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Energiesparen

25.11. Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Pressemitteilung vom 13.11.2023

Häusliche Gewalt in Spandau 40 Prozent über dem Berliner Durchschnitt – Hilfesystem völlig überlastet

Der 25. November, Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen, rückt jedes Jahr die Realität von gewaltbetroffenen Frauen in den Mittelpunkt.

Es ist eine Tatsache, dass jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erfährt.
Es ist eine Tatsache, dass jeden Tag ein Mann versucht, seine (Ex-)Partnerin zu töten.
Es ist eine Tatsache, dass jeden 3. Tag eine Frau in Deutschland durch ihren (Ex-)Partner ermordet wird.

Es ist auch eine Tatsache, dass sexualisierte Gewalt, Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Genitalverstümmelung und häusliche Gewalt vor allem Mädchen und Frauen trifft.

Diese geschlechtsspezifische Gewalt zeigt sich auf den Straßen, am Arbeitsplatz, in Nachtclubs und vor allem im eigenen Zuhause – dem statistisch gefährlichsten Ort für eine Frau.

Spandau: Der Bezirk mit der höchsten Quote häuslicher Gewalt

Spandau hat seit Jahren die berlinweit höchste Quote häuslicher Gewalt. Eine neue Studie zeigt, dass diese 40 Prozent über dem Berliner Durchschnitt liegt. Besonders stark betroffen sind die Bezirksregionen Heerstraße und Spandau Mitte.

Spandau ist nach Neukölln auch der am meisten von Armut betroffene Bezirk Berlins. Ein Zusammenhang zwischen Armut und häuslicher Gewalt besteht insofern, dass Armut das Risiko von finanzieller Abhängigkeit vom Partner erhöht und multiple Problemlagen zur Folge hat, die die Gefahr der Gewaltanwendungen erhöhen können. Dazu finden Betroffene schwerer bezahlbaren Wohnraum, sind sie dazu noch alleinerziehend, steigt die Armutsgefahr noch einmal deutlich.

Überbelastung der Spandauer Frauenprojekte

Die prekäre soziale Lage ist ein klares Indiz dafür, dass ein hoher Beratungs- und Unterstützungsbedarf besteht.
Seit Jahren gehen Belastungsanzeigen der Spandauer Frauenprojekte ein, teilweise kann Frauen in akuten Gewaltsituationen nicht rechtzeitig die nötige Unterstützung angeboten werden, da die Kapazitäten der Beraterinnen schon lange ausgereizt sind.

Daneben stehen auch die Präventionsangebote und Angebote zur Förderung der Emanzipation von Frauen gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung.

Ohne einen grundlegenden Infrastrukturaufbau und eine deutliche Aufstockung der Senatsmittel für den Anti-Gewalt-Bereich, ist in den kommenden Jahren eine weitere Erhöhung der Fallzahlen häuslicher Gewalt zu befürchten.

Umfassende Umsetzung der Istanbul Konvention in Spandau – Jetzt!

Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache, sondern eine anerkannte Verletzung der Menschenrechte, die im Kontext geschlechterspezifischer Machtverhältnisse existiert. Um diese wirksam zu bekämpfen, müssen zwar Schutzplätze und Beratungsangebote geschaffen werden, aber auch Maßnahmen getroffen werden, um geschlechtsspezifische Rollenbilder aufzubrechen, und Diskriminierungen von Frauen, Mädchen, Lesben, inter-, trans-, und nicht-binären Personen zu beenden.

Die Istanbul Konvention (Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt) ist eine rechtlich bindende Grundlage, zu dessen Umsetzung Deutschland sich vor Jahren verpflichtet hat. Es besteht demnach die Pflicht, ausreichend Prävention (Kapitel III) zu leisten und rechtliche, psychologische und psychosoziale Beratungs- und Unterstützungsangebote bereit zu stellen (Artikel 20 und 22) und zu finanzieren (Artikel 8). Schutz vor Gewalt gilt für alle: ein Verbot der Diskriminierung (Artikel 4) aufgrund u.a. der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens oder einer Behinderung wird explizit benannt.

Wir fordern eine an den Bedarfen des Bezirks ausgerichtete und gesicherte Finanzierung von Frauenprojekten und Fachberatungsstellen in Spandau, bei denen auch die (mit)betroffenen Kinder sowie die Belange mehrfachdiskriminierter Frauen, Mädchen, Lesben, inter-, trans-, und nicht-binären Personen berücksichtigt werden.

Wir fordern ausreichend barrierefreie und inklusive Schutzplätze und bezahlbaren Wohnraum.
Wir fordern Mittel zur Prävention von Gewalt.
Wir fordern die vollumfassende Umsetzung der Istanbul Konvention – in Spandau, Deutschland und Europa.