Der Mauerpark und der Falkplatz
Gesamtansicht des Mauerparks
Bild: Dieter Schönberg
Der Bereich des heutigen Mauerparks wurde ab 1872 als Bahnhof für den Güterverkehr genutzt. Hier endeten die Militärtransporte, mit denen die Soldaten und das Material zum nahen Exerzierplatz gebracht wurden. Das Gelände bildete nach 1945 die Grenzlinie zwischen den Sektoren. Ab dem 13. August 1961 wurde hier entlang der Schwedter Straße die Mauer gebaut und die Grenzsicherungsanlagen wurden verstärkt. Diese ist heute als Begrenzung zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark noch teilweise erhalten. 1988 vereinbarten der Magistrat von Ostberlin und der Westberliner Senat einen Gebietsaustausch, durch den die Bahnanlagen nun zum Territorium der DDR gehörten.
Nach dem Mauerfall forderten Bürger, den ehemaligen Grenzstreifen zum verbindenden grünen Band zwischen Ost- und Wesrberlin zu gestalten.
Die Stadtbezirksversammlung Prenzlauer Berg unterstützte den Beschluss des Runden Tisches Berlin und der Ständigen Kommission Umwelt und Naturschutz des Bezirkes Prenzlauer Berg über die Begrünung des ehemaligen Mauerstreifens. Es folgten etliche Begrünungsaktionen in Zusammenarbeit mit dem Gartenamt Prenzlauer Berg. Eine der ersten Aktionen der GRÜNEN LIGA Berlin hieß „Mauerland Lupine“ (1990). Künstler aus Ost und West säten gemeinsam mit DDR-Grenzsoldaten Lupinensamen entlang der Schwedter Straße aus.
Neben weiteren Baumpflanzaktionen entwickelten engagierte Bürger gemeinsam mit dem Gartenamt Gestaltungspläne für einen zukünftigen Mauerpark.
Im Zusammenhang mit der Olympiabewerbung Berlins im Jahr 2000 wurde im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark eine Großsporthalle errichtet. Die meisten Anwohner begrüßten hatten nichts gegen den Bau der Halle, allerdings unter der Bedingung zu, dass entlang der Schwedter Straße der Park entsteht. Den 1992 dafür ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewann das Büro von Prof. Gustav Lange (geb. 1938). Die Jury würdigte die moderne, zeitgemäße Gestaltung, die auch die historischen Besonderheiten berücksichtigte. Mit der Umsetzung der Pläne wurde die landeseigene Gesellschaft Grün Berlin beauftragt. Die Allianz Umwelts Stiftung beteiligte sich mit einer Spende in Höhe von 1,5 Mio. DM. Bedingung war, dass der Mauerpark nach Abschluss der Arbeiten mindestens eine Größe von 16 ha umfassen sollte. Eine weitere Forderung der Anwohner war der Bau eines Kinderbauernhofes.
Bei den Arbeiten am Mauerpark wurde das Pflaster der Schwedter Straße freigelegt, das vom Asphalt des Postenweges begraben war. Zur Erinnerung an die Grenze blieben die Punkte der Pfosten des Grenzzaunes sichtbar. Lange nutzte den vorhandenen Hang zum Sportstadion, um ein Amphitheater zu bauen. Der Hang wurde naturnah mit Wiesenkräutern und Obstbäumen bepflanzt. Die Schaukeln auf dem Plateau der Anhöhe sind äußerst beliebt. Die Wiesenflächen gegenüber laden zu Sport und Spiel ein, ebenso der Birkenhain zur Gleimstraße. Der Mauerpark ist nicht nur Treffpunkt für Berliner, sondern weltweit bekannt: An Wochenenden treffen sich hier tausende Besucher. Sie lauschen Musikern und DJ`s im Amphitheater, grillen, sonnen sich oder treiben Sport. Auch der sonntägliche Flohmarkt ist eine Attraktion, die viel Publikum anzieht.
Der zweite Abschnitt des Mauerparks verläuft von der Gleimstraße bis zum Schwedter Steg. In diesem Teil des Parks gibt es einen Senkgarten und einen großen Kinderspielplatz mit Kletterfelsen. Das Zentrum bildet der von Bürgerinitiativen erkämpfte Kinderbauernhof mit seinen Freiflächen. Zum Park gehört auch der Gleimtunnel, dessen gusseiserne Stützkonstruktion zwischen 1905 und 1908 entstand und heute unter Denkmalschutz steht.
Der benachbarte Falkplatz schließt den Mauerpark nach Norden ab. Er war schon 1862 im Hobrecht-Plan ausgewiesen und wurde wahrscheinlich vom Stadtgartendirektor Hermann Mächtig (1837-1909) konzipiert, aber erst 1913 fertiggestellt.
Seine Spielflächen wurden bei der Neugestaltung in den 1950er Jahren beträchtlich erweitert. So kamen ein großes Planschbecken und eine Rollschuhbahn hinzu. Später wurde die ehemalige Wasseranlage durch eine Sprühplansche ersetzt. Deren Mittelpunkt bildet die 1990 aufgestellte Tierplastikgruppe „Walrosse“ von Stefan Horota (geb. 1932). Heute verbindet die als Wasserspiel angelegte Regenwasseranlage der Max-Schmeling-Halle den Falkplatz mit dem Mauerpark. Das Regenwasser vom Hallendach wird aufgefangen und mit Hilfe von Solarenergie in einen Umlauf mit offenem Wasserbecken geleitet. In Trockenzeiten kann das Regenwasser zum Sprengen des Falkplatzes genutzt werden.
Die Bezirke Pankow und Mitte verständigten sich 2015 darauf, dass die durch eine Baugesellschaft angekaufte Fläche in der Nähe des heutigen Kinderbauernhofes mit Wohnungen bebaut werden kann. Dem ursprünglichen Plan Gustav Langes wird mit der Anlage eines Kastanienwäldchens entsprochen, die Fläche des Flohmarkts blieb erhalten und seit 2016 folgten weitere Begrünungsarbeiten.