe an einen sowjetischen Bildhauer, sondern auch das Ergebnis sorgte für Unmut unter ostdeutschen Künstlern. Es gab in der DDR viele renommierte Bildhauer, die für die Realisierung eines solchen Denkmals in Frage gekommen wären. Das 50 t schwere Monument wurde im Lauchhammerwerk in der Niederlausitz gegossen. Der rote Granit des Sockels stammt aus einem Steinbruch bei Kiew. Eine steinerne Tafel neben dem Denkmal mit einer Inschrift, die von Erich Honecker (1912-1994) dem damaligen DDR-Staatsoberhaupt stammte, wurde bald nach 1990 entfernt. Neben der Forderung, das Denkmal abzureißen, gab es Vorschläge, es Bäumen und mit Efeu zu umpflanzen und es langsam zuwachsen zu lassen. Schon 1997 sprach sie eine Mehrheit der Bewohner des Ernst-Thälmann-Parks für die Beibehaltung des Namens aus.

Am Sonnenturm des Planetariums wie auch auf dem nahegelegenen Bezirksamtsgelände beeindruckt in den Herbstmonaten die Farbenpracht des Wilden Weines. Die Dreilappige Zaunrebe, auch Kletter- oder Wilder Wein genannt, wird als beliebter Fassadenschmuck zur Begrünung glatter Hauswände.