Vitalisierung von Linden an streusalzbelasteten Standorten durch gezielte Düngung

Abb. 1- 3: Schäden an Linde und Ahorn durch Auftausalz
Abb. 1- 3: Schäden an Linde und Ahorn durch Auftausalz
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Die Anwendung von Auftausalzen im Rahmen des differenzierten Winterdienstes ist zur Sicherung des öffentlichen Lebens in Berlin notwendig. Auf den Straßen wird vorwiegend Natriumchlorid (NaCl) eingesetzt. Natriumchlorid verursacht jedoch ab einer bestimmten Konzentration an Bäumen gattungsspezifisch unterschiedlich starke phytotoxische Schäden. Diese sind besonders an Bäumen in unmittelbarer Fahrbahnnähe gesalzener Straßen ausgeprägt. Trockene Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt des Laubaustriebs verstärken die Aufnahme von NaCl, was sich wiederum in der Intensität und des Zeitpunkts des Auftretens der Symptome (s. Abb. 1 – 3.) widerspiegelt. Dies war insbesondere in den Jahren 2014 und 2015 auffällig. In der Folge führt eine wiederholt verstärkte Aufnahme von NaCl zu vorzeitigen Vergreisungserscheinungen im System Baum wie z. B. verstärkte Kurztriebbildung, vermehrte Totholzbildung sowie lichteren Kronen. Darüber hinaus kommt es an vielen streusalzbelasteten Standorten, welche meist ohnehin schon ein geringes Nährstoffangebot aufweisen, durch NaCl zu einer Verschiebung der Nährstoffaufnahme durch Kationenaustausch – allen voran Kalium – und Magnesium Ionen.

Im Rahmen eines gemeinsamen Versuches des Pflanzenschutzamtes Berlin mit dem Straßen- und Grünflächenamt Neukölln, der Fa. ARBORrevital, der Fa. COMPO expert und den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR) sollen praktikable Lösungswege getestet werden, um den negativen Auswirkungen von Auftausalzen auf Straßenbäume zu begegnen. Zentrale Fragestellung ist hierbei, inwieweit sich die negativen Auswirkungen von Schadionen (NaCl) des Taumitteleintrags an Straßenbäumen durch die gezielte Gabe von antagonistischen Nährelementen (Kalium, Magnesium) und durch die bedarfsgerechte Sensoren gestützte Wasserversorgung über drei Vegetationsperioden mindern lassen.

Methodik

Der Freilandversuch findet im Berliner Bezirk Neukölln im Mittelstreifen des Tempelhofer Wegs statt (Abb. 4). Die dort gepflanzten Linden (Tilia sp.) stehen durchschnittlich im 25. Standjahr und weisen z. T. deutliche Vergreisungserscheinungen auf. Auf dem in zwei Abschnitte (nördlich und südlich der Gradestraße) unterteilten Standort wurden insgesamt drei Versuchsvarianten (Unbehandelte Kontrollvariante – UK, Düngervariante – DüV und Wasservariante – WaV) à 15 Wiederholungen angelegt, welche in Dreierblöcken nahezu randomisiert konzipiert sind.

Bei der 1. Variante (UK) werden keine Veränderungen im Wasser- und Nährstoffhaushalt durchgeführt. Lediglich Gießmulden wurden analog zu den beiden weiteren Varianten angelegt (Abb. 5).

Bei der 2. Variante (DüV) wurden Gießmulden angelegt, um im zeitigen Frühjahr Nährstoffe in granulierter Form und Wasser zu applizieren. Der eingebrachte Dünger (Abb. 6) ist ein kalibetonter Volldünger (9+5+20 (+4)). Mit Hilfe der angelegten Gießringe wurden direkt nach der Düngergabe 500 Liter Wasser pro Baum ausgebracht, um den Dünger zu lösen (Abb. 7).

Für die 3. Variante (WaV) wurden Gießmulden angelegt und zeitgleich mit der Gabe des Düngers in der Variante DüV die gleiche Gabe Gießwasser (500 Liter), jedoch ohne Dünger verabreicht.

Zusätzlich wurden an sechs Standorten Bodenfeuchtemessgeräte (Tensiometer) in zwei Bodentiefen zwecks Überwachung des Wasserhaushaltes der unterschiedlichen Varianten eingebaut. Diese dienen als Marker für weitere Bewässerungsgänge im Jahresverlauf. Sowohl die Applikation von Nährstoffen im zeitigen Frühjahr, als auch die sensorengestützte, zusätzliche Bewässerung über die Vegetationsperiode, werden in den Jahren 2017 und 2018 identisch wiederholt.

Der Versuch ist auf sieben Jahre angelegt und in zwei Phasen unterteilt. Erste Ergebnisse werden nach Ablauf der Phase 1 Ende 2018 erwartet. In den darauffolgenden Jahren wird die weitere Vitalitätsentwicklung der Bäume verfolgt. Eine zusätzliche Applikation von Wasser und Dünger soll hingegen nicht mehr stattfinden. Die Betreuung des Feldversuchs erfolgt durch das Pflanzenschutzamt Berlin, dem Straßen- und Grünflächenamt Neukölln sowie der Fa. ARBORrevital.