Der Kollwitzplatz
Nirgendwo ist mehr Prenzlauer Berg
Das von Lärchen und Kiefern umstandene Denkmal für Käthe Kollwitz
Bild: Thomas Tobian
Der Kollwitzplatz liegt im Herzen des Ortsteils Prenzlauer Berg und bildet den Mittelpunkt des Kollwitzkiezes. Der nach Käthe Kollwitz benannte Platz hieß bis 1947 Wörtherplatz. Diesen Namen erhielt er 1875 in Erinnerung an den Ort Wörth im Unterelsaß, der am 6. August 1870 Schauplatz einer Schlacht während des Deutsch-Französischen Krieges war. Zu dieser Zeit gehörte das Gelände um den Platz dem Deutsch-Holländischen Actien-Bauverein, der dort Mietshäuser zu bauen. Die 6.000 m² große, dreieckige Anlage wurde zwischen 1885 und 1887 als typischer Schmuckplatz der Gründerzeit gestaltet, nur wenige Jahre nachdem das umliegende als Wohngebiet erschlossen worden war. Die Entwürfe stammen vermutlich von Hermann Mächtig (1837-1909), dem damaligen Stadtgartendirektor. Während des Zweiten Weltkrieges blieb das Gebiet um den Platz weitgehend von Zerstörungen verschont. 1949 wurde die Anlage nach Entwürfen des Gartenarchitekten Reinhold Lingner (1902–1968) umgestaltet.
Bis heute ist entspricht der Platz in den seinen Grundzügen dem Lingner-Plan. Die verschiedenartigen Gehölze, Rasenflächen und alten Bäume sind ein wertvolles Stück Natur inmitten des aufwendig sanierten Quartiers. Eine botanische Besonderheit ist die kleine Lärchenanpflanzung hinter der Plastik – im Sommer bietet sie Schattenplätze, im Herbst ist sie eine Augenweide. Auf dem nach 1990 und 2005 erneuerten Spielplatz mit Tischtennisplatten, Sandkasten, Rutsche und Klettergerüst tummeln sich zu jeder Jahreszeit viele Kinder. Die Käthe-Kollwitz-Skulptur bleibt davon nicht ausgenommen. Der Platz ist Treffpunkt von Bewohnern und Besuchern aus Nah und Fern.
Für die Erwachsenen bieten die unzähligen Restaurants, Cafés und Bars in der Umgebung die Möglichkeit, die Atmosphäre und das Treiben des Kiezes auf sich wirken zu lassen. Seit Beginn des Jahres 2010 gilt auf dem Kollwitzplatz Hundeverbot.
Die Bronzeplastik des Künstlers Gustav Seitz (1906-1969), nach einem Selbstporträt der Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945) gefertigt, steht seit 1959 in der Mitte des Platzes. Gemeinsam mit ihrer Familie lebte die Künstlerin von 1891 bis 1943 in der Kollwitzstraße 56a (damals Weißenburger Straße 25). Ihr Mann Karl Kollwitz war ein angesehener, von vielen geschätzter Arzt, der oft auch ohne Bezahlung half. Das Wohnhaus der Familie Kollwitz wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Die Figurengruppe „Schützende Mutter“ von Käthe Kollwitz ist anlässlich des ersten Deutschlandtreffens der Jugend für Frieden und Völkerfreundschaft 1950 auf dem Platz aufgestellt worden. Im Jahr 1959 wurde sie dorthin umgesetzt, wo einst das Wohnhaus der Familie stand.
Nachdem das Grundstückes wiederbebaut worden war, fand die Plastik 1996 Aufnahme im Bezirksamt in der Fröbelstraße. An dem Neubau erinnert inzwischen eine Gedenktafel an die Künstlerin. Seit dem Jahr 2016 steht die Plastik „Schützende Mutter“ im Hof des Kultur- und Bildungszentrums Sebastian Haffner an der Penzlauer Allee 227/228. Dort, unweit vom Kollwitzplatz, ist sie gesichert und mit einer Erläuterung versehen.
„Mutter mit zwei Kindern“ nach Modell von Käthe Kollwitz
Bild: Museum Pankow
„Mutter mit zwei Kindern“ nach Modell von Käthe Kollwitz
Kopie in Muschelkalk von Fritz Diederich, aufgestellt 1950 (Standort ab 2016 im Kulturhof des Kulturzentrums Sebastian Haffner) Käthe Kollwitz Bronze Plastik (1960/61 aufgestellt) von Gustav Seitz