Coronavirus

Pflanzenschutzamt Aktuell: Ab sofort ist die Telefonzentrale unter der Rufnummer (030) 700006-0 nicht mehr besetzt! Anrufe können deshalb nicht entgegengenommen werden. Eine Übersicht unserer Aufgabengebiete und die Rufnummern der Mitarbeitenden finden Sie hier:

Gern können Sie uns Ihr Anliegen auch per E-Mail übermitteln. Unsere Adresse lautet pflanzenschutzamt@senuvk.berlin.de

Inhaltsspalte

Tierische Schaderreger: Ungleicher Holzbohrer

Zunehmende Schäden an Laub- und Obstgehölzen durch den Ungleichen Holzbohrer wurden besonders in bzw. nach Jahren mit extremen Witterungsverläufen (Hitze, Trockenheit, Spätfröste etc.) festgestellt. Der Ungleiche Holzbohrer gehört zu den sekundär schädlichen Borkenkäfern, d.h. zunächst befällt er nur kranke und geschwächte Gehölze oder solche, die sich im Umpflanzschock befinden. Anhaltende Trockenperioden führen zum Stress und zu einer Schwächung der Bäume, die somit zu idealen Brutbäumen werden.

Lebensweise

Bildvergrößerung: Lebenszyklus der Ungleichen Holzbohrer
Lebenszyklus der Ungleichen Holzbohrer
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Lebenszyklus der Ungleichen Holzbohrer

PDF-Dokument (186.7 kB)

Ungleicher Holzbohrer - Xyleborus dispar (Anisandrus dispar)

  • Vorkommen:

    Laub- und Obstgehölze, gelegentlich auch an Pinus, Thuja u. Juniperus

  • Flugzeit:

    April/Mai, wenn die Mittagstemperaturen 18°C bis 20°C erreichen

  • Begattung:

    am Geburtsort, die Männchen sind flugunfähig

  • Brutsystem:

    das Weibchen bohrt senkrechte Eingangröhre (bis 6 cm), von der die Brutröhren abzweigen, dabei Übertragung des Ambrosiapilzes

  • Eiablage:

    in Häufchen, bis Juni, je nach voranschreitender Anlage des Brutsystems

  • Ernährung:

    vom Ambrosiapilz

  • Verpuppung:

    in den Gängen

  • Überwinterung:

    die meisten Jungkäfer überwintern im Brutsystem

  • Generation:

    einfach, in wärmeren Regionen sind 2 pro Jahr möglich

  • Symptome:

    kreisrunde Einbohrlöcher an Zweigachsen, Astquirlen und Astnarben, die senkrecht ins Holz gehen, Auswurf von feinem hellem Bohrmehl, Saftfluss

  • Schaden:

    Pilz zerstört die Zellulose, Absterbeerscheinungen je nach Stärke des Befalls

Monitoring

Der Ungleiche Holzbohrer wird seit 2004 regelmäßig an unterschiedlichen Standorten im Stadtgebiet mittels Alkoholfallen überwacht. Der Temperaturverlauf beeinflusst den Flugverlauf sehr stark. Besonders im Jahr 2010 wurde dies deutlich.

Bildvergrößerung: Auftreten der Ungleichen Holzbohrer von 2004 bis 2020 - Mittelwerte
Auftreten der Ungleichen Holzbohrer 2004 bis 2020 - Mittelwerte
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Im Vergleich der Jahre von 2004 bis 2020 wurden in diesem Jahr mit dem viertniedrigsten Fangergebnis relativ wenige Ungleiche Holzbohrer gefangen. Auffällig ist, dass stets nach einem Jahr mit einer hohen Anzahl von Käfern ein Jahr mit einer sehr niedrigen Anzahl folgt. So im Jahr 2007 insgesamt 204 Käfer gefangen, in 2008 nur 17 Käfer. Ähnliches in 2010, 2014 und 2015. Das Jahr 2019 wies mit 164 Käfern ebenfalls eine hohe Anzahl auf und 2020 wiederum nur eine geringe Zahl von Ungleichen Holzbohrer (50).

Für die Schwankungen der Fänge pro Falle sind neben dem unterschiedlichen Witterungsverlauf des Jahres bzw. Vorjahres auch der Zustand der Bäume verantwortlich und der jeweilige Standort.

Flugverlauf 2020

Bildvergrößerung: Flugverlauf des Ungleichen Holzbohrers im Berliner Stadtgebiet 2020 im Vergleich zum Mittelwert
Flugverlauf des Ungleichen Holzbohrer im Berliner Stadtgebiet 2020 im Vergleich zum Mittelwert
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Am Flugverlauf des Ungleichen Holzbohrers 2020 ist der Temperaturverlauf des Frühjahrs gut ablesbar. Mit Beginn der warmen Tage Anfang April ist ein erster Flughöhepunkt erkennbar, aber später als im Mittel der letzten Jahre. Während einer etwas kühleren Periode Mitte April kam der Flug des wärmeliebenden Käfers fast zum Erliegen. Mit den anschließend wieder steigenden Temperaturen wurde der Flug dann bis Ende Mai fortgesetzt, sodass das der Schwarm der Käfer 2020 bis auf einige wenige Nachzügler, die nur an einem Standort auftraten, auf ca. 6 Wochen beschränkt war.

Flugverlauf Standort Eichkamp

Bildvergrößerung: Auftreten des Ungleichen Holzbohrer am Standort Eichkamp 2020 im Vergleich zum Mittelwert
Auftreten des Ungleichen Holzbohrer am Standort Eichkamp 2020 im Vergleich zum Mittelwert
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

In der Regel können die Ungleichen Holzbohrer bereits ab Ende März (bei Tagestemperaturen ab 18 °C/20 °C) fliegen. Im Jahr 2020 flogen die Käfer am Waldstandort Eichkamp ca. eine Woche früher als auf den anderen Standorten, aber auch länger, bis ca. Mitte Juni. Wie auch in den vergangenen Jahren konnten immer wieder „Nachzügler“ im Juli / August festgestellt werden. Im Vergleich zum Mittelwert aus allen Standorten ist deutlich sichtbar, dass die Hauptschwarmzeit ca. 1 Woche früher begann und ca. drei Wochen länger anhielt. Der Standort selbst mildert Witterungsschwankungen ab, so dass sich kühle Temperaturen weniger stark auf das Schwarmverhalten auswirken.