Neubau Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld
mit einem angegliederten Verbundstandort für Angebote im sozialen Bereich, Weiterbildung und Kultur.
Der Kunstwettbewerb wurde als nicht offener, einphasiger Einladungswettbewerb mit vorgeschalteten offenem Bewerbungsverfahren mit dem Schwerpunkt Künstlerische Forschung durchgeführt.
Wettbewerbsaufgabe
Bei der Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld handelt es sich um eine Schulneugründung mit einem Verbundbereich (Angebote der Musikschule, Volkshochschule sowie Beratungen im sozialen Bereich und öffentliches Café), der neben Schüler*innen auch die Bewohner*innen der ebenfalls neuen Wohnsiedlung in die Schule einlädt. Das Konzept ist neu und innovativ und soll auch im Gebäude selbst sichtbar werden. Zugleich markiert die Schule städtebaulich das Entrée zu einem neuen Wohnquartier und wird dadurch zusätzlich an Bedeutung gewinnen.
Zielsetzung des Wettbewerbs war, durch die Kunst am Bau gesellschaftliche, kulturelle oder historische Themen aufzugreifen und das Gebäude sowie seine verschiedenen Funktionen zu kontextualisieren. Dabei konnte z.B. eine Rolle spielen, wie das Bauwerk in das urbane Umfeld eingebettet ist oder wie soziale und gesellschaftliche Zusammenhänge durch die besondere Nutzung des Standortes gestärkt werden.
Künstlerische Forschung als Methodik der Entwurfsentwicklung konnte sich auf das Gebäude selbst, sein städtebauliches Umfeld, die Historie der Garteninsel oder auf die Schule als Ort des Lernens, der Wissensproduktion und der sozialen Interaktion beziehen. Dabei konnten ortsbezogene Themen mit übergeordneten gesellschaftlichen, sozialen oder kulturellen Fragestellungen verknüpft werden.
Teilnehmende Künstler*innen
/ Martin Binder
/ Zuzanna Czebatul
/ Roland Fuhrmann
/ Dagmara Genda
/ Stephan Kurr
/ Marion Orfila
/ Pfelder
/ Judith Seng
/ Studio KIM / ILLI
/ Anna Witt (Wettbewerbsgewinn)
Den Wettbewerb gewonnen hat die Künstlerin Anna Witt mit ihrer Arbeit „Späne im Getriebe“. Der zweiteilige Beitrag thematisiert und untersucht Formen des Widerstands im Kontext des ehemaligen Produktionsstandorts Gartenfeld und setzt sich mit der Geschichte der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus auseinander.
Die Arbeit umfasst eine großformatige Bodenarbeit im Erdgeschoss der Schule sowie einen Beitrag zur künstlerischen Forschung, der der Geschichte der Zwangsarbeit vor Ort nachgeht.
Die Insel Gartenfeld in Berlin-Siemensstadt war seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein zentraler Industriestandort der Siemens-Werke. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion zunehmend in die Rüstungswirtschaft eingebunden. Ab 1942 kamen in diesem Zusammenhang auch Zwangsarbeiter*innen zum Einsatz, darunter Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück.
Unter den extremen Bedingungen der Zwangsarbeit entwickelten einige der Frauen Formen subversiven Widerstands und der Sabotage. In der Fertigung elektrischer Bauteile wurden beispielsweise minimale Fehler eingebaut – leicht beschädigte Isolierungen oder ungenau ausgeführte Verbindungen –, die zunächst unauffällig blieben, später jedoch zu Ausfällen führen konnten. Auch das Zurückhalten von Material oder Eingriffe in Maschinen und Werkzeuge konnten Produktionsabläufe stören. Solche Handlungen waren lebensgefährlich und nur durch gegenseitige Unterstützung und Solidarität möglich.
„Späne im Getriebe“ imaginiert Spuren von Arbeit und Widerstand und schafft ein vielschichtiges Gefüge aus Material, Geschichte und Gegenwart. Die Arbeit lädt die Besucher*innen dazu ein, diese Spuren zu lesen, Verbindungen herzustellen und über die Bedingungen von Handlungsmacht im eigenen Kontext nachzudenken.