Ausstellungszeitraum: 13. September 2026 bis 10. Januar 2027
In den USA haben sich in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit verschiedene traditionelle Techniken der Holzverarbeitung entwickelt, die vor allem von freiwillig und unfreiwillig arbeitslosen Handwerkern geprägt wurden. Matt Browning (*1984, lebt und arbeitet in New York) greift formale und technische Prinzipien dieser Traditionen auf, um das Medium Skulptur und die Strukturierung von Raum zu befragen. Die Ausstellung A Screen of Trees (dt. „Ein Schirm aus Bäumen“) im Mies van der Rohe Haus zeigt Arbeiten, die durch ihre Serialität und Veränderbarkeit auf unterschiedliche Weise in ihre jeweiligen Kontexte eingebettet sind, beharrlich und aufmerksam. Viele der Arbeiten bestehen aus beweglichen, aber strikt miteinander verbundenen Ketten, die Browning aus zusammenhängenden Blöcken Douglasienholz schnitzt und die die handlichen Objekte des traditionellen Whittlings auf Raumgröße übertragen. Die Stapel gleichmäßig geschnitzter Glieder bilden eine veränderbare Architektur, durch die
jede Skulptur zu einer geraden Linie verdichtet oder zu einem Gitter ausgefahren werden kann, um sowohl untereinander als auch mit ihrer Umgebung Verbindungen aufzubauen.
Wie der Kunsthistoriker Michael Baxandall in seiner Untersuchung zur Holzskulptur der deutschen Renaissance bemerkte: „Alle Holzbildwerke bleiben langsam arbeitende, veränderliche Körper“ und bezog sich damit auf die Porosität von Holz, das noch lange nach Beenden des Schnitzprozesses auf Umwelteinflüsse wie Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung reagiert. In Brownings Skulpturen überträgt sich diese Wandelbarkeit auf der Ebene des Materials auf die Form selbst. Die Ausstellung im Mies van der Rohe Haus reflektiert diese Logik der Wandelbarkeit auf institutioneller Ebene, indem sie die Fortführung einer Präsentation im Kunstverein München im Frühjahr 2026 markiert. Zwei Knoten in einer größeren Kette: Each in its Isolation, Locked Together in Unity.