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Inhaltsspalte

Konkurrenten: Mistel

Misteln breiten sich seit einigen Jahren auch im Stadtgebiet Berlin verstärkt aus. Als Ursachen werden bessere klimatische Bedingungen für die Mistel und die Mistelbeeren fressenden Vögel diskutiert. Starker Mistelbesatz führt bei bereits gestressten Bäumen zu einer vorzeitigen Vergreisung, die häufig in einer Fällung endet. Sollen die Bäume erhalten werden, werden meist zuerst die Misteln entfernt und somit auch stark in den Habitus des Baumes eingegriffen.

Die Mistel gehört zu den Halbschmarotzern und ist für ihre Entwicklung auf Wirtsbäume angewiesen. Misteln können zwar selbständig über ihre grünen Blätter Photosynthese betreiben, sind aber bezüglich der Wasser- und Nährstoffversorgung auf ihren Wirtsbaum angewiesen, dem diese Nährstoffe in der Folge fehlen. Das führt je nach Anzahl, Größe und Alter der Misteln zu einer fortschreitenden Vergreisung der Bäume. Oftmals sind es gerade die Bäume, die bereits unter Trockenheit, starker Besonnung und anderen negativen Standortbedingungen zu leiden haben. Solche Gehölze sind in ihrer Vitalität geschwächt und somit anfällig für weitere Schadorganismen (u.a. Borkenkäfer) und können nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt zur Regulierung des Stadtklimas beitragen. Desweiteren können Misteln durch ihr Gewicht zur Belastung in alten Kronen werden und zum Bruch im Kronenbereich führen.

Lebensweise

Mistel – Viscum album

  • Verbreitungsgebiet:

    Skandinavien bis Nordwestafrika u. bis zum Schwarzen u. Kaspischen Meer, bevorzugt werden milde Gebiete mit hoher Luftfeuchtigkeit

  • Wirtsbäume:

    Ahorn, Birke, Eiche, Linde, Obstgehölze, Pappel, Robinie, Rotdorn, Weide und andere

  • Ansprüche:

    Misteln sind licht- und wärmeliebend

  • Verbreitung:

    Über Samen

  • Verbreitungsweg:

    Vögel, fressen die Früchte, der klebrige Samen wird ausgeschieden und haftet an den Ästen

  • Keimung:

    Die Keimung erfolgt im Frühjahr. Mit sog. Primärsenkern dringt der Keimling in die Rinde ein. Vordergründig auf jungen Zweigen im oberen Kronenbereich

  • Entwicklung:

    langsam
    zweites Jahr: Primärblätter u. Anschwellen des Zweiges
    drittes Jahr: Vordringen der Primärsenker in die Leitungsbahnen
    viertes Jahr: Beginn der Verzweigung

  • Blütenbildung:

    nach 5 Jahren, von Februar bis Anfang April

  • Fruchtreife:

    im November / Dezember = Winternahrung von Vögeln

  • Blattfall:

    Erneuerung der Blätter nach ca. 1,5 Jahren im Spätsommer/Frühherbst

  • Alter:

    bis ca. 30 Jahre

  • Eigenschaften:

    Halbschmarotzer, d.h. über die grünen Blätter selbständige Photosynthese, Wasser- und Nährstoffversorgung über den Wirtsbaum

  • Schädigung:

    Wasser- u. Nährstoffentzug, dadurch frühe und verstärkte Vergreisung des Wirtsbaumes

Neben den Vögeln, die nur die Früchte fressen, den Samen wieder ausscheiden und somit den Mistelsamen verbreiten, u.a. Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Wacholderdrossel und Seidenschwanz, gibt es Vögel, die den Samen fressen, u.a. Blaumeise, Kleiber, Sumpfmeise und Tannenmeise. (Nierhaus-Wunderwald, D.; Lawrenz, P., 1997:
Zur Biologie der Mistel. Merkblatt für die Praxis, 28. Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt WSL. 8 p.)

Monitoring

Im Südwesten der Stadt wurden seit den 1980er Jahren Erhebungen zum Vorkommen der Misteln durchgeführt. An ausgewählten Standorten wurden u.a. an Ahorn, Baumhasel, Birke, Eberesche, Linde, Pappel, Robinie und Rotdorn die Misteln erfasst. Im Gesamtdurchschnitt zeigt sich eine deutliche Zunahme besiedelter Bäume von ca. 4 % im Jahr 1987 bis auf ca. 39 % im Jahr 2019.

Bildvergrößerung: Mistelentwicklung Bäume mit und ohne Misteln, 1987 bis 2019
Besiedlung untersuchter Straßenbäume mit Misteln, Stadtgebiet Berlin, 1987 bis 2019
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Werden nur die mit Misteln besiedelten Bäume betrachtet ist deutlich sichtbar, dass der Anteil der Bäume mit mehr als 10 Misteln stark zugenommen hat.

Bildvergrößerung: Häufigkeit der Misteln an untersuchten und besiedelten Straßenbäumen, Stadtgebiet Berlin, 1987 bis 2019
Häufigkeit der Misteln an untersuchten und besiedelten Straßenbäumen, Stadtgebiet Berlin, 1987 bis 2019
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin