Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2017

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 12. Dezember 2017 zum sechszehnten Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gesellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, seinem Stellvertreter Gerhard Hanke, der Bezirksverordnetenvorsteherin Gaby Schiller und ihre Vertreterin Ulrike Billerbeck – hatte in diesem Jahr sechs besondere Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt werden:

Bernd Bärwalde

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Bernd Bärwalde und Bezirksverordnetenvorsteherin Gaby Schiller (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

„Mit Pfeil und Bogen für Spandaus Jugend”

Geboren wurde Herr Bärwalde am 27.04.1951 in Spandau. Hier hat es ihn auch über 60 Jahre an verschiedenen Orten gehalten, bis er dann 2013 nach Falkensee gezogen ist.

Nach der Schule arbeitete Herr Bärwalde als Helfer auf dem Bau, ziemlich weit oben. Die Arbeit lag ihm. Er schloss dann 1975 seine Ausbildung zum Dachdeckergesellen in Mayen ab. Da geht noch mehr, dachte er sich, und so er besuchte die Abendschule. 1989 beendete er diese erfolgreich mit der Meisterprüfung in diesem Gewerk.

Angefangen hat alles mit dem Bogenschießen. Erst spät ist er selber zu diesem Hobby, bzw. Sport gekommen, als er nach der Wende das Umland erkundete. Herr Bärwalde hat es ausprobiert und Feuer gefangen. Mehr autodidaktisch hat er sich das Bogenschießen beigebracht und anhand von Videoanalysen an der Technik gefeilt. Da ihm im damaligen Verein das Training verbesserungswürdig erschien, machte er kurzerhand selber den Trainerschein. Es zog in irgendwann wieder nach Spandau wo er im TSV eine neue Abteilung Bogenschießen eröffnete. Dort war er auch als Fachwart tätig.

Richtig angefangen hat es dann mit den beiden Mädels Lena und Natalie. Um die Jahrtausendwende trainierte er Lena so erfolgreich, dass sie 2003 Welt- und Europameisterin wurde. Angespornt durch diesen Erfolg und hartes Training schaffte es dann auch wenig später Natalie zur Europameisterin. Er verstand es eben schon immer die Menschen von seinem Sport zu begeistern. Als dann der Leiter der Jugendfreizeiteinrichtung am Aalemannufer einen Bogenschießlehrgang bei ihm besuchte gründete mit einigen Mitstreitern 2008 den Verein Bogenschützen Aalemann e.V.. Nach der Bildung einer Kooperation bekamen die Jugendlichen der Freizeiteinrichtung die Möglichkeit das Bogenschießen auszuprobieren.

Sein Engagement beschränkt sich bei Weitem aber nicht nur auf das Bogenschießen. Er ist immer gern in der Einrichtung und hilft. Seine Tätigkeit für die Kids und Jugendlichen in der Freizeiteinrichtung ist für ihn selbstverständlich.
Ob als Betreuer bei Veranstaltungen oder bei gemeinsamen Fahrten. Bei Ausflügen liefert er das Essen, damit für das leibliche Wohl gesorgt ist. Und notfalls bereitet Herr Bärwalde auch selber etwas zu.

Was natürlich nicht fehlen darf, das kennen sicher auch einige von Ihnen, ist das echte Nutella. Herr Bärwalde hat dies bei Fahrten für seine Schützlinge „sicherheitshalber“ immer im Gepäck.

Auch bei den täglichen Schularbeiten hilft er gern wo er kann. Und als es Probleme bei der Konzentration bei den Hausaufgaben gab, da sich alles in einem Raum abspielte, kaufte er kurzerhand aus eigener Tasche ein Gartenhäuschen, damit die Schülerinnen und Schüler in Ruhe arbeiten konnten. Selbstverständlich wurde dieses Haus von ihm aufgebaut. Auch einen Überseecontainer hat Herr Bärwalde erworben um für Ordnung auf dem Grundstück zu sorgen.

Überhaupt nimmt Herr Bärwalde für ihn selbstverständlich regelmäßig eigenes Geld in die Hand um für die Einrichtung etwas zu kaufen.

Er beschaffte, nachdem es mit der Reparatur zweier alter Kanus nicht so funktionierte, kurzerhand nach einer Preisrecherche 2 neue. Für die Erneuerung der Bogenschießausrüstung sorgt er ebenfalls. Damit sein Werk auch weiterhin Früchte tragen kann, organisierte er für Katja einen Trainerschein, damit auch zukünftig den Kindern das Bogenschießen beigebracht werden kann. Ein 20m langes Zelt schaffte er ebenfalls an, um das Training auch in den kalten Wintermonaten zu ermöglichen.

