Öffentliche Grünflächen
Volksparks und Stadtplätze
Berlins stetig wachsende Einwohnerzahl und die Ausdehnung der Stadtfläche waren ausschlaggebend für die Entwicklung der Berliner Grünanlagen. Den ersten Volksgarten, den Großen Tiergarten, verdankten die Berliner den Planungen von Peter Joseph Lenné, der von König Friedrich Wilhelm IV. mit der Ausführung betraut wurde. 1840 regte Lenné die Anlage eines grünen Park-Gürtels um Berlin an. Sein Schüler Gustav Meyer konnte mit dem Volkspark Friedrichshain, dem ersten kommunalen Park Berlins, diesen Vorschlag teilweise umsetzen.
Der Berliner Magistrat gründete 1870 die Park- und Gartendeputation und berief Gustav Meyer zu ihrem ersten Direktor. Unter den auf ihn folgenden Gartendirektoren wandelten sich allmählich die Ansprüche: Das schmückende Grün rückte in den Hintergrund. Stattdessen stand bei der Planung von Grünanlagen nun die Möglichkeit für körperliche Aktivitäten im Mittelpunkt.
In der aufstrebenden Metropole Berlin, die 1910 die höchste Einwohnerdichte Europas hatte, legten fortschrittliche Stadtplaner großen Wert auf innerstädtisches Grün und sicherten die dafür notwendigen Flächen. Zudem setzten sich die Bürgermeister von Pankow und Weißensee, bis 1920 noch eigenständige Gemeinden vor den Toren Berlins, für Volksparkanlagen ein.
Die beiden Weltkriege machten viele Pläne der Stadt zunichte. Beim Wiederaufbau wurden die zerstörten Stadtplätze zunächst notbegrünt. Es entstanden neue Grünanlagen auf den Trümmerbergen. Der Generalbebauungsplan für das „Grün- und Erholungssystem“ aus dem Jahr 1969 war der Versuch, mehr Grünflächen in Ostberlin anzulegen. Nach dem Fall der Mauer entstanden Stadtplätze und Parks von überbezirklicher Bedeutung. Der frühere Mauerstreifen konnte in Pankow größtenteils als durchgehender Grünstreifen erhalten werden. Der aktuelle Flächennutzungsplan und der Landschaftsentwicklungsplan sorgen dafür, dass Pankow auch in Zukunft ein grüner Bezirk bleibt.
Peter Joseph Lenné und die moderne Volksparkbewegung
Vorbild für die Berliner Grünanlagen war das von Peter Joseph Lenné (1789-1866) mitbegründete Gestaltungsprinzip des Volksgartens, das an den englischen Landschaftsgarten anknüpfte. Lenné hatte 1825 in Magdeburg den ersten Volksgarten in Deutschland entworfen. Seine Pläne ermöglichten es, dass der bereits unter Friedrich II. für die Bevölkerung geöffnete Berliner Tiergarten zwischen 1832 und 1839 zu einem Landschaftsgarten umgestaltet wurde, und ohne die vorhandenen barocken Strukturen zu verleugnen den Charakter eines Volksgartens erhielt. Lenné ging es bei der Nachahmung der Natur darum, dass „die Summe der Lebensgenüsse nicht nur vermehrt, sondern auch zugleich veredelt“ würde. Der Volkspark sollte den Menschen also nicht nur zur Erholung dienen, sondern auch zu ihrer moralischen ‚Vervollkommnung‘ beitragen.
Lennés Ambitionen gingen über Objektplanungen für Königs- und Adelssitze hinaus. Als Stadtplaner wollte er den Berlinern zu ihrer Erholung mehr bieten als die Promenade Unter den Linden und den Großen Tiergarten. So entwickelte er 1840 den Plan eines grünen Gürtels aus gestalteten Parkanlagen um die stetig wachsende Stadt.
„Einer der tüchtigsten Landschaftsplaner“
h4. Berlins erster Stadtgartendirektor: Gustav Meyer. Zitat: Vossische Zeitung
Der königliche Hofgärtner Gustav Meyer (1816-1877) wurde 1870 zum ersten Berliner Stadtgartendirektor berufen und mit der organisatorischen Leitung des gesamten Berliner Gartenwesens betraut. Damit begann die Geschichte der Berliner Gartenverwaltung.
