Coronavirus

Pflanzenschutzamt Aktuell: Ab sofort ist die Telefonzentrale unter der Rufnummer (030) 700006-0 nicht mehr besetzt! Anrufe können deshalb nicht entgegengenommen werden. Eine Übersicht unserer Aufgabengebiete und die Rufnummern der Mitarbeitenden finden Sie hier:

Gern können Sie uns Ihr Anliegen auch per E-Mail übermitteln. Unsere Adresse lautet pflanzenschutzamt@senuvk.berlin.de

Inhaltsspalte

Tierische Schaderreger: Großer Waldgärtner

In den letzten Jahren wurden zunehmend Großkiefern als Gestaltungselement gepflanzt. Die Verwendung von Großkiefern im Stadtgrün ist nicht unproblematisch, da sie besonders während der ersten Standjahre durch den Befall mit Borkenkäfern gefährdet sind und absterben können. Vor allem Neupflanzungen in der Nähe von Altbäumen und in Waldrandlagen sind häufig von einem Befall betroffen. Ebenso hat der Witterungsverlauf der letzten Jahre die Entwicklung von Borkenkäfern äußerst begünstigt. Sie treten in bzw. nach warmen / heißen Trockenphasen/-jahren bevorzugt auf.

Weitere Informationen

Merkblatt Stammschädlinge

PDF-Dokument (1.3 MB)

Lebensweise

Bildvergrößerung: Lebenszyklus der Großen Waldgärtner
Lebenszyklus der Großen Waldgärtner
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Lebenszyklus der Großen Waldgärtner

PDF-Dokument (381.6 kB)

Großer Waldgärtner – Tomicus piniperda

  • Vorkommen:

    Kiefer

  • Überwinterung:

    als Käfer in der Bodenstreu oder in der Borke in Überwinterungsgängen

  • Flugzeit (1. Generation):

    Ende März/Anfang April bis in den Mai, Flugbeginn ab einer Durchschnittstemperatur von ca. 10 °C am Tag

  • Eiablage:

    • Käfer bohren sich in den Stamm
    • Begattung in der Rammelkammer
    • Eiablage rechts u. links des Ganges in Einischen
  • Larvenfraß:

    • unter der Rinde – typisches Brutbild
    • ca. 50 bis 80 Larvengänge pro Muttergang
  • Verpuppung:

    • am Ende der Larvengänge
    • Puppenwiegen in der Rinde
  • Ausbohrlöcher:

    Jungkäfer fressen sich durch die Rinde

  • Reifungsfraß:

    • im Mark junger Triebe
    • Mitte Juni bis Juli in den Kronen
    • August bis September (Geschwisterbruten)
  • Entwicklungsdauer:

    7 bis 9 Wochen, je nach Witterung

  • Regenerationsfraß der Altkäfer:

    Ende Mai an ein- u. zweijährigen Trieben “Absprünge”

  • Geschwisterbruten:

    bei ca. 60% der Weibchen möglich ca. 8-10 Wochen nach der Flugzeit / 1. Eiablage der überwinternden Käfer

  • Generationen:

    eine Generation im Jahr

Besonders anfällig sind Bäume die verstärkt unter Trockenheit leiden bzw. sich noch im Umpflanzschock befinden.

Hier bohren sich die Käfer zur Paarung und Eiablage sowohl in die Stämme als auch in die Astansatzstellen im unteren Kronenbereich ein und beeinträchtigen den Wasser- und Assimilatstrom. In der Folge kann es, je nach Stärke des Befalls, zu Welkeerscheinungen in der Krone aber auch zum Absterben des gesamten Gehölzes kommen.

Erkennungsmerkmale

Von einem Befall können frisch gepflanzte Kiefern-Großbäume, kleinere Kiefernbüsche, geschwächte oder absterbende Bäume betroffen sein. Kronenverlichtungen und -missbildungen, schüttere und büschelige Triebe sowie am Boden liegende Absprünge sind die Merkmale eines Befalls. Zunächst reagiert der Baum mit Zuwachsverlusten und Verbräunungen, später dann mit partiellen Absterbeerscheinungen bis hin zum kompletten Absterben.

Hinweise für einen beginnenden Befall können neben den Kronensymptomen auch Befallsmerkmale am Stamm sein. Einbohrlöcher, Harztrichter und -fluss, Bohrmehl, abblätternde Rinde oder Spechthiebe weisen auf einen Befall mit Borkenkäfern hin.

