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Tierische Schaderreger: Maulbeerschildlaus

Die Maulbeerschildlaus Pseudaulacaspis pentagona stammt aus Ostasien und hat ein breites Wirtsspektrum von ca. 120 Wirtspflanzen, u.a. Ahorn, Eiche, Esche, Flieder, Linde, Maulbeere, Robinie, Schnurrbaum, Walnuss, Trompetenbaum, ebenfalls an Obstgehölzen, Beerensträuchern (u.a. Roter u. Schwarzer Johannisbeere) und Ziergehölzen wie Bartblume, Kirschlorbeer und Zierjohannisbeeren.

1964 wurde sie erstmalig in Deutschland nachgewiesen. Ab Anfang der Jahrtausendwende breitete sich diese wärmeliebende Schildlausart stärker aus. Zunächst verstärkt im süddeutschen Raum, ab Mitte der 2000er Jahre erfolgte die Ausbreitung nach Norden und Nordosten. 2017 trat sie an Neupflanzungen an Schnurbäumen im Berliner Stadtgebiet auf. Es wurde zwar bereits 2013 an einigen gelieferten Trompetenbäumen in einer Berliner Baumschule ein Befall festgestellt, der jedoch durch Eliminierung der Bäume getilgt wurde.

Die Maulbeerschildlaus kann durch ihre Saugtätigkeit bei entsprechend starken Befall zum Absterben der Bäume führen. Sie saugt an der dünnen Rinde im Stamm und Starkastbereich, verursacht dort Nekrosen, was zu starken Assimilationsverlusten führt. Die Folge sind Wachstumsbeeinträchtigungen, die zu Ausfällen an den Wirtsbäumen führen können und eine Neupflanzung erforderlich machen. Sichtbares Merkmal eines starken Befalls ist, dass die Rinde an Ästen und Stämmen durch das Auftreten der Schildläuse wie gekalkt wirkt.

Lebensweise

Bildvergrößerung: Lebenszyklus der Maulbeerschildlaus
Lebenszyklus der Maulbeerschildläuse
Bild: LTZ Augustenberg, modifiziert nach Berliner Erhebungen

Lebenszyklus der Maulbeerschildläuse

PDF-Dokument (220.1 kB) Dokument: LTZ Augustenberg, modifiziert nach Berliner Erhebungen

Maulbeerschildlaus – Pseudaulacaspis pentagona

  • Vorkommen:

    Morus, Prunus, aber auch Acer, Aesculus, Catalpa, Fraxinus, Quercus, Robinia, Salix, Sophora, Syringae, Tilia, Ulmus u.v.a.

  • Eiablage:

    im Frühjahr, Ende April/Anfang Mai 100 – 150 Stück, unter dem Schild
    gelbliche Eier sind weiblich, weißliche Eier sind männlich

  • Larvenschlupf:

    nach 2-3 Wochen (bei warmer Witterung auch schon nach ca. 5 Tagen),
    ab ca. Mitte Mai

  • Larvenentwicklung:

    ca. 0,2 mm groß
    weibliche Larven wandern um sich festzusetzen,
    männliche Larven bleiben in der Nähe des mütterlichen Schildes

  • Larvenstadien:

    drei bis vier Stadien
    Weibliche: zwei bis zur Geschlechtsreife
    Männliche: ab zweiter Häutung Ausbildung des Schildes, nach drei weiteren Schwarmflug

  • Aussehen Weibchen:

    gelblich-weißes, rundovales Schild, ca. 2 bis 2,5 mm Durchmesser

  • Aussehen Männchen:

    weißes, längliches Schild mit Wachs überzogen, 1 bis 1,5 mm Länge

  • Schwarmflug erste Generation:

    Mitte Juni/Anfang Juli, Männchen geflügelt, weibliche Pheromone locken

  • Schwarmflug zweite Generation:

    je nach Witterung ab Mitte August bis Anfang Oktober

  • Überwinterung:

    befruchtete Weibchen der zweiten Generation überwintern am Holz

  • Schaden:

    starke Saugtätigkeit an Rinden, Blattstielen und Blättern
    Abgabe von Toxinen im Speichel führt zur Schädigung von Pflanzengewebe
    Welkeerscheinungen, gestörter Kronenaufbau
    starkbefallene Äste oder Triebe kümmern und sterben schließlich ab

  • Ausbreitung:

    natürliche Wanderung weibliche Crawler, bevor sie sich festsetzen
    Wind und andere Tiere

Befallsverlauf im Frühjahr / Frühsommer

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Maßnahmen

Mechanische Maßnahmen:

Bürsten und Hochdruckreiniger werden häufig zur Reduktion der Maulbeerschildläuse empfohlen. Problematisch sind neben dem hohen Arbeitsaufwand auch mögliche Schäden an der Rinde. Ein vorsichtiger Bürsteneinsatz ist allenfalls bei einem geringen Befall einzelner Gehölze zielführend.
Bei starkem Befall kann bei jungen, vitalen Bäumen mit einem Rückschnitt der Befall reduziert werden.

Chemische Maßnahmen:

Eine Bekämpfung der Schildläuse kann, je nach Standort mit ölhaltigen Pflanzenschutzmitteln erfolgen. Jedoch ist die Bekämpfung der ausgewachsenen Weibchen sehr schwierig und mit einer Winter- oder Austriebsspritzung kann kein ausreichender Erfolg erzielt werden, zumal ihre Anwendung im öffentlichen Grün oftmals problematisch sein kann.
Präparate um die empfindlichen Larvenstadien (Crawler) an den Stämmen zu bekämpfen stehen im öffentlichen Grün nicht zur Verfügung.

Reduktion durch Einsatz von Nützlingen

Zur Herstellung eines natürlichen Gleichgewichtes können Nützlinge und Antagonisten angesiedelt werden.
Im Rahmen eines Pilotprojektes wurden im Berliner Stadtgebiet unterschiedliche Nützlinge ausgebracht und in regelmäßigen Kontrollen wurde ihre Entwicklung und Etablierung dokumentiert, u.a. die Marienkäferart Cybocephalus sp. sowie Rhyzobius l.. Darüber hinaus wurden auch zugewanderte Käfer angetroffen. Larven und Käfer von Harmonia axyrides und Chilocurus bipustualtus wurden an allen Standorten in größerer Stückzahl gefunden. Im Fazit konnte festgestellt werden, dass eingesetzte und zugewanderte Käfer-Arten die Populationsentwicklung der Maulbeerschildlaus kontrollieren können.