Im ersten Jahr standen Meyer 16.800 Mark zur Verfügung – so etwa für den Volkspark Friedrichshain (34 Hektar), die Baumbestände bei Treptow, die Baumschule (drei Hektar), neun Schmuckplätze, 34 Straßen und Alleen mit Baumpflanzungen sowie für 25 Schul- und Turngrundstücke.
Gustav Meyer war Schüler von Peter Joseph Lenné und seit 1840 dessen engster Mitarbeiter. Sein prämierter Entwurf für die Gestaltung des Volksparks Friedrichshain wurde zwischen 1846 und 1848, auf einer Fläche, die bereits in Lennés Idealplan der „Schmuck- und Grünzüge Berlins“ von 1840 als Volkspark vorgesehen war, umgesetzt. Während weitere Volksparkanlagen wie der Humboldthain und der Treptower Park entstanden, wurde der Volkspark Friedrichshain 1874 durch Meyer erweitert und mit einem Spielplatz versehen. Das Schaffen Lennés und Mayers übt bis heute eine große Wirkung auf viele Landschaftsarchitekten aus.
Hobrechts Plan wird mit Leben erfüllt
h4. Der Stadtgartenamtsdirektor Hermann Mächtig
1878 wurde Hermann Mächtig (1837–1909) Leiter der Berliner Gartenverwaltung, der er über drei Jahrzehnte vorstand. Er verfolgte die Gestaltungsgrundsätze von Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer konsequent weiter. Die Reparationszahlungen aus dem deutsch-französischen Krieg brachten viel Geld in die Stadtkasse und Berlin wuchs in Fläche und Einwohnerzahl weiter. Mächtig sorgte für die Anlage von sechs größeren Parks (196 Hektar), drei Baumschulen (92 Hektar), 112 Schmuckplätzen (63 Hektar), 145 Schulgrundstücken, 14 Hospitalgärten (16 Hektar) und Gärten für botanische Zwecke sowie für Baumpflanzungen (46.000 Bäume).
Zu seinem Vermächtnis zählt der Viktoriapark in Kreuzberg. Auf den im Hobrecht’schen Bebauungsplan festgelegten Flächen entstanden in dem Gebiet der heutigen Ortsteile Prenzlauer Berg und Pankow unter Mächtigs Leitung Stadtplätze, die zumeist als Schmuckplätze angelegt waren.
„Schmuckanlagen müssten so angeordnet werden, dass sie … möglichst der Schönheit wie der Zweckmäßigkeit gleichmäßig Rechnung tragen, … unter möglichster Rücksichtnahme auf die Jugend mittels Herstellung von Spielplätzen, wenn auch nur in Gestalt größerer Nischen auf den Wegen …“
Hermann Mächtig, 1904
In: Gartenflora. Blätter für Garten- und Blumenkunde, Bd. 56/1907, S. 515. Quelle: bpk/Staatsbibliothek Berlin
Bild: Zentral- und Landesbibliothek Berlin
James Hobrecht (1825-1902) entwickelte 1862 einen Bebauungsplan für die Umgebung Berlins. Dabei nahm er auch auf die Bedürfnisse der schnell wachsenden Stadt Rücksicht, deren Ansprüche bei der Wasser-, Energie- und Nahrungsmittelversorgung sowie im Nah- und Fernverkehr stiegen.
Hobrecht berief sich nicht nur auf die Erkenntnisse von Peter Joseph Lenné und Karl Friedrich Schinkel, sondern auch auf die fortschrittlichen Ideen, die der Pariser Stadtplanung zugrunde lagen. So entwarf er ein Straßenraster, das regelmäßig durch Platzanlagen aufgelockert wurde. Die Straßen sollten mindestens 22 Meter breit sein. Auf den nicht bebaubaren Flächen plante Hobrecht Stadtplätze in gleichmäßiger Verteilung. 1862 stimmte König Friedrich Wilhelm IV. dem Plan zu.