Maßnahmen

Eine direkte Bekämpfung der Käfer ist nicht möglich. Daher sind eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung und der richtige Standort die besten Maßnahmen im Sinne des vorbeugenden Pflanzenschutzes.

Folgende Faktoren sollten möglichst vermieden werden:

  • Pflanzungen in einem Altbestand oder in die Nähe von Altbäumen dergleichen Gattung, besonders bei vorhandenem Befall
  • Nachpflanzungen in einer bereits befallenen Neupflanzung
  • schlechter Zustand der Gehölze: zu groß, überständig, von geringer Qualität, unzureichende Wurzeln
  • unvorbereitete Standorte: Verdichtungen, Vernässungen
  • Pflanzstress: Pflanzung zu ungünstigen Zeiten, zu tiefe Pflanzung
  • Wasserstress:
    • zu wenig Wasser => Austrocknung der Pflanzen vor oder nach der Pflanzung
    • zu viel Wasser => zu wenig Bodenluft, die Folge sind absterbende Wurzeln
  • Konkurrenz durch Unkrautbesatz
  • Beschädigungen am Stammgrund oder an der Wurzel durch Maschinen oder Wühlmäuse

Stammschutz

Um der Besiedlung von Borkenkäfern entgegen zu wirken, kann bei Neuanlagen und Neupflanzungen durch gewerbliche Betriebe (Garten- und Landschaftsbau, gärtnerische Dienstleitungen) eine Stammstreichung mit einem zugelassenen Insektizid durchgeführt werden. Aktuell (Dezember 2020) steht dafür nur das Präparat Karate Zeon, ZulassungsNr. 024675, mit dem Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin zur Verfügung, da die Zulassung für das Mittel Fastac Forst zum 31.07.2020 abgelaufen ist und laut Hersteller nicht wieder zugelassen wird. D.h. bis zum 31.01.2021 kann Fastac Forst noch vertrieben und bis 31.01.2022 angewendet werden. Für beide Pflanzenschutzmittel liegt eine Genehmigung nach § 17 PflSchG (Pflanzenschutzgesetz)1 für die Anwendung im Streichverfahren vor.

Vor und bei der Anwendung sind die Regelungen des Natur-, Landschafts- und Wasserschutzes zu beachten bzw. entsprechende Genehmigungen der zuständigen Behörden einzuholen, ebenso sind die Gebrauchsanleitung und die Anwendungsbestimmungen zu beachten. Soll darüber hinaus ein Stammschutz mit Baumfarbe erfolgen, dann ist die Pflanzenschutzanwendung im Streichverfahren erst nach dem Auftragen der Stammfarbe durchzuführen.

Die aktuell (Dezember 2020) zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel haben keine Zulassung im Haus- und Kleingartenbereich. Treten in diesem Bereich starke Schäden (u.a. Absterben einzelner Äste oder der Krone, beim Ablösen der Rinde, zahlreiche Ein- und Ausbohrlöchern im Stamm- und unteren Kronenbereich) auf, so ist keine erfolgreiche Bekämpfung oder Wiedererholung des Baumes mehr möglich. Bei entsprechenden Problemen im Haus- und Kleingartenbereich bitte unsere Beratung in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich ist nach der Pflanzung auf eine ausreichende Wasserversorgung zu achten. Trockene und geschwächte Gehölze werden zuerst befallen.

1 § 17 PflSchG (Pflanzenschutzgesetz): Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind

Flugverlauf

Bildvergrößerung: Flugverlauf der Waldgärtner 2020
Flugverlauf der Waldgärtner 2020
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Am Standort Köpenick, der stark von Kiefern geprägt ist, begann der Flug des Großen Waldgärtners in diesem Jahr, witterungsbeding relativ spät erst Mitte April. Weiterhin ist deutlich sichtbar, wie sich die kalten Nächte zum Zeitpunkt der Eisheiligen ausgewirkt haben. Die hohen Fangzahlen entsprechen dem Befallsgeschehen an den Kiefern, die unter den drei trockenen Jahren 2018 bis 2020 stark gelitten haben. Auch für 2021 ist mit einem starken Auftreten der Kiefernborkenkäfer zu rechnen.