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Inhaltsspalte

Wurzelraumerschließung von Straßenbäumen

Einleitung

Bildvergrößerung: Untersuchungsstandort (Pfeil) am Columbiadamm in Berlin-Neukölln
Abb. 1: Untersuchungsstandort (Pfeil) am Columbiadamm in Berlin-Neukölln
Bild: Pflanzenschutzamt Berlin

Im Zuge von Hochbaumaßnahmen am Columbiadamm in Berlin-Neukölln musste eine 2008 im Straßenland gepflanzte Resista-Ulmen `New Horizon´ gefällt werden (Abb. 1). Somit bot sich die Gelegenheit zur Begutachtung der bisherigen Wachstumsleistung des Baumes am Endstandort anhand des Stammzuwachs. Außerdem konnten das Wurzelwachstum und die Erschließung des Wurzelraumes durch Absaugen des Substrats und anstehenden Bodens begutachtet werden. Hierzu wurde bei dem gefällten Baum (Nr. 122) die Wurzelraumerschließung exemplarisch dokumentiert.

Material und Methoden

Die Pflanzgrube fasste rund 6 m³ Rotgrand Compact Substrat mit den Maßen 4,0 m x 1,5 m x 1,0 m. Das Absaugen des Substrats erfolgte mittels Saugbagger am 13.07.2020 lagenweise in 20-30 cm Schichten, flächig bis eine Tiefe von -80 cm, punktuell bis in -150 cm. Je nach Beschaffenheit des Untergrunds wurden feinere Wurzelbereiche in Unterstützung durch eine Druckluftlanze freigelegt (Abb. 2-4).

Zudem wurde die Wuchsleistung der Ulme anhand des Parameters Stammzuwachs erfasst. Hierzu wurde aus ca. 1,0 m Höhe eine Stammscheibe in einer Stärke von 4,0 cm entnommen. Diese wurde mit einer Exzenterschleifmaschine glattgeschliffen. Anschließend erfolgte die Erfassung der Jahrringbreiten mittels Gliedermaßstabs für die Jahre 2015 bis 2019. Um den Einfluss des standortangepassten ungleichmäßigen Dickenwachstums (Axiom der konstanten Spannung) zu reduzieren, wurde pro Jahrring die Breite des Jahrringes an vier im 90° Abstand zueinander liegenden Stellen erfasst. Hierdurch ergeben sich insgesamt vier Messwerte aus denen dann der arithmetische Mittelwert gebildet wurde.

Ergebnis

Es zeigte sich, dass der mit Baumsubstrat aufgefüllte Bereich der Pflanzgrube intensiv und bis zur Grubensohle durchwurzelt wurde (Abb. 5). Nach Erreichen der vertikalen Pflanzgrubenkante wurzelte der Baum nur noch oberflächennah im ca. 20 cm mit Substrat aufgefüllten Pflanzstreifen weiter. Der darunterliegende anstehende Sandboden wurde nahezu nicht erschlossen (Abb. 6 u.7). Eine Starkwurzel breitete sich unterhalb des in rund 0,80 m Abstand gelegenen Gehwegbords aus, zog sich jedoch nach einigen Dezimetern wieder in Richtung der Baumgrube zurück (Abb. 8).

Stammzuwachsleistung

Der jährliche, radiale Stammzuwachs der vergangenen 2015 bis 2019 betrug im Mittel rund 1,0 cm. Auffällig ist jedoch, dass der radiale Zuwachs in diesem Zeitraum von 2015 ausgehend einen leicht rückläufigen Trend aufweist (Abb. 9). Gerade im Vergleich der Jahre 2019 zu 2018 wird eine Verringerung des Jahreszuwachses von gut 20 mm deutlich. In Anbetracht der trocken-heißen Witterungsbedingungen des Jahres 2018 mit einer Jahresniederschlagssumme von 394 mm (gemessen in Berlin-Dahlem), dürfte sich dies im sekundären Dickenwachstum der Ulme niederschlagen.

Diskussion

Es zeigt sich, dass die Verwendung von Baumsubstraten im Straßenland eine intensive Wurzelbildung fördern und somit auch das Wachstumsverhalten des Baumes positiv beeinflusst wird. Gleichwohl werden im vorliegenden Fall, wie bereits in der Vergangenheit oftmals beschrieben (u.a. Streckenbach 2012, Uehre & Herrmann 2016), auch die Grenzen der Durchwurzelung im anstehenden Boden sichtbar. Eine möglichst deutliche „Verzahnung“ zwischen Substrat und anstehendem Boden zur Vermeidung vom sog. Körnungsbruch/“Blumentopfeffekt“ sollte somit bei jeder Pflanzung erfolgen – ggf. nicht nur durch seitliches Aufreißen entlang der Pflanzgrubenwände /-sohle sondern mittels extra Durchmischung in Randbereichen von Substrat und anstehendem Boden.

Anhand des Parameters radialer Stammzuwachs der letzten 5 Jahre kann nicht abschließend geklärt werden, ob der Zuwachsrückgang ausschließlich auf das fehlende pflanzenverfügbare Bodenwasser oder auf die Grenzen des durchwurzelbaren Substrats oder ggf. aus einer Kombination mit weiteren Faktoren zurückzuführen ist. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass mit Erreichen der maximalen Durchwurzelung der Baumgrube auch eine deutliche Reduktion des Wachstums von Bäumen bis hin zur Stagnation auftreten wird.

Quellen

Streckenbach, M., 2012: urbane Böden – eine Lebensgrundlage für Gehölze?, in: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2012, Haymarket Media, Braunschweig. S. 126 ff.

Uehre, P.; Herrmann, S., 2016: Körnungsbruch durch unterschiedliche Ballen und Pflanzsubstrate?, in: DUJESIEFKEN, D. (Hrsg.): Jahrbuch der Baumpflege 2016, Haymarket Media, Braunschweig. S. 305 ff.