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Tierische Schaderreger: Buchsbaumzünsler

v.l.n.r.: Anfangsbefall, der leicht zu übersehen ist, "zerfaserte" Blätter, ausgefressene Blätter
v.l.n.r.: Anfangsbefall, der leicht zu übersehen ist, "zerfaserte" Blätter, ausgefressene Blätter
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Der Buchsbaumzünsler tritt seit 2017 flächig im Stadtgebiet Berlin auf und Buchsbaumbestände zeigen je nach Befall entsprechende Fraßschäden durch die Raupen des Buchsbaumzünsler.

Der Anfangsbefall (obere Abbildungen) wird sehr häufig übersehen und somit können sich die Raupen ungestört weiter entwickeln. Erst mit dem Fraß der älteren Raupen wird der Schaden sichtbar und für mögliche Bekämpfungsmaßnahmen ist es dann meist zu spät, zumal der Schaden dann schon gesetzt ist.

Weitere Informationen

Merkblatt Buchsbaumzünsler

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Lebensweise

Bildvergrößerung: Lebenszyklus der Buchsbaumzünsler
Lebenszyklus der Buchsbaumzünsler
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Lebenszyklus der Buchsbaumzünsler

PDF-Dokument (205.7 kB)

Buchsbaumzünsler – Cydalima perspectabilis

  • Vorkommen:

    Buchsbaumarten

  • Überwinterung:

    als Jungraupe im Gespinst zwischen Blättern

  • Raupenfraß:

    möglich ab ca. Ende März/Anfang April (Temperaturen ab ca. 12 °C)

  • Verpuppung:

    ab Ende Mai / Anfang Juni bis Anfang Juli

  • Flugzeit der überwinternden Generation:

    ab Anfang / Mitte Juni bis (in Abhängigkeit von der Witterung) bis Mitte Juli

  • Eigelege:

    ab Anfang Juli bis Anfang/Mitte August

  • Jungraupen:

    ab Mitte Juli bis Ende August

  • Ältere Raupen:

    ab Ende Juli bis Mitte September

  • Puppenstadium:

    ab Mitte August bis Mitte/Ende September

  • Flugzeit der Sommergeneration:

    ab Ende Juli / Anfang August bis Mitte September

  • Eigelege:

    ab Mitte September bis Mitte Oktober

  • Jungraupen:

    ab Anfang Oktober

  • Überwinterung:

    ab Anfang Oktober als ca. 4 mm lange Larve (L3/L4), im Gespinst zwischen Blättern

  • Symptome:

    Fensterfraß an der Blattunterseite, “zusammengesponnene Blätter”, Blattfraß, helle Blätter, Gespinste, Kot

Eine sich unbemerkt aufbauende Population des Buchsbaumzünslers kann zu sehr starken Fraßschäden am Buchsbaum führen. Der Bux treibt zwar wieder aus, wird aber häufig durch die darauffolgende Raupengeneration erneut stark geschädigt, so dass die Pflanzen anschließend entfernt werden.

Gelingt es durch frühzeitige Kontrollen den Anfangsbefall festzustellen, so ist es möglich den Bestand durch gezielte Maßnahmen zu erhalten. Dazu können neben den mechanischen Maßnahmen, wie einem frühen Schnitt und dem Absammeln von großen Raupen und Puppen, auch Pflanzenschutzanwendungen gehören.

Überwachung des Flugverlaufes:

Über den Beginn, das Ende des Flugverlaufes und die Anzahl der Falter kann die Stärke des Befalls und der optimale Zeitpunkt für chemische Bekämpfungsmaßnahmen ermittelt werden.

Dazu wird eine Lockstofffalle mit einem entsprechenden Lockstoff (Pheromon) vor dem Flug der Falter (Mitte Juni und Ende August) in einem Buchsbaumbestand aufgehängt.

Maßnahmen

Optimale Vorgehensweise bei Befall:

  • Dauerhafte Kontrolle der Bestände zur Erfassung der Befallsstärke
    • auf erste Fraßsymptome bereits im zeitigen Frühjahr
    • ggf. Absammeln der älteren Raupen / Puppen
  • Frühzeitiger Schnitt zur Entfernung der überwinternden Jungraupen bis spätestens Ende Mai
    • Schnittgut nicht im Bestand lassen
    • Kontrolle des Bodens auf herabgefallene Raupen
  • Überwachung des Buchsbaumbestandes mit Pheromonfallen ab Mitte Juni
  • u.a. Behandlung der Jungraupen mit biologischen Präparaten:
    • Bacillus thurigiensis spp. kurstaki Stamm ABTS 351
    • Bacillus thurigiensis spp. aizawai Stamm GC-91 (BT)
  • ggf. weitere Pflanzenschutzmaßnahmen nach Beratung mit dem zuständigen Pflanzenschutzdienst

Optimaler Anwendungszeitpunkt von Pflanzenschutzmitteln:

Die Präparate wirken nur auf die Raupenstadien. Eine Bekämpfung ist dann am erfolgreichsten, wenn sich zum Zeitpunkt der Behandlung die Raupen noch in den ersten Raupenstadien befinden (Abb. Raupenstadien, mittlere Raupe). Dieses Stadium erreichen die Raupen in der Regel in der zweiten Aprilhälfte / Anfang Mai und je nach Witterung ab Anfang August. Zu diesen Zeitpunkten können BT-Präparate eingesetzt werden. Bei älteren Raupenstadien müssen dann für eine ausreichende Wirkung andere Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Hier kann die Beratung der Pflanzenschutzdienste hilfreich sein.

