Mit einem gemeinsamen Anradeln haben Manuela Anders-Granitzki, Stadträtin für Ordnung und Öffentlicher Raum im Bezirksamt Pankow, Professor Christian Rudolph von der TH Wildau und infraVelo-Geschäftsführer Michael Fugel heute die neue Fahrradstraße im Bötzowkiez im Bezirk Pankow eröffnet. Auf den rund 600 Metern zwischen den Straßen Am Friedrichhain und Greifswalder Straße ist das Radfahren jetzt sicherer und komfortabler. Die umgestaltete Straße sorgt künftig für ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmenden.
Das Besondere: Das historische Kopfsteinpflaster wurde abgeschliffen, der Charakter der Straße ist erhalten geblieben. Insgesamt wurde eine Fläche von einem halben Fußballfeld, rund 3.700 Quadratmeter, abgeschliffen und Unebenheiten wurden reduziert. Anschließend wurde die Fahrbahn markiert und die Schilder für die Fahrradstraße aufgestellt. Die Straße gehört zum Radvorrangnetz und hat eine wichtige Funktion für den Radverkehr im Prenzlauer Berg.
Ab sofort hat der Radverkehr hier Vorrang, gleichzeitig bleibt die Zufahrt für Anwohnende und den Lieferverkehr weiterhin möglich. Die Parkplätze für PKW sind, bis auf die Bereiche für neue Liefer- und Ladezonen und an Querungsstellen, erhalten geblieben.
Von der Umgestaltung der Hufelandstraße profitieren alle:- vier Meter breite Fahrbahngasse für bequemes Radeln auf der Fahrradstraße
- mehr Sicherheit für den Radverkehr durch einen grünen Sicherheitstrennstreifen, um „Dooring-Unfälle“ mit parkenden Autos zu verhindern
- weniger Konfliktsituationen durch Radfahrende auf dem Gehweg
- bessere Orientierung und Sicherheit für alle durch sichtbare Rotmarkierungen an Kreuzungen und Einmündungen
- fünf ausgewiesene Liefer- und Ladezonen für Gastronomie, Handel und Handwerk sowie für private PKW zum Be- und Entladen
- bessere Barrierefreiheit an Querungen beispielsweise für Menschen, die mit Kinderwagen oder Rollstuhl unterwegs sind
- 48 neue Fahrradbügel
- weniger Lärm und ruhigere Atmosphäre durch reduzierten Autoverkehr
- Regenwasser kann weiterhin durch die Fugen des Kopfsteinpflasters vor Ort versickern
Begleituntersuchung zum Kopfsteinpflasterschleifen
Da die Einrichtung einer Fahrradstraße auf abgeschliffenem Kopfsteinpflaster ein neuartiges Verfahren darstellt, wird das Projekt wissenschaftlich begleitet und untersucht. Die ersten Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen: Die Griffigkeit und dementsprechend die Rutschfestigkeit haben sich spürbar verbessert, die Lärmbelastung ist gesunken, der Winterdienst funktioniert reibungslos und Radfahrende weichen deutlich seltener auf den Gehweg aus.
Manuela Anders-Granitzki, Stadträtin für Ordnung und Öffentlicher Raum im Bezirksamt Pankow: „Mit der neuen Fahrradstraße verbessern wir die Bedingungen für den Radverkehr und erhalten zugleich den besonderen Charakter der Hufelandstraße. Das war uns bei der Planung besonders wichtig. Wir wollen sichere und komfortable Wege für Radfahrer schaffen, ohne dabei die Bedürfnisse der Fußgänger und die Interessen der Anwohnerschaft aus dem Blick zu verlieren. Die Hufelandstraße zeigt, dass beides zusammengeht. Die Erfahrungen aus diesem Projekt wollen wir nun für weitere Straßen in Pankow nutzen.”
Prof. Christian Rudolph, Lehrstuhl Radverkehr in intermodalen Verkehrsnetzen an der TH Wildau: „Das innovative Verfahren -Made in Brandenburg- zeigt, dass es nicht viel braucht, um Kopfsteinpflasterstraßen auch für Radfahrende attraktiv zu machen. Unsere wissenschaftliche Untersuchung zeigt: Die Anwohnenden schätzen besonders den hohen Komfort beim Radfahren, den Erhalt des historischen Straßenbilds und die deutliche Geräuschreduzierung der vorbeifahrenden Autos. Bemerkenswert ist die sofortige Verlagerung der Gehwegradler auf die Straße.”
Michael Fugel, Geschäftsführer infraVelo: „Die Hufelandstraße zeigt, dass sich historische Stadtgestaltung und zukunftsfähige Mobilität sinnvoll ergänzen können. Das Abschleifen einer so großen Kopfsteinpflasterfläche plus das Aufbringen von einer entsprechenden Markierung ist neu und innovativ: Die Erkenntnisse aus diesem Projekt liefern wichtige Impulse für den Umgang mit weiteren Berliner Pflasterstraßen und weisen den Weg für eine moderne, sichere und denkmalverträgliche Radverkehrsinfrastruktur.“
Das Vorhaben wurde durch Landesmittel finanziert. Die Gesamtkosten für die Umgestaltung liegen bei rund 1 Mio. Euro brutto (inkl. Kosten für Planung, Begleituntersuchung, Abschleifen und Einrichten der Fahrradstraße). infraVelo koordiniert als Bauherrin die Bauausführung für die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und den Bezirk Pankow.
Fortsetzung der Fahrradstraßenroute in der Marienburger und Wörther Straße
Im nächsten Jahr startet infraVelo die Planung gemeinsam mit dem Bezirksamt Pankow für eine Verlängerung der Fahrradstraße – auf knapp 800 Meter des Radvorrangnetzes über die Marienburger und Wörther Straße bis zum Kollwitzplatz.
Bilder vom Anradeln und von der Fahrradstraße können im Presseportal heruntergeladen werden.
Hier gibt es die Ergebnisse der Begleituntersuchung.
Nach der Fertigstellung der Fahrradstraße folgt eine weitere Verkehrszählung für den Vergleich.
Merkmale von Fahrradstraßen: www.infravelo.de/projekte/radverkehrswege/fahrradstrassen/
ÜBER INFRAVELO
infraVelo unterstützt das Land Berlin und seine Bezirke dabei, neue Wege für den Radverkehr zu schaffen und den Umweltverbund zu stärken. Die GB infraVelo GmbH ist als Tochtergesellschaft der 100% landeseigenen GRÜNBERLIN GmbH tätig. Weitere Informationen finden Sie unter www.infravelo.de.
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