Überhaupt: kleinere Reparaturen sind für Herrn Bärwalde nicht der Rede wert….diese werden sofort erledigt.

Was dies für die Einrichtung bedeutet war in dem Vorschlagsschreiben zur Ehrennadel auf den seitenlangen und sehr liebevoll geschriebenen Ausführungen zu seinem Wirken zu vernehmen.

Aber man hört Herrn Bärwalde auch selber an, wie sehr sein Herz für den „Aal“ schlägt. Es sind Worte beim Erzählen wie „unsere“ und „meine“ die seine Verbundenheit zu der Einrichtung deutlich machen.

Viele der Jugendlichen kennt er seit Jahren und hat sie auch durch manchmal etwas schwierige Lebensphasen begleitet und unterstützt. Er tut dies alles gern für die Kinder, denn er hat Freude daran den Jugendlichen zu helfen und Ihnen eine Freude zu bereiten.

Seit 2013 ist Herr Bärwalde im Ruhestand. Aus gesundheitlichen Gründen möchte er gern etwas kürzer treten.

Nun kann er Reisen, vorzugsweise nach Albufeira. Dort reist er mit seinem eigenen Wohnmobil hin über Barcelona und Sevilla, das er liebt.

Spandau bedankt sich bei Bernd Bärwalde für sein langes und außerordentliches Engagement für die Jugendlichen in der Freizeiteinrichtung Aalemannufer mit der Spandauer Ehrennadel 2017.

Karina und Manfred E. Gehrmann

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Karina und Manfred E. Gehrmann und Bezirksverordnetenvorsteherin Gaby Schiller (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

„Zwei Herzen für die Kultur in Spandau”

Das Ehepaar Gehrmann hat seine Wurzeln im heutigen Polen. Manfred Gehrmann hat das Licht der Welt in Mohrungen in Ostpreußen erblickt, seine Ehefrau Karina im schlesischen Liegnitz. Beider Lebenswege kreuzten sich in Griechenland und führten dann schließlich nach Spandau. Zwei wahrlich internationale Lebensgeschichten!
Die Kriegswirren verschlugen Manfred Gehrmann als jüngsten von vier Söhnen mit der Mutter aus der Heimat nach Niedersachsen. Das ländliche Leben gefiel dem Jungen dann so gut, dass nach der Volksschule der Wechsel auf das Gymnasium Johanneum in Lüneburg durchaus einen Einschnitt darstellte. Nach dem Abitur wollte Herr Gehrmann eigentlich Künstler werden, doch der Familienrat setze diesen Plänen dann ein deutliches Stopp-Schild. So schlug er dann einen anderen beruflichen Weg ein und studierte zunächst in Braunschweig Architektur. Das dortige Studium schien dem jungen Freigeist dann doch zu eng und in einem spontanen Entschluss entschied sich Herr Gehrmann sein Studium in Berlin fortzusetzen. Das erste Bett fand der junge Mann mit vielen Plänen aber wenig Geld in einer Notübernachtung im Umfeld des Bahnhof Zoo.

Frau Gehrmann musste in frühen Kindertagen ebenfalls die Heimat verlassen. Die Familie verschlug es ins Rheinland, wo die Anfangszeit für die „Flüchtlinge aus dem Osten“ alles andere als einfach war. Nach Schulbesuch und Abitur in Moers nahm Frau Gehrmann in Berlin an der Freien und der Technischen Universität ein Studium der Pharmazie auf. Die Semesterferien im Jahr 1965 verbrachte die Studentin mit Freunden auf der Insel Mykonos. Dort befand sich zur gleichen Zeit auch Herr Gehrmann, der mit dem festen Vorsatz dorthin gereist war, die Bekanntschaft einer jungen Griechin zu machen. Die junge Frau, die dann seine Aufmerksamkeit erregte, stellte sich dann aber schnell als Karina aus Berlin heraus. Seine damalige erste Reaktion bestand aus deftigen Worten, die heute hier nicht wiedergegeben werden können. Doch das Schicksal hat offenbar doch die beiden Richtigen zusammengeführt, denn wir erleben die Gehrmanns heute hier noch immer als glückliches Paar.
Die gemeinsamen Anfangsjahre in Berlin waren nicht einfach, im Rückblick aber der Start in eine von gemeinsamen Interessen geprägte Zukunft. Nachdem Abschluss seines Studiums machte sich Herr Gehrmann schnell mit einem eigenen kleinen Büro selbständig. Er nahm an einigen Architekturwettbewerben teil und konnte schon bald einige davon für sich entscheiden. Sein Schwerpunkt blieb dabei Berlin, wo etwa die Hälfte seiner Projekte angesiedelt war, die andere Hälfte an anderen Orten. Schon früh reifte der Plan von Herrn Gehrmann, sein berufliches Engagement mit seinem 50. Geburtstag zu beenden, doch diesen Plan durchkreuzte schließlich Wende, die so viele neue Möglichkeiten für seinen Berufszweig mit sich brachte. So wurde aus dem Vorsatz „Schluss mit 50“ kurzerhand „Schluss mit 60“.