Diesem verdanken wir die Entstehung zahlreicher Stadtplätze auch in Pankow. Die sehr dichte Bebauung der Wohnquartiere ermöglichte die Baupolizeiverordnung aus dem Jahr 1853. Diese forderte lediglich, dass eine Feuerwehrspritze in den Höfen wenden konnte. Plan von James Hobrecht (Ausschnitt), Quelle: Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Erste Volksparks in den Dörfern Pankow und Weißensee
Weitsichtige Bürgermeister der Orte Pankow und Weißensee erwarben zu Beginn des 20. Jahrhunderts private bürgerliche Parks und ließen sie zu Volksgärten und Volksparks umgestalten. 1907 gelang es Wilhelm Kuhr (1865-1914), von 1906 bis 1914 Bürgermeister von Pankow, den 2,4 Hektar großen Landsitz des Barons Hermann Killisch von Horn zum Preis von 1,45 Millionen Mark für die Gemeinde Pankow zu erwerben. Der Park wurde zu einer öffentlichen Grünanlage umgestaltet. Die Gemeinde Weißensee erwarb 1908 durch die Initiative ihres Bürgermeisters Carl Woelck (1868-1937) mit Hilfe eines Grunderwerbfonds für mehr als drei Millionen Mark das sogenannte Schloss Weißensee einschließlich der Parkanlage und gab es als Volkspark zur Nutzung frei. Zudem wurde ein Landstreifen um den See gekauft, der auch die nördliche Parkseite einbezog.
Die Gemeindeverwaltung von Niederschönhausen erwarb 1919 von den Erben des Bankiers Karl Brose Grundbesitz mit einer Fläche von 29 Hektar. Schon ein Jahr später war der ursprünglich private Park als Volkspark öffentlich zugänglich.
Vom Schmuckplatz zum sozialen Grün
Flächenplan für Berlin und Umgebung, 1910
Bild: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin
Der Architekt und Stadtplaner Hermann Jansen (1869-1945) entwickelte 1910 einen Grund- und Stadtentwicklungsplan für Großberlin, der anstatt der bisher üblichen Schmuckplätze zusammenhängende Grünflächen vorsah. Bereits seit etwa 1910 wurde die Eingemeindung mehrerer Berliner Vororte in die Großgemeinde von Berlin vorbereitet. An den Planungen für die zukünftige Entwicklung des städtischen Grüns hatte Hermann Jansen großen Anteil. Nach dem Zusammenschluss zu Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde Berlin bei einer Fläche von nun 878 Quadratkilometern zur zweitgrößten Stadt Europas mit 3,8 Millionen Einwohnern. Angesichts der immer beengter werdenden Wohnverhältnisse wurde die Forderung nach ausgedehnten Grünanlagen immer lauter. Durch ein System von Grünanlagen, bestehend aus Parks, Kleingärten, Friedhöfen, Wäldern und Wiesen, so die Vision der Landschafts- und Städteplaner, sollte die Gesundheit der Bevölkerung verbessert und das Bedürfnis nach Bewegung, Spiel und Erholung befriedigt werden. Plan von Hermann Jansen (Ausschnitt) Quelle: Architekturmuseum der TU Berlin
Die Entwicklung der Stadtplätze durch die Berliner Stadtgartendirektoren Albert Brodersen und Erwin Barth und dem Pankower Gartenamtsleiter Alexander Weiss
Nationalsozialismus, Krieg und Neubeginn
Im 1945 gegründeten Hauptamt für Grünplanung des Magistrats, dem Reinhold Lingner (1902-1968) bis 1950 vorstand, machte man sich daran, Millionen Kubikmeter an Trümmerschutt wegzuräumen, aufzuschütten und zu begrünen. Zahlreiche Ruinengrundstücke konnte man durch die Bezirksgartenämter schon in den ersten Jahren nach dem Krieg notbegrünen und teilweise mit Spielgeräten ausstatten. Schrittweise wurden bestehende Stadtplätze und Grünanlagen wiederhergestellt und, entsprechend dem wachsenden Bedürfnis nach Freizeit und Erholung, um Spiel- und Sportanlagen ergänzt. Zahlreiche Projekte verdankten sich ab Anfang der 1950er Jahre internationalen Jugendtreffen und dem Nationalen Aufbauwerk.