Die verlorenen Gärten des Adels
Herrenhäuser und Adelssitze
Im Laufe der Jahrhunderte ließ der Brandenburgische Adel rings um Berlin und zumeist in schönster Lage Schlösser, Herren- oder Gutshäuser errichten. Anfangs war die Gartengestaltung vor allem praktischen Erwägungen unterworfen. So wurden Obstbäume, Wein- und Küchengärten gepflanzt. Mit wachsenem Wohlstand stieg auch das Bedürfnis nach Repräsentation. Man begann Lustgärten anzulegen und kombinierte diese mit den vorhandenen Nutzgärten.
Bei der Gestaltung orientierte man sich am Geschmack des Herrscherhauses, der häufig den Moden der Zeit entsprach. Die Gartenleidenschaft des Adels war nicht zuletzt auch Ausdruck seines Buhlens um die Gunst des Fürsten.
Neben den bis heute existierenden Parks gab es in den Pankower Ortsteilen Gärten, die unter den Zeitgenossen etliche Bewunderer hatten. Doch viele Anlagen wurden verkauft, da Besitzer oder Erben kein Interesse an ihrer Pflege hatten. Wie die umliegenden Ländereien fielen auch sie schließlich der Bodenspekulation zum Opfer, die mit der Ausdehnung Berlins einherging.
Der Garten Rosenthal
Der Garten des Kanzlers von Götz in Rosenthal soll einer der schönsten in der Mark Brandenburg gewesen sein. In Berichten wird erwähnt, dass sich der Berliner Hof oft in Rosenthal aufhielt. Da Friedrich Wilhelm I. den Garten nicht weiter unterhalten ließ, verfiel er später schnell.
1811 verkaufte der Fiskus Rosenthal an den Berliner Kaufmann J. H. Neumann, dessen Erben es der Stadt Berlin für zwei Millionen Mark überließen.
„Gegen Morgen lieget ein grosser Baumgarten, gegen Mittag ein Lustgarten mit einem schönen Bogengang und zwei künstlich gezogenen Linden.“
Zeitgenössische Beschreibung des Gartens des Gutes Rosenthal zur Zeit des Kurfürsten Friedrich III., 1693.
In: B. L. Bekmann: Handschriftliche Chronik von Berlin (Abschrift von E. Siefart), o. D.
Der Garten Blankenfelde
Kurfürst Friedrich III. erwarb 1693 den Garten des Generalkriegskommissars und Oberhof-marschalls Joachim Ernst von Grumbkow (1637-1690). Das Areal bestand damals aus einem Lustgarten sowie einem Baum- und Weingarten. Grumbkow hatte 1680 Schönhausen gekauft und war vom Großen Kurfürsten mit der Durchführung des 1685 erlassenen Edikts von Potsdam beauftragt. Er unterstützte die Bildung französischer Kolonien in Preußen.
Der Gutsgarten in Blankenfelde konnte sich von seiner Nutzung als Wirtschaftsgarten nicht wirklich lösen und war in seinem Charakter nie so repräsentativ wie der Garten in Rosenthal. Durch das mangelnde Interesse der späteren Besitzer verfiel der Garten. 1882 wurde das Gut von der Stadt Berlin zur Anlage von Rieselfeldern erworben. Es blieb in Resten bis 1950 erhalten und wurde dann durch eine Fernverkehrsstraße überbaut. Einige alte Bäume südlich des Gutes lassen den Baumgarten noch erahnen.
Der Park Buchholz
Das Grundstück am Anger (heute Hauptstraße 62) gelangte 1795 durch Heirat an den preußi-schen Staatsminister Graf von Wylich und Lottum (1767-1841). Auf dem Areal und dem dazugehörigen Elsbruch ließ Lottum ein Gartenhaus, das sogenannte „Buchholzer Schlösschen“, errichten und beauftragte 1827 Peter Joseph Lenné mit der Gestaltung des Gartens.
Nach 1841 kaufte der Bankier Grafenstein Haus und Grundstück und öffnete den Garten für das Publikum. Rehe und Hirsche hielten Einzug, außerdem wurden Esel gehalten, weshalb man den Park auch „Eselspark“ nannte. Nach dem Tod des Bankiers wurde das Parkgelände aufgekauft und als Baugelände parzelliert.
Nachdem der Lotteriedirektor Jacobi die Anlage 1909 erworben hatte, ließ er das Schlösschen umbauen. Der Gärtner Ferdinand Kettlitz ergänzte den Park, der zu dieser Zeit noch bis zum Teich reichte, mit besonderen Gehölzen.
Exoten
Seit der Renaissance war das Sammeln von exotischen Kunstgegenständen und seltenen Pflanzen aus dem fernen Osten und dem Mittelmeerraum eine weitverbreitete Mode. Mit der Eroberung der Neuen Welt und Reisen nach Asien begannen exotische Früchte die Speisetafel der Fürsten zu bereichern. Die Schönheit und der Duft der neuen Pflanzen betörten die Sinne. Ihr Besitz demonstrierte Reichtum und Macht.
Mit der Entstehung großer Sammlungen von Orangeriepflanzen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts benötigte man erfahrene Gärtner und geeignete Gebäude für die Überwinterung der kostbaren Pflanzen, unter ihnen Citrus, Lorbeer, Myrte und Granatapfel. Seit dem 17. Jahrhundert waren Orangerien aus Schlossgärten nicht mehr wegzudenken. Im Sommer wurden sie häufig für Feste genutzt.
In der Regel sind Orangeriegebäude eingeschossig, mit gemauerten Rück- und Seitenwänden versehen und besitzen eine nach Süden ausgerichtete Glasfront.
Berlin entwickelte sich mit der Anlage des Lustgartens ab etwa 1646 zu einem Zentrum der Tulpenzucht – nicht zuletzt dank der Heirat der niederländischen Prinzessin Luise Henriette von Nassau-Oranien mit dem Großen Kurfürsten, der in Leiden studiert hatte. In Johann Sigismund Elsholtz’ „Theatrum tuliparium“ (1661) finden sich über 120 farbige Abbildungen der verschiedenen Tulpensorten, die damals im Lustgarten wuchsen.
Die Schlossherren pflanzten auch exotische Bäume aus Repräsentationsgründen in ihre Gärten. Einige Baumarten wie die Balkan-Rosskastanie fanden Eingang in unseren Städten, andere blieben botanische Besonderheiten in unseren Parkanlagen.