Der neue und der alte Hirschhof

Hirschmotiv im neuen Hirschhof

Hirschmotiv im neuen Hirschhof

“Die romantische Schönheit sollte durch ideenreiches Umorganisieren bewahrt und vervollkommnet werden.“
Daniela Dahn zu den Gestaltungsmotiven der Initiativgruppe, 1987

Die Restitution und der Verkauf der Grundstücke leitete ab 2000 die Sperrung des legendären Kinderspielplatzes und Veranstaltungsortes Hirschhof durch die neuen Eigentümer ein. Acht Jahre kämpfte der Bezirk um den alten Hirschhof und brachte sein Anliegen durch alle Rechtsinstanzen. Der Bundesgerichtshof entschied schließlich zugunsten der Gegenseite.

Ab 2010 wurde der neue “Hirschhof” ein Kinderspielplatz an der Oderberger Straße, eröffnet, der ursprünglich als Erweiterung zum alten Hirschhof vorgesehen war. Der Bezirk Pankow hatte im Sanierungsgebiet, das mit öffentlichen Grünanlagen und Spielplätzen stark unterversorgt war, eine Hoffläche mit Werkstatt und Garagengebäude erworben. Hier entstand das Platzhaus, als künftiger kultureller Mittelpunkt des Areals. Die Landschaftsarchitekten Harald Fugmann und Martin Janotta knüpften in ihrer Gestaltung an das Thema “Hirsch im Wald” an. Auf dem neuen Spielplatz findet es sich in den Holzspielelementen und den Tierfiguren wider. Eine den Hof umgrenzende Hausfassade wurde mit einem Hirschkopf gestaltet.

Die Entstehung des alten Hirschhofes Mitte der 1980er Jahre ist der Zusammenarbeit einer Initiativgruppe mit dem Gartenamt und der Wohnungsverwaltung Prenzlauer Berg zu verdanken. Er lag zwischen Oderberger Straße und Kastanienallee und war von beiden Seiten zu erreichen.
Die ideenreiche Hofgestaltung setzte Maßstäbe. Das Gartenamt übernahm die Grund- und Erdarbeiten, die weitere Ausgestaltung des Hofes lag in den Händen der Anwohner. Auch Künstler aus der Gegend wirkten mit. Wände und Sitzmöglichkeiten wurden mit Keramikteilen gestaltet, und Hans Scheib (geb. 1949) schweißte Metallteile zu einer Tierfigur zusammen. So entstand der “Hirsch”, der dem Hof seinen Namen gab.
Der Spielplatz wurde mit alten Natursteinelementen aus Abrissbauten eingefasst, u. a. mit Teilen des alten Berliner Stadtschlosses. Als Krönung der Hofanlage entstand eine kleine terrassenförmige Bühne mit etwa 100 Sitzplätzen. Hier fanden Film- und Puppenspielvorführungen, legendäre Hoffeste und Konzerte statt. Der alternative Lebensstil der Initiatoren und ihre kritische Haltung gegenüber der DDR riefen die Staatssicherheit auf den Plan, die alle Veranstaltungen argwöhnisch beobachtete. Auch in diesem Kiez wurden Ideen für die friedliche Revolution von 1989 entwickelt.

1990 erhielten alle an der Gestaltung des Hirschhofes Beteiligten eine Ehrenurkunde des Bundesministeriums für Raumordnung und Städtebau. In den Folgejahren pflegten das Gartenamt Prenzlauer Berg und Bürgerinitiativen gemeinsam den Hof und erneuerten die Spielgeräte.

Im Platzhaus auf dem neuen Hirschhof erinnert eine Ausstellung an die Geschichte des alten Hirschhofes.