Der Schlosspark Schönhausen
1662 erwarb die Gräfin Sophie Theodore zu Dohna (1620–1678) das Gut Niederschönhausen. Sie baute es zum Landsitz aus und ließ einen ersten barocken Garten mit Obstbäumen, Küchengarten und Blumenbeeten anlegen. 1680 ging das Gut an den Oberhofmarschall Joachim Ernst von Grumbkow (1637–1690), der in den Jahren darauf eine aufwendige Erweiterung und Neuanlage des Gartens im Stil französischer Barockgärten veranlasste. Nach seinem Tod erwarb 1691 Kurfürst Friedrich III. (1657–1713), der spätere König Friedrich I., das Gut. Er ließ das Herrenhaus 1704 durch Johann Friedrich Eosander von Göthe (1669–1728) ausbauen und den Garten unter Beibehaltung der früheren Struktur erweitern.
1740 schenkte Friedrich II. seiner Frau Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern Schloss Schönhausen, das sie von Juni bis September als Sommerresidenz nutzte. Mit großem Eifer ließ sie den inzwischen verwilderten Barockgarten instand setzen. Nach der Zerstörung im Siebenjährigen Krieg wurde der Garten rekonstruiert und in den 1770er Jahren – der neuesten englischen Gartenmode nacheifernd – zu einer frühen Form des Landschaftsgartens umgestaltet.
Nach dem Tode Elisabeth Christines war Schönhausen Sommersitz verschiedener Familienangehöriger der Hohenzollern. Im Auftrag der Herzogin Friedericke von Cumberland (1778–1841), der Schwester von Königin Luise, gestaltete Peter Joseph Lenné zwischen 1828 und 1831 den Park in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild um, ohne die ursprüngliche Struktur zu verleugnen. Die dabei entstandene abwechslungsreiche Landschaft durchzogen nun neue Wege und der veränderte Lauf der Panke wurde durch teichartige Erweiterungen ergänzt.
Die Königin-Plantage von Schönhausen
Das 35 Hektar große Gebiet lag westlich des Schlosses, an der Allee in Richtung der Festung Spandau (Tschaikowskistraße). Heute befindet sich hier der Volkspark Schönholzer Heide. Elisabeth Christine ließ an dieser Stelle eine Kombination aus Lust- und Nutzgarten anlegen. So wurden Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht, drei Weinberge und verschiedene Obstbäume angepflanzt. Zum Flanieren war zwischen den Weinbergen ein Lustwäldchen mit verschiedenen fremdländischen Bäumen angelegt worden.
Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges siedelte Elisabeth Christine hier zwölf Kolonisten an, vorwiegend Lein- und Tuchweber, die Wohnung und Gartenland als Eigentum erhielten, das sie jedoch nicht veräußern durften. Als Gegenleistung mussten die Siedler an einem Tag in der Woche einen „Hofdienst in Natura“ auf der Plantage leisten.
„Dieses Lustwäldchen ist besonders im Junius, wenn die vielen darinnen angelegten wilden Rosensträucher und Bäume und die Akazien blühen, äußerst anmutig.“
Friedrich Nicolai, Beschreibungen der Königin-Plantage, 1779
Die Familie Nietner – Die Hofgärtner von Schönhausen
„Ein Gärtner muss jung, sorgfältig, fleißig und unverdrossen sein“ Heinrich Hesse, 1712
In Schönhausen wirkte von 1740 bis 1870 die Gärtnerfamilie Nietner. Sie unterhielt neben dem Schlossgarten und der Königin-Plantage auch den Küchengarten, der sich außerhalb des Lustgartens, hinter dem Gelände der Orangerie befand (östlich der Dietzgenstraße).
Die Hofgärtner waren zudem für die Gewächs- und Treibhäuser sowie die Orangerie zuständig. Neben dem ganzjährigen Anbau von frischem Obst und Gemüse erlaubten die Treibhäuser die Zucht von exotischen Früchten wie Ananas, Bananen und Melonen.
Hofgärtner bildeten seit dem 18. Jahrhundert eine besondere Berufsgruppe an fürstlichen und adligen Höfen. Oft vererbten sie ihre Stellen oder heirateten untereinander, sodass Hofgärtner-Dynastien entstanden. In Brandenburg waren das die Familien Sello (1718 bis 1891), Brasch (um 1750 bis circa 1900), Fintelmann (um 1730 bis 1956) und Nietner (1740 bis 1870).
Neben einer dreijährigen Lehre waren Bildungsreisen für die Ausbildung unerlässlich. Die Aufgabe der Hofgärtner bestand nicht nur darin, für die Gemüse- und Obstproduktion zu sorgen, sondern auch für die Anlage und den Unterhalt der Gärten. Oft waren sie die Urheber der Gartenentwürfe und genossen an den Höfen großes Ansehen. Für die praktische Arbeit standen ihnen Gärtner, Gesellen und Arbeiter zur Seite.
Besonders gut war das Hofgärtnersystem in Preußen entwickelt, dessen Aufsicht der König mit Hilfe des Oberhofbauamtes führte.
Seit 1820 mussten Hofgärtner auf Betreiben Lennés ein Examen ablegen.