Im Jahr 1974 siedelte die Familie, die inzwischen mit den beiden Söhne Jan und Kai komplettiert worden war, nach Spandau um. Das Haus mit Blick auf die Havel hat Herr Gehrmann natürlich selbst entworfen.

Das immer schon sehr kunstinteressierte Ehepaar Gehrmann engagierte sich unter anderen als Förderer eines jungen Musikers aus Weißrussland. Nikolay Borchev studierte Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und wurde im Lauf der Jahre so etwas wie der dritte Sohn der Gehrmanns. Eine Verbindung, die noch heute besteht, obwohl der Musiker inzwischen an Opernhäusern in aller Welt für seine Auftritte gefeiert wird.

Der schon erwähnte 60. Geburtstag rückte näher und ein geeigneter Ort für die entsprechende Feier wurde gesucht. Ein Gespräch mit dem damaligen Vorsitzenden des Spandauer Wirtschaftshofes, Herrn Klaus-Jürgen Rödiger, der schonseitlängerer Zeit dem Ehepaar Gehrmann ein Engagement in Spandau nahegelegt hatte, stellte schließlich die Weichen für ein Stück Spandauer Kulturlandschaft, das ohne das Ehepaar Gehrmann wohl heute nicht existieren würde. Überliefert ist der Satz: „Wir haben da noch eine Ruine…“ Bei dieser Ruine handelte es sich um das historische Reduit Burgwallschanze, dass sich damals in sehr schlechtem Zustand befand und für dessen Instandsetzung das Land Berlin natürlich keine finanziellen Mittel hatte. Das Ehepaar Gehrmann hat mit großem persönlichem und auch finanziellem Engagement aus der Ruine einen Ort für „Kunst ohne Kommerz“ gemacht. Die Gehrmanns erhielten fast in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Schlüssel für das Gebäude und legten los.

Die Gehrmanns wollten und wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben und haben dies zum Glück für die Havel- und Zitadellenstadt hier in Spandau verwirklicht. Nun rückt wieder ein runder Geburtstag näher und die Gehrmanns streben zu diesem Datum einen Generationswechsel in der Burgwallschanze an, wobei der Grundsatz „Kein Geld – Kein Profit“ erhalten bleiben soll.

Spandau und hier insbesondere alle Freunde von Kunst und Kultur haben heute jedenfalls allen Grund, sich beim Ehepaar Gehrmann mit der Spandauer Ehrenadel 2017 zu bedanken.

Helmut van Heese

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Helmut van Heese und Bezirksverordnetenvorsteherin Gaby Schiller (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

„Spandaus Ober-Kleingärtner”