Kriterien zur geeigneten Auswahl der Pflanzenschutzmittel:

  • Die Pflanzenschutzmittel wirken nur gegen die Raupen, deshalb sind Terminspritzungen notwendig.
  • Es können nur Pflanzenschutzmittel gegen beißende Insekten, Schmetterlingsraupen oder freifressende Schmetterlingsraupen eingesetzt werden.
  • Je nach Art der Fläche dürfen nur die Mittel eingesetzt werden, die für die jeweilige Fläche zugelassen bzw. genehmigt sind (öffentliche Flächen (§17) / Haus- u. Kleingarten).
  • Die in der Gebrauchsanleitung angegebenen Auflagen und Anwendungsbestimmungen sind einzuhalten.
  • Die Regelungen des Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzes sind einzuhalten. Genehmigungen der verantwortlichen Behörden können notwendig sein.

Aktuell (Stand Januar 2020) zugelassene Wirkstoffe sind:

  • Bacillus thurigiensis spp.
  • Azadirachtin
  • Acetamiprid
  • Pyrethrine+Abamectin
  • in Ausnahmefällen (nach Beratung) Lambda-Cyhalothrin

Bekämpfungsmaßnahmen und zugelassene Mittel

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Monitoring

Erstmalig trat der Buchsbaumzünsler 2014 als Einzelfund im Stadtgebiet auf. Stärkerer Befall wurde 2016 aus angrenzenden Gemeinden (Kleinmachnow, Teltow, Potsdam-Babelsberg) im Südwesten Berlins gemeldet. Somit wurde für das folgende Jahr ein verstärktes Auftreten im Stadtgebiet erwartet. 2017 konnte auch ein flächendeckender Befall im gesamten Stadtgebiet festgestellt werden, zunächst noch mit moderaten Fraßschäden. Einige wertvolle Buchsbaumbestände wurden schon 2017 mit Pheromonfallen bestückt, um differenzierte Bekämpfungstrategien abzuleiten.

Zur Feststellung der Befallsstärke wurden ab 2018 frühzeitig, vor Beginn des Falterfluges, an unterschiedlichen Standorten Pheromonfallen ausgebracht und regelmäßig kontrolliert.

Flugverlauf 2020

Bildvergrößerung: Flugverlauf des Buchsbaumzünslers 2020 im Vergleich mit dem Mittel
Flugverlauf des Buchsbaumzünslers 2020 im Vergleich mit dem Mittel
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

2020 begann der Falterflug der Buchsbaumzünsler erst sehr spät Ende Juni. Die kühlen Nächte um den Zeitpunkt der Schafskälte (zwischen dem 05. Und 08. Juni) verzögerten den Flug des wärmeliebenden Falters. Ende Juli bis Anfang August kam der Falterflug zu erliegen. Erst ab 19. August konnten wieder nennenswerte Falterzahlen festgestellt werden. Der Flughöhepunkt der Sommergeneration erstreckte sich von Ende August bis Mitte September. Die Falter flogen bis in die erste Oktoberwoche.

Bildvergrößerung: Flugverlauf des Buchsbaumzünslers 2018 bis 2020
Flugverlauf des Buchsbaumzünslers 2018 bis 2020
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Im Vergleich der Jahre 2018 bis 2020 zeigt sich sehr deutlich die Abhängigkeit des Falterfluges von der jeweiligen Witterung des Jahres. Alle drei Jahre waren überaus warm und zu trocken. Aber entscheidend für den Flug der Buchsbaumzünsler sind gleichbleibend warme Temperaturen, auch in der Nacht. Auffällig ist, dass sich der Beginn des Fluges von erstmals Anfang Juni (2018) um vier Wochen zum Ende des Monats verschoben hat. Ebenso der Beginn der Sommergeneration von der 30. KW (ca. 22. Juli) auf die 32. KW (ca. 05. August). Das Auftreten im Herbst wird nur begünstigt bei entsprechenden Temperaturen um 20 °C.

Bildvergrößerung: Auftreten des Buchsbaumzünslers am Standort Berlin-Britz 2018 bis 2020
Auftreten des Buchsbaumzünslers am Standort Berlin-Britz 2018 bis 2020
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

An den Falterfängen am Standort Berlin-Britz sind die Unterschiede im Beginn noch deutlicher erkennbar.

2019 und 2020 erstreckte sich der Flug der überwinternden Generation nur über drei Wochen, wohingegen im Jahr 2018 der Flug zwei Wochen länger andauerte, bereits ab Anfang Juni. Der Sommerflug begann in allen Jahren zum gleichen Zeitpunkt Anfang August in unterschiedlicher Intensität und verlief bis Anfang September. Die sehr deutlichen Flughöhepunkt lagen 2019 Anfang September und 2020 Ende August. 2018 endete der Falterflug Anfang September, 2019 wurden bis Mitte September Falter gefangen (ein paar Nachzügler auch später), also zwei Wochen länger, so endete der Falterflug 2020 erst Anfang Oktober.