Die Bötzow-Brauerei

Eingangsbereich der Bötzow-Brauerei

Eingangsbereich der Bötzow-Brauerei

„Die Topographie ist faszinierend und der Grund, warum an dieser Stelle überhaupt eine Brauerei entstand.“ 2014, David Chipperfield (geb. 1953)

Vor 200 Jahren dehnten sich hier an der Barnimhangkante entlang der Torstraße die größten Weinberge Berlins. Der Weinbau war im 17. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftszweig der Stadt Berlin. Später errichtete man Windmühlen auf der Anhöhe. Aus ehemaligem Klosterbesitz erwarb die Familie Bötzow Ländereien, die von ihr zuvor schon bewirtschaftet worden waren. Die Familie wurde dann zu einem der größten Landbesitzer im Berliner Nordosten. Das erste Bier brauten die Bötzows hier 1865. 20 Jahre später war auf dem Gelände eine komplette industrielle Anlage entstanden.
Typisch für die Gründerzeit war, dass sich die Firmeninhaber ihren Wohnsitze in unmittelbarer Nähe ihrer Produktionsstätten bauen ließen. So entstand in Konkurrenz zum Berliner Stadtschloss die Bötzow-Villa, das sogenannte Schloss im Norden. Den Garten gestaltete der namhafte Gartenarchitekt Friedrich Maecker. Neben dem Wohnhaus beherbergte er den Bierausschank und die Brauereianlagen.
Der Biergarten mit seinen über 5.000 Plätzen war zur Prenzlauer Allee und zur Saarbrücker Straße ausgerichtet. Ein Gedenkstein am ehemaligen Haupteingang zu dem Biergarten erinnert an die Ereignisse der Novemberrevolution. Im Januar 1919 bezogen Karl Liebknecht (1871-1919) und sein Revolutionsausschuss hier Quartier.

Eine Brandbombe zerstörte 1944 die Villa, sodass sie abgerissen werden musste. Die Produktionsanlagen und Teile des Ausschanks blieben jedoch erhalten. Nach der Enteignung im Juli 1949 wurden die Gebäude als Lager genutzt. in den 1990er Jahren kaufte ein Investor die Anlage, um hier ein Kaufhaus zu errichten. Seine Pläne scheiterten an den Auflagen des Denkmalschutzes.
2010 erwarb der Unternehmer Prof. Hans Georg Näder (geb. 1961) das Arreal. Er beauftragte den Architekten David Chipperfield (geb. 1953) mit einer Neuplanung des Geländes. Bei der Gestaltung berücksichtigte Chipperfield die Geschichte des Ortes und die gegenwärtige Situation. Dort, wo einmal die Villa Bötzows stand, entsteht ein Gebäude, das Teile der umfangreichen Kunstsammlung Näders aufnehmen wird. Die Fläche des einstigen Schwimmbeckens soll mit einer Schwimmhalle überbaut werden. An der Stelle des ehemaligen Ausschankgebäudes ist eine Brauerei mit Gaststättenbetrieb geplant. Das Ensemble soll über Treppen mit den umgebenden Straßen verbunden werden. Die vorhandenen Gebäude werden rekonstruiert. Näders Firma will sie später als Produktionsräume nutzen. Schon jetzt hat sich das Gelände zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Eine Gaststätte des Starkochs Tim Raue (geb. 1974), eine Bar und Galerieräume sind untergebracht.