Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2011

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 31. August 2011 zum zehnten Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gesellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, seiner Stellvertreterin Ursula Meys, dem BVV-Vorsteher Jürgen Vogt und seinem Vertreter Christian Haß – hatte in diesem Jahr wieder vier besondere Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt werden:

Gerd Grundke

Konrad Birkholz, Gerd Grundke und Jürgen Vogt (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Ohne Wasser geht es nicht

Geboren wurde Gerd Grundke zwar im Neuköllner Krankenhaus, doch bereits unmittelbar danach zog es die Familie in die Zitadellen- und Havelstadt Spandau, wo Gerd Grundke dann Schul- und Lehrzeit absolvierte. Bei der Firma Wisch und Co. erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers und wechselte dann nach kurzer Zeit in das Dynamowerk der Spandauer Weltfirma Siemens. Den Großteil seines Berufslebens verbrachte Herr Grundke jedoch im Dienst der Zollbehörde.
Schon im Alter von 19 Jahren war Herr Grundke als begeisterter Paddler in fast jeder freien Minute vor allem im Bereich Pichelswerder mit seinem auf den Namen „Tim“ getauften Boot unterwegs. Die nahegelegene Station der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) war zu dieser Zeit nur mit einigen wenigen Rettern besetzt, die zu ihren durchaus häufigen Einsätzen damals noch mit einem Ruderboot ausrückten. Der junge Paddler mit seinem Boot „Tim“ war deshalb oft dabei, wenn „Not am Mann“ war und schon bald gehörte er fest zum Team der Rettungsstelle. Schnell bürgerte sich der Name „Tim“ ein und unter diesem Namen kannten alle nicht nur das Boot sondern auch dessen Besitzer. Noch heute blickt derjenige oft in fragende Gesichter, der im Kreis der DLRG-Aktiven nach Gerd Grundke fragt – die Mienen hellen sich dann oft auf, sobald der Name „Tim“ nachgeschoben wird…
Im Jahr 1960 erfolgte dann der formelle Eintritt von Herrn Grundke in die DLRG. Drei Jahre später, nachdem Herr Grundke auch den Lehrschein erworben hatte, übernahm Herr Grundke dann im Jahr 1963 die Funktion des Stationsleiters der Rettungsstelle Stößensee. Im Jahr 1969 wechselte Herr Grundke in den Bereich des DLRG-Bezirkes Spandau und übernahm sogleich die Leitung der Wasserrettungsstation Bürgerablage. Zusätzlich zu dieser Aufgabe engagierte er sich auch in seinem neuen Bezirk stark für die Nachwuchsausbildung. Bis zum Jahr 1990 nahm er die Funktion des Leiters der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in der Spandauer Schwimmhalle wahr. Auch nach der Aufgabe seiner „offiziellen“ Funktionen blieb Herr Grundke der DLRG treu und war weiterhin im Wasserrettungsdienst in „seiner“ Station Bürgerablage tätig.
Durch die Auszeichnung mit der Spandauer Ehrenadel wird daher am heutigen Tag Herrn Gerd Grundke der Dank und die Anerkennung für eine außergewöhnlich lange Zeit des Engagements für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgesprochen und dies natürlich auch mit der Hoffnung verbunden, dass all sein Wirken in der Vergangenheit auch Vorbild und Ansporn für Andere ist, seinen Aktivitäten in der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft nachzueifern und sich somit für das Gemeinwohl zu engagieren.

