Nach acht Jahren umfangreicher Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten wurde die Grundschule am Weißen See in der Amalienstraße 6, 13086 Berlin, am Freitag, 11. September 2026, feierlich eröffnet. Bereits mit Beginn des neuen Schuljahres am 24. August war die Schulgemeinschaft an ihren angestammten Standort zurückgekehrt und hat den Unterricht in dem grundlegend sanierten Gebäude aufgenommen. Der Umzug zurück an den Stammsitz erfolgte vom 19. bis 21. August 2026. Damit endet für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Familien eine lange Zeit am Ausweichstandort in der Falkenberger Straße.
Ein bedeutender Ort der Weißenseer Schulgeschichte
Das denkmalgeschützte Schulgebäude in der Amalienstraße ist nicht nur ein wichtiger Bildungsstandort, sondern auch von großer Bedeutung für die Weißenseer Schulgeschichte. Es wurde in den Jahren 1929 bis 1931 nach einem Entwurf des Magistratsbaurates Reinhold Mittmann im Stil der ‚Neuen Sachlichkeit‘ errichtet und im April 1931 als erste weltliche Schule Weißensees eröffnet. Schon damals verfügte das Gebäude unter anderem über eine Aula mit Bühne und Rang, zwei Turnhallen, einen Zeichensaal, Werkräume, eine Schulbibliothek sowie eine Duschanlage. Darüber hinaus wurden Mädchen und Jungen entsprechend dem Charakter der weltlichen Schule in gemeinsamen Klassen unterrichtet.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die weltliche Schule aufgelöst. In den folgenden Jahrzehnten erfuhr das Gebäude diverse Umnutzungen und diente unter anderem als Lazarett und Krankenhaus, als Polizeidienstgebäude sowie als Rathaus. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde aus der Schule die 17. Grundschule des damaligen Stadtbezirks Weißensee. Seit 1991 wird das Gebäude wieder ausschließlich schulisch genutzt. Seit 1994 trägt die Schule den Namen „Grundschule am Weißen See“.
Eine besondere Verbindung zwischen der Geschichte des Gebäudes und der heutigen Schule schafft auch die Kunst am Bau. Am Eingang befindet sich die mobile Skulptur „Wo liegt eigentlich Panama?“ der Weißenseer Künstlerin Barbara Trautmann. Mit dem Kunstwerk werden zentrale pädagogische und inhaltliche Schwerpunkte der Schule aufgegriffen.
Umfassende Grundinstandsetzung und Ausbau
Wegen der zahlreichen Nutzungsänderungen, früherer Umbauten sowie veralteter baulicher und technischer Standards entsprach das Gebäude zunehmend nicht mehr den aktuellen Anforderungen an zeitgemäße Unterrichtsformen. Brandschutz, Fluchtwege, Statik, Barrierefreiheit und Unfallschutz wurden nur teilweise erfüllt. Da die notwendigen Sanierungsmaßnahmen jedoch aus Kostengründen nicht realisiert werden konnten, entstand ein erheblicher Sanierungsstau.
Seit 2018 wurde der Schulstandort deshalb umfassend grundinstandgesetzt und denkmalgerecht restauriert. Im Zuge der Maßnahme wurde das historische Gebäude zugleich an die Anforderungen eines modernen Lern- und Lebensortes angepasst und für einen künftig vierzügigen Schulbetrieb ausgebaut. Damit bietet die Grundschule am Weißen See Platz für bis zu 576 Schülerinnen und Schüler.
Außergewöhnliche Herausforderungen während der Bauzeit
Die Baumaßnahme war in den vergangenen Jahren mit zahlreichen besonderen Herausforderungen verbunden. Zusätzliche denkmalrechtliche und bautechnische Anforderungen, die notwendige Erneuerung erheblicher Teile des Innenputzes, pandemiebedingte Einschränkungen, erhebliche Baupreissteigerungen, Lieferengpässe sowie aufwendige Neuvergaben einzelner Gewerke wirkten sich auf den Bauablauf aus. Hinzu kamen witterungsbedingte Verzögerungen, personelle Ausfälle sowie Schwierigkeiten mit einzelnen ausführenden Unternehmen.
Noch zu Beginn des Jahres 2026 führten unter anderem Wasserschäden sowie eine Undichtigkeit im Bereich der Dachabdichtung und Regenentwässerung zu weiteren Verzögerungen. Die Ursache der Undichtigkeit konnte im Frühjahr identifiziert und fachgerecht beseitigt werden. Ende April 2026 waren bereits rund 98 Prozent der wesentlichen Bauleistungen abgeschlossen.
Jörn Pasternack, Bezirksstadtrat für Schule, Sport und Facility Management: „Die Rückkehr in die Amalienstraße ist für die gesamte Schulgemeinschaft ein ganz besonderer Moment, da sie über viele Jahre hinweg große Geduld aufbringen musste. Umso mehr freue ich mich, dass dieses historisch wertvolle Gebäude jetzt wieder mit schulischem Leben gefüllt ist. Mit der Sanierung ist es gelungen, die besondere historische Substanz der Schule zu bewahren und zugleich Voraussetzungen für einen modernen Schulbetrieb zu schaffen. Darüber hinaus ist mit der Fertigstellung dieser Baumaßnahme die Umwandlung des Ausweichstandortes in der Falkenberger Straße zu einer Integrierten Sekundarschule möglich geworden.“
Dr. Torsten Kühne, Staatssekretär für Schulbau und Schuldigitalisierung: „Seit Beginn der Berliner Schulbauoffensive haben wir 62.000 neue Schulplätze und 41 neue Schulgebäude gemeinsam mit allen Beteiligten geschaffen – daneben finden aber auch notwendige Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an unseren Bestandsschulen statt. Das sehen wir hier im Pankower Ortsteil Weißensee am frisch sanierten, denkmalgeschützten Gebäude der Grundschule am Weißen See. Wir alle wissen, dass sich Baumaßnahmen oftmals durch unvorhergesehene Ereignisse verzögern können. So sorgten auch hier am Standort zusätzliche Anforderungen des Denkmalschutzes, pandemiebedingte Einschränkungen, erhebliche Kostensteigerungen, um nur einige Faktoren zu nennen, für Verzögerungen. Insofern freue ich mich sehr, dass die Schulgemeinschaft jetzt wieder am angestammten Platz lernen und lehren kann. Der Wiedereinzug ins Stammgebäude ermöglicht nun auch die weitere Entwicklung des bisherigen Ausweichstandorts in der Falkenberger Straße. Dort ist der Ausbau hin zu einer Integrierten Sekundarschule geplant. Wir sehen: Die Schulbauoffensive ist auch eine Schulsanierungsoffensive und geht weiter!“
Kosten und Finanzierung
Die Kosten der Gesamtmaßnahme belaufen sich auf ca. 36,9 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt durch das Land Berlin. Das Vorhaben ist Teil der Berliner Schulbauoffensive.
Mit der Wiedereröffnung beginnt für die Grundschule am Weißen See ein neues Kapitel an einem Standort mit fast 100-jähriger Bildungsgeschichte. Einzelne Restleistungen sowie die gesonderte denkmalgerechte Sanierung der Aula werden im Nachgang fortgeführt.