Helmut van Heese erblickte das Licht der Welt in der Nähe Spandaus – nämlich in der Pulsklinik in Charlottenburg. Seine Kindheit verbrachte er dann etwas weiter östlich im Bezirk Pankow. Sein Vater arbeitete als Bauingenieur in einer Baufirma in Weißensee, die er später auch übernehmen wollte. Die Kindheit verbrachte er in unruhigen Kriegszeiten dann teilweise mit seiner Mutter und der Schwester bei den Großeltern auch in Alt-Strelitz in Mecklenburg. In diese Zeit fiel auch die schwere Erkrankung an einer schlimmen Mittelohrentzündung, die der kleine Helmut dank einer Notoperation im Rostocker Universitätsklinikum gut überstanden hat. Der positive Effekt für den damals Siebenjährigen: Er stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit…
Nach dem Krieg kehrte die Familie dann nach Berlin und zu ihrem 1939 gekauften Kleingarten im Schloßpark Pankow- Niederschönhausen zurück. Für den jungen Helmut van Heese ergaben sich dadurch auch bald erste bewußte Berührungen mit einem Thema, das später eine zentrale Rolle in seinem Leben spielen sollte, nämlich mit der damals lebenserhaltenden Bedeutung des Kleingartenwesens für die Menschen und die Umwelt. In der in unmittelbarer Nähe am Garten vorbeifließenden Panke lernte Herr van Heese schwimmen. Weil mit dem Ende des II. Weltkrieges auch der Traum von der eigenen Firma platzte, musste der Vater sich beruflich anders orientieren. Er fand eine Anstellung in der Hochbauabteilung der BVG im damaligen Westteil Berlins. Auf Anraten des Arbeitgebers verließ die Familie 1953 Pankow und zog nach Wilmersdorf. wo der Vater dann wenig später bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand, die Leitung der Hochbauabteilung übernahm.
Helmut van Heese absolviert seine letzten Schuljahre auf der Sophie- Scholl- Schule in Schöneberg, wo er 1957 mit dem Abitur abschloss.
Der Traum vom Medizinstudium ließ sich leider nicht verwirklichen und so absolvierte Herr van Heese zunächst eine zweijährige Lehre als Betonbauer. Die Ergebnisse sind noch heute weithin sichtbar, denn zu den ersten Bauten an denen er mitwirkte, gehörte das Corbusier-Haus am Olympiastadion. Mit der Arbeit als Betonbauer in unterschiedlichen Gewerken finanzierte Herr van Heese dann auch zu einem Teil die Semester seines Studiums des Bauingenieurwesens.
1961 heiratete er seine erste Ehefrau. Dies blieb auch für den Berufsweg nicht ohne Folgen, denn er stieg in die Firma seines Schwiegervaters ein, einen technischen Großhandel, der sich u.a. vornehmlich mit Artikeln rund um den Garten beschäftigte. Den Gartenbesitzern unter Ihnen sind zweifellos die Produkte der Firma Gardena ein Begriff. Helmut van Heese war übrigens der Erste, der in dieser Zeit die Produkte der Firma aus Baden- Württemberg in Berlin in den Vertrieb brachte.
Die berufliche Zukunft ließ sich dann in der Firma des Schwiegervaters später doch nicht wie geplant weiterführen und so wechselte Herr van Heese zur damaligen Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. In der BfA konnte Herr van Heese dann im Laufe der Jahre in vielfältigen Bereichen arbeiten und sich beruflich stetig weiter qualifizieren. Er übernahm vielfältige Aufgaben und konnte auch seine früher erworbenen beruflichen Qualifikationen im Baubereich mit einbringen. Die letzte 10 Jahre seiner beruflichen Laufbahn betreute Herr van Heese als wirtschaftlicher Projektstreuerer Bauprojekte mit Millionenbudgets. Der eine oder andere hier im Saal hat vielleicht sogar schon die eine oder andere Kur in einer Klinik verbracht, an deren Neu- oder Umbau Herr van Heese maßgeblich mitgewirkt hat. Im Jahr 2000 ging er dann in den beruflichen Ruhestand.
Die Erinnerungen an die eigene Kindheit mit glücklichen Tage im Kleingarten brachten Herrn van Heese schon früh auf den Gedanken, für seine Kinder Nannette und Carsten ebenfalls die Möglichkeit zu schaffen, als Stadtkinder etwas näher mit der Natur in Kontakt zu kommen. Der erste Garten war ein Werksgarten der Tante bei der Firma Motard, den die junge Familie nutzen konnte. Doch schon nach kurzer Zeit kam der Schock, für das Kleingartengelände wurde eine Abrißgenehmigung erteilt. Zum 01.04.1971 konnte die Familie dann eine neue Parzelle in der Kolonie Waldessaum im Radeland pachten. Vor allem die Kinder waren glücklich darüber. Das Gelände gehörte damals der GSW und eigentlich war hier weiterer Wohnungsbau geplant. Doch hier hatten die Verantwortlichen ihre Rechnung ohne Helmut van Heese und die Kleingärtner gemacht. Es gelang den engagierten Gartenfreunden die betroffenen Kolonien dauerhaft zu sichern. Der nach kurzer Zeit zum 1.Vorsitzenden gewählte Helmut van Heese engagierte sich dann seit Beginn der 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch im Vorstand des Bezirksverbandes Spandau der Gartenfreunde. 1988 wurde Herr van Heese zum Vertreter des damals neu gewählten 1. Vorsitzenden, Wilfried Walter, gewählt. Zwischenzeitlich übt Herr van Heese nun selbst das Amt des Ersten Vorsitzenden aus.
Im Rückblick auf sein jahrzehntelanges Wirken für das Spandauer Kleingartenwesen zieht Helmut van Heese heute eine positive Bilanz. Die Zahl der Spandauer Kolonien und Parzellen ist seit den 70-er Jahren fast unverändert geblieben und so können noch immer Familien „ihr“ kleines Stück Natur nutzen. Dennoch bleiben aus seiner Sicht genug Projekte auf der Tagesordnung: Es gibt in Spandau inzwischen 7 Kolonien, die auf eine über 100- jährige Geschichte zurück blicken können. Zumindest die eine oder andere davon in den nächsten Jahren unter Denkmalschutz zu stellen ist zum Beispiel eines der Themen, für das sich, neben anderen Vertretern der bezirklichen Verbände, auch Herr van Heese einsetzt. Oberste Maxime für sein Handeln bleibt dabei aber jene, mit der er schon in der Vergangenheit gutgefahren ist: Das partnerschaftliche Gespräch mit allen Beteiligten pflegen und gemeinsam zu möglichst einvernehmlichen Lösungen kommen.
Neben dem beruflichen und dem ehrenamtlichen Engagement hat es Herr van Heese aber dennoch immer geschafft, noch Zeit für ein paar ausgleichende Aktivitäten zu erhalten: Er hat einige Male erfolgreich mit seiner 2. Ehefrau den Berlin-Marathon bestritten und sich seit den 80-er Jahren jährliche kleine Auszeiten für Bergwanderungen und Skilaufen in Österreich und in den Wäldern Finnlands gegönnt.
Es ließe sich noch einiges mehr über Herrn van Heese berichten, doch die Zeit der heutigen Veranstaltung lässt nicht mehr zu, als ein abschließendes Dankeschön an Helmut van Heese und seine Auszeichnung mit der Spandauer Ehrennadel 2017.

