Verleihung der Spandauer Ehrennadel 2002

Die Spandauer Ehrennadel wurde am 05.12.2002 zum zweiten Mal an Personen verliehen, die sich über längere Zeit in besonderer und herausragender Weise für das Gemeinwohl im gesellschaftspolitischen Bereich in Spandau verdient gemacht haben.

Das Findungsgremium – bestehend aus Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz, seiner Stellvertreterin Ursula Meys, dem BVV-Vorsteher Jürgen Vogt und seinem Vertreter Uwe Ziesak – hatte auch in diesem Jahr vier besondere Mitbürger ausgewählt, deren Verdienste um den Bezirk Spandau mit dieser höchsten Auszeichnung des Bezirks gewürdigt wurden:

Gerda Drogies

Jürgen Vogt, Gerda Drogies und Konrad Birkholz (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Gerda Drogies hat sich vor allem durch ihr besonderes und außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement innerhalb der Gehörlosengemeinschaft Spandau verdient gemacht.

In Berlin geboren verlor sie im I. Weltkrieg durch eine schwere Grippeepedemie im Alter von einem Jahr ihr Gehör. Nach ihrer Eheschließung im Jahr 1958 mit dem Gehörlosendolmetscher Heinz Drogies und der Geburt ihrer Tochter Margit hat sie in der Reisegesellschaft für Gehörlose aktiv teilgenommen und die Organisation schon damals bei vielen Aktivitäten ehrenamtlich unterstützt. Hierbei war sie sich auch für “schweißtreibende Arbeit” im Kantinen- und Küchenbereich an Wochenenden sowie nach Feierabenden nicht zu schade.

In der Zeit von 1950 bis 1952 unterstützte sie ihren künftigen Mann tatkräftig bei der Bildung der Gehörlosengemeinschaft Spandau, dem somit posthum ebenfalls diese Ehrung sowie auch allen weiteren stark engagierten Mitgliedern dieser Gemeinschaft zuteil wird.

Sie übernahm gerne viele anfallende Arbeiten und war mit Rat und Tat immer zur Stelle. Dieses war auch durch ihre eigene Behinderung und die Tatsache, dass sie eine berufstätige Mutter war, nicht immer leicht. Gerda Drogies machte sich besonders auch für den überregionalen Austausch von Gehörlosen inner- und außerhalb Deutschlands stark. Sie organisierte dabei Besucheraustausche und kulturelle Veranstaltungen, knüpfte Kontakte zwischen den Gehörlosen und anderen Behindertengruppen, die so zu gern gesehenen Gästen bei der Gehörlosengemeinschaft wurden.

Neben all diesen ehrenamtlichen Aufgaben pflegte sie – nur wenige Jahre nach der gemeinsamen Berentung mit ihrem Ehemann – diesen bis zu seinem Tod im Jahr 1997. Sie vergaß dabei trotz der persönlich schwierigen Jahre nie das Leid der Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft Spandau, besuchte diese an Krankenbetten oder schrieb ihnen liebe Genesungszeilen.

Auch mit 83 Jahren ist sie heute immer noch aktiv. Gerda Drogies hat sich seit Jahrzehnten somit außerordentlich um die Integration und Akzeptanz gehörloser Mitmenschen in unserer Gesellschaft und vor allem in Spandau verdient gemacht und weit über die Grenzen der Havelstadt hinaus für sie eingesetzt.

Ohne ihr persönliches Engagement wäre so vieles, was die Gehörlosengemeinschaft Spandau betrifft, nicht möglich gewesen.

Gerhard Hussock

Jürgen Vogt, Gerhard Hussock und Konrad Birkholz (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Gerhard Hussock hat sich insbesondere durch seine langjährigen Tätigkeiten im Gemeinde- und Kulturbereich Spandaus einen Namen gemacht.

Im Jahr 1968 nahm er seine Tätigkeit als Haus- und Kirchenwart in der evangelischen Wicherngemeinde in Hakenfelde auf.

Im März 1970 eröffnete er in den Gemeinderäumen der Wicherngemeinde das Wichern-Kino, das von ihm ehrenamtlich und sehr zeitaufwendig “nebenher” betrieben wurde. Trotz einer “Katastrophen-Premierenvorstellung” führte er diesen Betrieb gemeinsam mit seiner Ehefrau weiter fort. Hierbei ist anzumerken, dass dieses Kino keinerlei staatliche Unterstützung erhielt und somit in Eigenregie und mit Eigenleistung nur betrieben werden konnte. Zu dieser Zeit war dieses Kino das einzigste im gesamten Bezirk Spandau.

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Haus- und Kirchenwart in der Wichern-Gemeinde war er dort für alles zuständig und für jeden weit über das eigentlich erforderliche Maß hinaus da. Er gestaltete Feierlichkeiten, leitete und überwachte die Arbeitseinsätze der Freigänger aus der benachbarten Justizvollzugsanstalt Hakenfelde und führte zahlreiche Instandsetzungsarbeiten durch.

Die Ehrung würdigt u.a. seine Ausdauer, die zahlreichen Aufgaben in einer Kirchengemeinde selbständig und zuverlässig – immer am Menschen orientiert – wahrzunehmen. Gerhard Hussock zeichnete sich aber nicht nur durch die Langjährigkeit seiner Tätigkeit aus, denn über die beschriebenen Aufgaben im Gemeinde- und Kulturbereich hinaus, war er einfach immer zur Stelle, wenn jemand gebraucht wurde.

