Friedhof der Freireligiösen Gemeinde

Grabstätte Heinrich Roller (1839-1916)

„Schafft hier das Leben gut und schön, kein Jenseits ist, kein Aufersteh’‘n.“
Torinschrift am Friedhofseingang

Der Schriftzug am Eingang an der Pappelallee zeigt, dass der ehemalige Friedhof ein besonderes Stück Stadtgeschichte erzählt. Das 5.600 m² große unbebaute Gelände war 1847 eine Schenkung des Gutsbesitzers Christian Wilhelm Griebenow (1784-1865) an die deutsch-katholische Gemeinde. Im Januar 1848 fand die erste Beisetzung auf dem Friedhof statt.

Die Freireligiöse Gemeinde Berlin ist Nachfolgerin der 1845 in Prenzlauer Berg geründeten christ-katholischen, später deutsch-katholischen Gemeinde. Zwischen 1907 und 1908 entstand die Feierhalle. Während der Zeit des sogenannten Sozialistengesetzes (1878-1890) wandten sich vor allem Sozialdemokraten der Freireligiösen Gemeinde zu. Sie war immer wieder Verfolgungen ausgesetzt. Ende 1934 durch die Nationalsozialisten verboten und enteignet, ist sie auch in der DDR nicht rehabilitiert worden und gründete sich 1955 nur in Westberlin wieder. 1970 erfolgte die Stilllegung des Friedhofs, seit 1978 steht er unter Denkmalschutz. Ab 1991 wurde er als öffentliche Freifläche neu gestaltet. Im Jahr 1998 erhielt die Freireligiöse Gemeinde den Friedhof, die benachbarten Gemeindegebäude sowie die ehemalige Feierhalle zurück. Die Gemeinde übergab da Gelände daraufhin dem Bezirk zur Nutzung.

Der Friedhof wurde nach Plänen von Konrad Voigtländer und Ingrid Hendriksen zu einem Friedhofspark sowie Freizeit- und Erholungsort umgestaltet. Die noch vorhandenen Grabsteine wurden mit Stauden und Efeu umpflanzt. Der Mittelweg ist von Linden gesäumt. Der alte Baumbestand, vor allem die alten Eiben.

Auf dem Friedhof befinden sich mehrere Grabsteine der Gräber von bekannten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, die während der Umgestaltung des Begräbnisplatzes erneuert und wirksamer platziert wurden, so etwa von den sozialdemokratischen Abgeordneten Theodor Metzner (1830-1902) und Carl Schultze (1858–1897) oder dem sozialdemokratischen Journalisten Johann Baptist von Hofstetten (1847-1887). Für Wilhelm Hasenclever (1837-1889), einen Abgeordneten für die Sozialdemokraten im Reichstag von 1874 bis 1888, legte der damalige Vorsitzende der SPD, Hans-Jochen Vogel, anlässlich des 125. Gründungstages seiner Partei einen Kranz nieder. Für diese Ehrung wurde der Grabstein an die Mauer der Feierhalle verlegt.

Das Gelände wurde am 24. März 1995 seiner Bestimmung als öffentlicher „Friedhofspark“ übergeben. Die Kombination aus historischen Zeugnissen mit öffentlicher Nutzung wurde noch im selben Jahr mit dem Gustav-Meyer-Preis ausgezeichnet.
Die Juroren lobten vor allem den Bau eines Kleinkinderspielplatzes auf dem ehemaligen Wirtschaftsgelände des Friedhofes. Die Übernutzung des Spielplatzes droht jedoch die Denkmalanlage zu schädigen.