Klaus Scholz

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Klaus Scholz und Bezirksverordnetenvorsteherin Gaby Schiller (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

„Von der Saar an die Havel“

Der Werbesprucheiner Spedition lautet: „Mit Scholz – da rollt’s“. Wir alle hier im Gotischen Saal wissen natürlich, das für Spandau natürlich andere Gesetze gelten. Daher heißt es in der Havelstadt zwar nicht in Form eines Reimes , aber zutreffend: „Mit Scholz – da läuft’s“!

Als Klaus Scholz im Jahr 1949 in Losheim am See im Saarland zur Welt kam, standen Spandau und das benachbarte Berlin vermutlich nicht ganz oben in seiner Lebensplanung. Dennoch sind wir heute hierzusammengekommen, um ihn mit Spandaus höchster Auszeichnung zu ehren, doch nun der Reihe nach:

Nach seinem Schulabschluss absolvierte Herr Scholz zunächst eine Berufsausbildung zum Werkzeugmacher, ehe er sich von 1971 bis 1978 als Fallschirmjäger der Bundeswehr verpflichtete. Weitere 10 Jahre übte er anschließend das Fallschirmspringen noch weiter als Hobby aus. Beruflich war er anschließend für die Firma Total Walther als Bauleiter für automatische Feuerlöschanlagen tätig. Im Jahr 1987wurde er von der Berliner Firma Minimax „abgeworben“ und siedelte in die Hauptstadt um. Nach einigen Jahren Leben im Hotel fand der Junggeselle schließlich in Spandau sein Glück. Der frühere Fußballer Klaus Scholz schloss sich 1992 der Leichtathletik-Abteilung des VfV Spandau an und lernte hier seine Ehefrau Karen kennen. 1994 wurde geheiratet und das Sport- und Ehe-Duo Scholz & Scholz ließ in der Leichtathletik-Szene aufhorchen. Klaus Scholz übernahm das Training seiner Ehefrau und die gemeinsame Trainingsarbeit schlug sich unter anderem in 5 Speerwurf-Weltmeistertiteln in verschiedenen Altersklassen seiner Frau nieder.