Siegfried Hirsch

Konrad Birkholz, Siegfried Hirsch und Jürgen Vogt (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Naturschützer aus Leidenschaft

Der heute mit der Spandauer Ehrennadel zu ehrende Siegfried Hirsch erblickte das Licht der WeIt weit entfernt von der Havel- und Zitadellenstadt Spandau im ehemaligen Rittergut Grunenfeld in Ostpreußen. Sein Vater war dort als Oberförster tätig und damit war wohl bereits die Saat gelegt für die lebenslange Naturverbundenheit unseres heutigen Auszeichnungsträgers. Nach den Kriegs-und Nachkriegswirren gelangte Herr Hirsch dann mit seiner Mutter im Jahr 1947 nach Berlin, genauer in den Spandauer Ortsteil Haselhorst. Nach Schule und Ausbildung folgte eine kurze Zeit im Dienst der Bereitschaftspolizei, ehe Herr Hirsch schließlich im Transportgewerbe Fuß fasste. Doch schon als junger Mann begeisterte er sich für die Natur. Vor allem die gefiederten Erdenbewohner haben es ihm seit jeher angetan. Kontinuierlich hat sich Herr Hirsch auf dem Gebiet der Ornithologie weitergebildet. Herr Hirsch leitete über viele Jahre die Bezirksgruppe Spandau des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland – BUND -. Hinzu kommt ein Vielzahl weiterer Aktivitäten, so beispielsweise die jahrelange patenschaftliche Pflege der Naturdenkmale Glühwürmchengrund und Immenweide im Ortsteil Hakenfelde, die Kartierung von Gehölzbeständen auf dem Friedhof In den Kisseln sowie auf dem westlich gelegenen Wasserwerkgelände oder die Übernahme von Baumpatenschaften für Straßenbäume.
Besonders herauszuheben ist auch das ständige Bemühen darum, sein erworbenes Wissen weiterzugeben: Ornithologische Führungen auf dem Friedhof In den Kisseln, die Durchführung und Betreuung von Ausstellungen, und vor allem auch sein ehrenamtliches Engagement in den Spandauer Gartenarbeitsschulen. Hier leitet er vor allem junge Menschen an, baut mit Ihnen gemeinsam Nisthilfen für Brutvögel und informiert Kinder und Jugendliche über die schützenswerten Belange der heimischen Vogelwelt. Das Verständnis für den Naturschutz gerade in der Großstadt zu wecken ist ein erster wichtiger Schritt, um vielleicht den einen oder anderen Nachwuchsvogelkundler dauerhaft für dieses Interessensgebiet zu gewinnen.

Angelika Klein

Konrad Birkholz, Angelika Klein und Jürgen Vogt (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Der Pulsschlag in der Gartenstadt Staaken

Immer wenn das Herz in der Staakener Gartenstadt besonders kräftig schlägt ist unsere heutige Ehrennadelempfängerin wieder als „Kiez-Kardiologin“ unterwegs.
Die pensionierte Postbankbeamtin ist eng verwurzelt mit „ihrer“ Gartenstadt Staaken, wenngleich sie mit nicht zu überhörender Wehmut in der Stimme zugeben muss, dass sie kein Kind der Gartenstadt ist. Ihre Aktivitäten versprüht unsere Auszeichnungsträgerin in der Gartenstadt Staaken seit dem Jahr 1988. In diesem Jahr gründete sie gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern des Gebietes den Arbeitskreis Gartenstadt Staaken, in dem sie seitdem verschiedene Vorstandspositionen bekleidete.
Ein Aktionsfeld war Frau Angelika Klein aber auf Dauer zu wenig, um all ihre Ideen zur Gestaltung des Zusammenlebens in der der Staakener Gartenstadt umzusetzen. Daher beschloss sie im Jahr 1989 sich aktiv an der Arbeit der Wohnungsbaugenossenschaft Gartenstadt Staaken e.G. zu beteiligen und nahm als Aufsichtsratsmitglied die Kontrolle über die Geschäftsführung des Vorstandes der Wohnungsbaugenossenschaft war. Seit 2010 ist sie nunmehr selbst Vorstandsmitglied und trägt somit, gemeinsam mit den zwei weiteren Vorstandsmitgliedern, die Verantwortung für den Bereich der Finanzen und der damit verbundenen Planungen dieses Wohnungsunternehmens. Auch ihre weiteren Planungen für die Gartenstadt Staaken sind geprägt von ihrem Leitgedanken zur Schaffung sozialer Gerechtigkeit und der Stärkung der sozialen Kontakte, insbesondere in den Beziehungen zwischen der jungen und älteren Generation.
Frau Angelika Klein, eine Staakenerin mit Leib und Seele!!! Ihr kleines Dorf rund um den Heidebergplan zu verbessern, das Leben in diesem Bereich besser, lebens- und liebenswerter zu gestalten, ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger dafür zu begeistern, gemeinsam entwickelte Zielsetzungen auch gemeinsam zu verwirklichen, dies alles zeichnet Frau Klein aus und hierfür wird sie heute zurecht mit der Spandauer Ehrennadel 2011 ausgezeichnet. Wir alle wünschen unserer Ehrennadelempfängerin weiterhin die Standfestigkeit, bei all ihren Planungen das Wohl ihrer Mitmenschen als eine zentrale Aufgabenstellung ihres Wirkens in der Gartenstadt Staaken zu bewerten und somit ihren bisherigen Lebensweg unbeirrt fortzusetzen.

