Kinderarmutsprävention

Kinderarmut – nicht mit uns!

Je früher und je länger ein Kind Armutserfahrungen macht, desto gravierender sind die Folgen für seine Lebenssituation und seine Zukunftschancen. Deshalb hat der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Michael Grunst eine bezirkliche Gesamtstrategie zur Kinderarmutsprävention ins Leben gerufen.

Was ist Kinderarmut?

Diverse Definitionen von Armut sind im Umlauf. Die Armutsdefinitionen im engeren Sinn beziehen sich vorwiegend auf die materiellen Verhältnisse. Wenn also von Kinderarmut gesprochen wird, geht es vor allen Dingen um Familienarmut, denn Kinderarmut wird anhand der finanziellen Verhältnisse der Familie beschrieben.

Nach häufig verwendeter Auffassung leben Kinder in Kinderarmut, die in Familien mit Sozialleistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) zum Lebensunterhalt beziehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Hartz-IV-Leistungen oder Leistungen zum Aufstocken des Arbeitsaufkommens erhalten. Auch der Begriff relative Armut wird im Kontext häufig verwendet. Haushalte gelten als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 % des mittleren Einkommens vergleichbarer Haushaltskonstellationen verfügen. Hierbei werden alle Einnahmequellen berücksichtigt, auch staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Kindergeld. Der Begriff der absoluten Armut spielt in diesem Kontext keine gesonderte Rolle.

Etabliert hat sich auch der Begriff des sozioökonomischen Status. Darunter versteht man neben dem Einkommen auch das Bildungsniveau (Schulabschlüsse etc.) und die Erwerbstätigkeit der Eltern. Je nach Erhebung umfasst er auch Eigentums- und Wohnverhältnisse, Beruf, Teilhabe am kulturellen Leben.

Kinderzeichnung - helfen!

Was ist eine Präventionskette?

Das Konzept einer so genannten Präventionskette richtet sich darauf aus, ein umfassendes und tragfähiges Netz für Kinder und Jugendliche und ihren Eltern im Bezirk Lichtenberg unter Beteiligung aller zu entfalten. Es geht darum, bestehende Netzwerke, Angebote und Akteure so zusammenzuführen, dass ein untereinander abgestimmtes Handeln möglich wird. Hierzu ist es wichtig, bedarfsweise neue Angebote zu entwickeln bzw. Vorhandenes gemeinsam umzustrukturieren und niedrigschwellig den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen anzupassen. Eine Präventionskette fokussiert alle Kinder und Jugendlichen und ihrer Familie unabhängig vom sozialen Status, wenngleich sozial benachteiligte Kinder eine erhöhte Aufmerksamkeit erhalten.

Der Weg ist, dass bisher voneinander getrennt erbrachte Leistungen und Angebote in der Präventionskette sinnvoll aufeinander abgestimmt und koordiniert werden sollen, um eine durchgängige und lückenlose Förderung und Unterstützung zu ermöglichen. Dabei ist es sehr wichtig, dass gerade funktionierende Übergänge von einer Entwicklungsphase oder Setting (Familie, Kita, Schule) in die nächste beachtet werden müssen.

Portraitfoto Sandra Born

Die Fachliche Steuerung der Kinderarmutsprävention

Die fachliche Gesamtsteuerung der Kinderarmutsprävention im Bezirk Lichtenberg übernimmt Dr. Sandra Born. Der Aufgabenbereich ist vielfältig und umfasst die Planung, Konzeption, Auf- und Ausbau und Entwicklung des bezirklichen Netzwerkes Kinderarmutsprävention. Es fallen zahlreiche steuernde und koordinierende Tätigkeiten an wie Projektleitung des Steuerungsgremiums zur Kinderarmutsprävention, des Fachbeirats Kinderarmutsprävention und die fachliche und organisatorische Unterstützung der Arbeitsgruppen „Armut und Bildung“, „Armut und soziale Teilhabe“, „Armut und Gesundheit“ und „Armut und existenzielle Versorgung“ sowie der Unterarbeitsgruppe “Bildungs- und Teilhabepaket”.

Die Sicherstellung der gesamten Prozessverantwortung für die Handlungsfelder durch die Arbeitsgruppen-Mitglieder liegt ebenso in der Verantwortung wie auch die Entwicklung und Koordination in der Abstimmung von Angeboten entsprechend aktueller Anforderungen und Bedarfen in den Sozialräumen sowie Monitoring und Datenanalyse.

Aber auch der weitere Netzwerkauf- und ausbau gehören dazu. So müssen Vernetzungen mit Unternehmen und Firmen vorangetrieben werden, die dieses Vorhaben unterstützen wollen als auch die Kommunikation mit anderen Verwaltungen auf der Bezirks- und Landesebene mit den relevanten Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Vertretung der Fachlichen Steuerung der bezirklichen Kinderarmutsprävention in allen relevanten Gremien ist zudem unabdingbar und daher zu organisieren. Im Rahmen der Armutspräventionsstrategie findet eine jährliche Konferenz mit relevanten bezirklichen und überbezirklichen Akteuren statt, die regelmäßig dokumentiert wird.

Die Sensibilisierung und Enttabuisierung der Themen Kinderarmut und Kinderarmutsprävention wird auch durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit begleitet.