In dieser Zeit übernahm Klaus Scholz auch für 5 Jahre die Leitung der Leichtathletik-Abteilung des VfV.

Im Nach-Wendejahr 1990 war spontan der erste „Lauf der Sympathie“ von Falkensee nach Spandau als Zeichen der wiederentstehenden Verbindung zwischen Spandau und dem Havelland mit ca. 300 Teilnehmern aus der Taufe gehoben worden. Der erste Organisator Fritz Zimmermann, der ebenfalls dem VfV angehörte, gab die Verantwortung für den alljährlichen Lauf, der sich nach und nach einen festen Platz im Veranstaltungskalender erkämpft hat, im Jahr 2000 in die Hände von Klaus Scholz. Seitdem liegt die Hauptverantwortung für den immer größer werdenden Lauf (es nehmen inzwischen ca. 2500 Läuferinnen und Läufer teil) in seinen Händen. Das Einholen von Genehmigungen, das Einwerben von Sponsoren, die Vermessung der Strecke und vieles mehr sind Jahr für Jahr zu erledigen. Das ist natürlich keine „One-man-show“, Klaus Scholz freut sich über ein Team von Helfern und Unterstützern, die die Veranstaltung in jedem Jahr ermöglichen.

Das Organisationstalent von Klaus Scholz ist auch außerhalb Spandaus nicht verborgen geblieben. Seit etlichen Jahren ist er als Abteilungsleiter und Mitarbeiter beim 25-km-Lauf von Berlin und unterstützt auch die Veranstalter der 10km Grand Ten ( die Strecke dieser Laufveranstaltung führt unter anderem durch den Berliner Zoo) Er kümmert sich hier seit vielen Jahren um die Organisation des Fahrdienstes und betreut persönlich die teilnehmenden Top-Athleten.

Auch in Frankfurt am Main und Düsseldorf bauen die Veranstalter der dortigen Marathonläufe auf die Erfahrungen von Klaus Scholz.

Auch weitere Veranstaltungen gehen auf sein Konto: in den Jahren 2002 und 2003 amtierte er als Sportlicher Leiter der Dimple Highland Games in der Spandauer Zitadelle, wo sich die Spandauer Festung für zwei Jahre in das schottische Hochland verwandelte und entsprechende sportliche Wettbewerbe präsentierte.

Auch für den Run of Spirit, die Laufveranstaltung des Evangelischen Johannesstiftes Spandau, die den Inklusionsgedanken in den Mittelpunkt stellt, ist Klaus Scholz mit seinem bewährten Team seit dem Jahr 2016 als Sportlicher Leiter aktiv.

Mit dem UrbanTrail brachte Klaus Scholz in diesem Jahr auch eine neue Idee zu einer Laufveranstaltung erstmals nach Deutschland. Ohne Zeitnahme wird hier auch durch Gebäude gelaufen. Hier steht auch das Kennenlernen der heimatlichen Gefilde im Vordergrund. Für das Jahr 2018 steht bereits der Termin 24. Juni fest und wenn es nach Klaus Scholz geht, führt der Laufweg dann auch durch das Spandauer Rathaus.

Die Ideen gehen dem Saarländer an der Havel nicht aus, es ist abzusehen das Spandau mit Klaus Scholz immer weiter läuft und läuft und läuft….

Urlaub steht für das Ehepaar Scholz auch in engem Zusammenhang mit seinem Engagement. Seit vielen Jahren besuchen sie alljährlich das Hochland von Kenia und die vielen Läufer aus dieser Region, die Klaus Scholz in Berlin bereits betreut hat sind dann stets herzliche Gastgeber.

Heute ist der Bezirk Spandau der Gastgeber und bedankt sich bei Klaus Scholz für sein großes Engagement mit der Spandauer Ehrennadel 2017.

Marlis Steinke

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Marlis Steinke und Bezirksverordnetenvorsteherin Gaby Schiller (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

„Die gute Seele vom Falkenhagener Feld“

Frau Steinke wurde an einem 01. April in Brandenburg an der Havel geboren. Frau Steinke ist aber alles andere als ein Aprilscherz.

Doch zunächst der Reihe nach: Frau Steinke zog nachdem ihre Mutter verstorben war im Alter von 11 Jahren nach Berlin zu ihrer 20 Jahre älteren Schwester. Bei ihr in Heiligensee fühlte sie sich wohl. Ihre Schwester hatte bereits 3 Kinder großgezogen und so war sie sozusagen die Nr. 4. In der Nachkriegszeit keine leichte Zeit.