Petra Strobl

Konrad Birkholz, Petra Strobl und Jürgen Vogt (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Erzieherin und Restaurantmanagerin im Falkenhagener Feld
Geboren in Pankow, aufgewachsen in Neukölln, wohnen am Radeland, wirken im Falkenhagener Feld. Dies sind – grob aufgelistet – die Lebensstationen von Frau Petra Strobl, die in diesem Jahr für ihr besonderes Engagement auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendbetreuung im Spandauer Ortsteil Falkenhagener Feld mit der Spandauer Ehrennadel ausgezeichnet wird. Die Spandauer Ehrennadel 2011 für ihren unermüdlichen und kreativen Einsatz im Kinderrestaurant „eff – eff“, das im Klubhaus Falkenhagener Feld in der Westerwaldstraße – als eigenständige Einrichtung – integriert ist.
Alles begann im Jahr 2002: Mit dem Ziel der nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation der im Spandauer Ortsteil Falkenhagener Feld lebenden Kinder und Jugendliche haben verantwortungsbewusste Mitbürgerinnen und Mitbürger den gemeinnützigen Verein „eff – eff“ Kinder im Restaurant Spandau e.V. gegründet. Im Laufe der Zeit hat Frau Petra Strobl als „Macherin in der Einrichtung“ das Kinderre-staurant in der Westerwaldstraße stetig weiterentwickelt. Zwar ist der Restaurantcharakter entsprechend der Gründerideen ohne Einschränkungen erhalten geblieben, jedoch hat sich das Angebotsspektrum für die Besucher des Restaurants in den vergangenen Jahren wesentlich erweitert. Zweifellos ist es der Verdienst von Frau Strobl, dass das Kinderrestaurant „eff – eff“ im Klubhaus Westerwaldstraße einen guten Ruf in dem zuweilen als schwierig beschriebenen Wohnumfeld erworben hat. Die übrigen im Falkenhagener Feld ansässigen sozialen und erzieherischen Einrichtungen akzeptieren das Restaurant als verlässlichen Partner im Verbund der Stadtteilarbeit in diesem Spandauer Ortsteil. Auch wenn den Mitgliedern des Vereins „eff – eff“ Kinder im Restaurant Spandau e.V., vor allem aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Restaurantbetrieb, ein nicht zu verkennender Anteil an diesem Verdienst zuzuschreiben ist kann und muss klar zum Ausdruck gebracht werden, dass vornehmlich die Initiativen unserer Auszeichnungsempfängerin zur Verbesserung der Lebenssituation in diesem Ortsteil ausschlaggebend für die bisherige erfolgreiche Arbeit sind. Als Dank für dieses anhaltende besondere Engagement wird Frau Petra Strobl mit der Spandauer Ehrennadel 2011 ausgezeichnet. Wir wünschen ihr und uns für ihr weiteres Wirken im Falkenhagener Feld viel Erfolg und alles erdenklich Gute.