Die Friedhöfe St. Nicolai, St. Marien und der Friedhof I der Georgen-Parochialgemeinde
Ruhe-, Kultur- und Geschichtsorte
Die Lindenallee mit dem Grabmal für den Bankier Brose
Bild: Thomas Tobian
Die drei Bestattungsorte, die im 19. Jahrhundert an der Barnimkante zwischen der Prenzlauer Allee und der Greifswalder Straße angelegt wurden, sind heute nur einen Steinwurf vom Stadtzentrum entfernt. Der alte Friedhof der Gemeinde St. Nicolai Nikolai und St. Marien befand sich schon zum Zeitpunkt seiner Eröffnung (1802) innerhalb Berlins, nach Norden begrenzt von der Akzisemauer (Straße am Prenzlauer Berg). Der 1858 angelegte zweite Friedhof der Gemeinde St. Nicolai Nikolai und St. Marien an der Heinrich-Roller-Straße wie auch der angrenzende Friedhof an der Greifswalder Straße lagen bereits jenseits der Stadtmauern. 1814 hatte die Georgen-Parochial-Gemeinde einen ehemaligen Weinberg an der Greifswalder Straße erworben.
Auf diesen Friedhöfen sind neben der Natur auch Zeugnisse der Begräbniskultur zu entdecken. Alleen mit altem Baumbestand durchziehen die Friedhöfe. Von ihnen gehen breite und schmale Querwege ab – vorbei an gepflegten oder der Natur überlassenen Gräbern. Kastanien, Linden, Birken- und Ahornbäume, auch Nadelgehölze und Pappeln stehen entlang der Wege. Unterschiedlichste Gehölze und Ziersträucher bieten Unterschlupf und Nahrung für viele Kleintier- und Vogelarten. Hier kann man allein und in Ruhe seinen Gedanken nachhängen. Ein Teil des Friedhofs von St. Nicolai Nikolai und St. Marien an der Heinrich-Roller-Straße wurde 2012 zu einem Friedhofspark umgestaltet, der „Leisepark“ genannt wird.
Vom ehemaligen Weinberg (Straße Prenzlauer Berg) gelangt man zum Eingang des Friedhofs in der Greifswalder Straße 229. Im Frühjahr sind die Wiesen von winterharten Frühblühern übersät, die sich – einmal eingebracht – Jahr für Jahr selbst vermehren.
Vom Eingang der Friedhofs der Gemeinde St. Nikolai und St. Marien an der Prenzlauer Allee 1 führt die Hauptallee den Barnimhang hinauf. Auch dieser Friedhof ist sowohl Gartendenkmal als auch wertvolles Biotop.
Den ehemaligen Haupteingang schmückt ein Relief des Bildhauers Ernst Wenck (1865-1929) das den Titel „Die Lebensalter“ trägt und die Phasen eines Menschenlebens von der Geburt bis zum Tod darstellt.
Dieser Friedhof beeindruckt vor allem mit Grabstätten für Berliner, die viel zur Entwicklung des Stadtlebens beigetragen haben. Sie sind Zeugnisse der hohen Bestattungskultur im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Gräber und Skulpturen oft von namhaften Künstlern und Architekten geschaffen wurden. Viele der Grabanlagen sind Ehrengräber der Stadt Berlin.
Das größte Familiengrab gehört der Familie Spindler. Ihr verdankt Spindlersfeld, ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick, seinen Namen. Der Wäschereibesitzer Johann Julius Wilhelm Spindler (1810-1873) und sein Sohn waren auch für ihr soziales Engagements bekannt. Die Grabstätte entwarf der damals bekannte Architekt Walter Kyllmann (1837-1913). Das Mausoleum für den Bankier und Kunstsammler Christian Wilhelm Brose (1781-1890) soll Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) entworfen haben, der mit Brose befreundet war. Beide trafen sich oft in dessen Sommerhaus im später nach ihm benannten Park in Pankow-Niederschönhausen.