Der Bruder lebte nach Kriegsgefangenschaft in Düsseldorf und die zweite Schwester im Ruhrgebiet. Auch dort zog es sie zwischenzeitlich hin, denn auch der Vater lebte dort bei der Schwester in Witten an der Ruhr. Dies tat sie gemeinsam mit ihrem Mann, den sie 1964 kennen lernte. Es wurde schnell geheiratet. Und so kam am 06.03.1966 der erste Sohn Ralf in Witten zur Welt. Es zog die junge Familie aber wieder nach Berlin und man lebte zur Untermiete in Moabit. Hier wurde dann am 05.05.1967 der zweite Sohn Frank geboren. 1968 war es endlich soweit, eine Wohnung in Spandau wurde bezogen. Seit dem ist sie nun mit dem Bezirk verbandelt.

Das Falkenhagener Feld ist ihre Heimat. Hier gingen die Söhne zur Schule in der Siegerlandgrundschule, in der Zufluchtsgemeinde wurde der Konfirmationsunterricht besucht und der „Große“ hat hier sogar geheiratet. Wen wundert es, dass hier sogar 3 ihrer Enkelkinder getauft worden sind.

Auch die Freizeit wurde gemeinsam in Spandau verbracht. Auf Eiswerder hatte die Familie einen Wohnwagen zur Wochenendnutzung. Hier haben nicht nur die Kinder sondern später auch die Enkelkinder schwimmen gelernt. 20 Jahre lang haben die Steinkes hier die Sommer verbracht.

Insgesamt hat Frau Steinke 6 Enkelkinder, 5 Mädchen und einen Jungen.

Das berufliche Leben spielte sich ab 1974 auch in Spandau ab. Gleich in der Nähe bei Reichelt arbeitete Frau Steinke als Verkäuferin. Eine Arbeit die sie gern ausübte. Mit Menschen Kontakt haben unter Leute zu sein, das ist ihr Ding.

Als ihr Mann krank wurde hat sie 1998 aufgehört zu arbeiten um sich um ihn zu kümmern. Nach 34 gemeinsamen Ehejahren verstarb der geliebte Mann dann am 28.01.1999.

Gern und viel hat sie sich um die Enkelkinder gekümmert. Aber auch die werden älter und flügge. Nichtstun kommt für Frau Steinke aber nicht in Frage und so fing sie 2004 an in Martin-Buber-Oberschule in der Cafeteria auszuhelfen. Da dies nicht ausreichte, meldete sie sich auf eine Annonce im Volksblatt. Zuerst als Gast übernahm sie aber schnell die Hebammengruppe im Familienzentrum im Falkenhagener Feld und organisierte das gemeinsame Frühstück. Hier kommen Schwangere und Mütter mit ihren Kleinkindern. Auch eine Bastelgruppe betreut sie bereits seit 7 Jahren. In diesen beiden Gruppen ist sie stets Ansprechpartnerin für alle Lebensfragen und gibt gern Hilfestellungen, Tipps oder hat auch einfach mal ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte.

Seit 2 Jahren leitet sie das 50+ Frühstück in der Zufluchtsgemeinde. Nachdem für die Honorarkräfte keine Gelder mehr zur Verfügung standen, war es für Frau Steinke selbstverständlich sich hier zu engagieren.

Sie arbeitet weiterhin im Aktionsfonds und im Quartiersrat im Falkenhagener Feld aktiv mit.

Der Zusammenhalt ist gut und das Angebot im Kiez groß aber es ist schwierig neue Leute hierfür zu begeistern, dabei muss man doch einfach nur mal hingehen, wie sie sagt.

Wenn sich Frau Steinke mal nicht ehrenamtlich engagiert, geht sie ihrer zweiten Leidenschaft nach: dem Reisen. Bereits mit ihrem Mann war sie in China, Schweden, Finnland und Norwegen, aber auch im Süden…in Bulgarien oder einfach mal auf einem Bauernhof. Mit ihrer Schwiegertochter und 2 ihrer Enkelkinder war sie im letzten Jahr in Bulgarien. Und da es den Vieren dort so gut gefallen hat, soll es im nächsten Jahr wieder gemeinsam dorthin gehen. Dann mit der Spandauer Ehrennadel im Gepäck.