Durch seine Ehrung will das Bezirksamt Spandau bewusst ein Zeichen dafür setzen, dass sich ehrenamtliche und aufopferungsvolle Tätigkeiten ohne Vereins- oder Organisationsverbundenheit mitunter mit den beruflichen Arbeiten vermischen können.

Gerhard Hussock hat beispielhaft bewiesen, dass sich das persönliche Engagement, auf das es heutzutage immer mehr ankommt, nicht an festen Arbeitszeiten oder Aufgabenbeschreibungen festmachen lässt.

Rainer Mayerhöfer

Rainer Mayerhöfer und Konrad Birkholz (von links nach rechts)
Bild: Bezirksamt Spandau

Rainer Mayerhöfer ist der bislang jüngste Träger der Spandauer Ehrennadel. Insofern wird ihm diese Auszeichnung auch nicht für “ein langjähriges ehrenamtliches Engagement” verliehen, sondern für eine unter Einsatz des eigenen Lebens in diesem Jahr begangene Rettungstat in Spandau.

Rainer Mayerhöfer wurde 1984 in Manila auf den Philippinen geboren, verlebte seine Kindheit jedoch vornehmlich in Neukölln. Bis 1992 pendelte er zwischen den Philippinen und Deutschland und siedelte mit Beginn des zweiten Schuljahres gemeinsam mit seinen Eltern nach Manila über. Dort lebte er bis 2001 und schloss dort die allgemeinbildende Schule mit der 10. Klasse ab. Seit April 2001 lebt er in Spandau. Er besucht derzeit die 12. Klasse der Martin-Buber-Oberschule und wird voraussichtlich 2004 seine Abiturprüfung dort ablegen.

Rainer Mayerhöfer wird ausgezeichnet, weil er am 29.03.2002 einen Nachbarn aus einem brennenden Haus gerettet hat. Nach dem Vernehmen des Brandgeruchs rief er auf Bitten seiner bei ihm klingelnden Nachbarin die Feuerwehr. Aus der Beantwortung der Nachfrage der Feuerwehreinsatzstelle wurde ihm bekannt, dass sich noch der gehbehinderte Nachbar in dem brennenden Gebäude befand. In dem Wissen um den Hilfebdarf des Nachbarn ging er mit einem nassen Lappen vor seinem Gesicht in das brennende Haus und zog ihn auf einem Sessel sitzend und verzweifelt versuchend, den Brand selbst zu löschen, aus dem Objekt.

Er selbst wünscht sich keinen “Rummel” um seine Rettungstat und empfindet seine sofortige und lebensrettende Tat als selbstverständlich und würde immer wieder so handeln.

Ohne Frage – solch ein selbstloser Einsatz ist ein weiteres herausragendes Beispiel für den Sinn der Spandauer Ehrennadel und die berechtigte Vergabe an Rainer Mayerhöfer.

Johannes Swiateky

Jürgen Vogt, Johannes Swiateky und Konrad Birkholz
Bild: Bezirksamt Spandau

Johannes Swiatekhat sich durch sein besonderes ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Bereichen um seinen Heimatbezirk verdient gemacht.

Da ist zum einen seine Verbundenheit zu Gott und katholischen Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen in der Flankenschanze. Hier ist und war er sich nie zu schade gewesen, Dienste am Menschen zu leisten. Durch seinen starken und gelebten Glauben und sein Beispiel hat er dies in einer sehr persönlichen Art und Weise vollzogen und vielen Menschen in für sie ausweglosen Situationen Mut gemacht, ihr Schiksal zu meistern. Er konnte dabei Zuhörer begeistern und zum Mitmachen gewinnen – oder zumindest nachdenklich machen. Im einzelnen war er in der Kolpingfamilie tätig, als Gottesdienstbeauftragter mit Krankenbesuchen und weiteren Tätigkeiten betraut und führte Wanderungen mit Senioren und heimatkundliche Erläuterungen durch.

Infolge einer schweren Darmoperation 1972 musste bei ihm ein Anuspraeter angelegt werden. Sofort suchte er Kontakt zu Gleichgesinnten und organisierte eine “Hilfe für Anuspraeter-Betroffene” in Berlin. Dabei wurden insbesondere in das Waldkrankenhaus Spandau zahlreiche Besuche von ihm durchgeführt. Durch immer mehr Kenntnisse und Erfahrungen mit dieser Krankheit und der Behandlungsmethode begann er dann in den Berliner Krankenpflegeschulen Informationen über die Behandlung betroffener Menschen an Schüler und Schülerinnen weiterzugeben und entsprechende Vorträge darüber zu halten. Schwerpunkt hierbei waren – natürlich – neben den praktischen Anleitungen die Beispiele und Tipps zur Führung dieser Menschen bezüglich ihres instabilen seelischen Haushalts.

Für Johannes Swiatek ist jeder Tag ein Geschenk! Dank des Herrgotts war es ihm trotz eigener Beschwerden und Verluste immer eine besondere Aufgabe, anderen zu helfen und sich auf diesem Gebiet zu betätigen.

Sein hohes Engagement macht ihn für seinen Heimatbezirk Spandau unentbehrlich!