Integrationsbeirat

Logo Integrationsbeirat des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf
Bild: BA M-H

Der Integrationsbeirat des Bezirks Marzahn-Hellersdorf ist ein ehrenamtliches Gremium, in dem sich Mitglieder von Flüchtlings- und Migrantenorganisationen, Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung, bezirklichen Vereinen, Trägern, Institutionen und engagierte Bürgerinnen und Bürger zu Themen der Integrationspolitik austauschen und gegenseitig beraten.

Unser gemeinsames Ziel ist es, die soziale, politische und kulturelle Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger von Marzahn-Hellersdorf zu verbessern. Wir möchten die Vielfalt der hier im Bezirk lebenden Menschen, ihre Herausforderungen und Erfolge auf Augenhöhe sichtbar machen und ihre Interessen vertreten.

Wir treffen uns einmal im Monat als Plenum. Darüber hinaus finden mehrere Arbeitsgruppen statt, die sich den Themenfeldern „Vielfalt und Toleranz“, „Mehrsprachigkeit“, „Geflüchtete und Nachbarschaften“ und „Arbeit und Ausbildung“ widmen. Durch Veranstaltungen mit Expertinnen, Experten und Betroffenen sammeln wir Informationen aus den Kiezen und unterbreiten dem Bezirksamt Vorschläge für eine nachhaltige Integrationspolitik.

Termine für das Jahr 2020

Wochentag: Mittwoch
Uhrzeit: 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr

  • 05. Februar

    Rathaus Marzahn-Hellersdorf,
    Alice-Salomon-Platz 3, 12627 Berlin, Rathaussaal

  • 04. März

    Haus Babylon – Babel e.V.
    Stephan-Born-Straße 4, 12629 Berlin

  • 01. April

    Reistrommel e.V.
    Coswiger Straße 5, 12681 Berlin

  • 06. Mai

    Tagungsort wird noch bekannt gegeben

  • 03. Juni

    Veränderte Tagungszeit: 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr
    Reistrommel e.V.
    Coswiger Straße 5, 12681 Berlin

  • 02. September

    Gemeinsame Sitzung mit dem Ausschuss Integration
    Bezirkliche Informationszentrum (BIZ)
    Hellersdorfer Straße 159, 12619 Berlin

  • 07. Oktober

    Haus Babylon – Babel e.V.
    Stephan-Born-Straße 4, 12629 Berlin

  • 04. November

    Rathaus Marzahn-Hellersdorf
    Alice-Salomon-Platz 3, 12627 Berlin, Rathaussaal

  • 02. Dezember

    Gemeinsame Sitzung mit dem Frauenbeirat
    Rathaus Marzahn-Hellersdorf
    Alice-Salomon-Platz 3, 12627 Berlin, Rathaussaal

Arbeitsgruppe "Vielfalt und Tolerenz"

Beatrice Morgenthaler
Beatrice Morgenthaler
Bild: BA M-H

Beatrice Morgenthaler, Sprecherin der AG „Vielfalt und Toleranz“ des Integrationsbeirates von Marzahn-Hellersdorf, Soziologin, Verkäuferin, Dozentin für Betriebsräte für die Gewerkschaft verdi, jetzt Rentnerin. Seit 2004 Hellersdorferin. Meine drei Kinder haben an der Jules-Verne-Gesamtschule ihr Abitur gemacht. Mit dem Thema Migration habe ich mich schon im Studium beschäftigt.

Praktisch während meines ganzen Berufslebens hatte ich mit dem Thema zu tun, ebenso mit dem Thema Entwicklung der extremen Rechten.

Die AG „Vielfalt und Toleranz“ beteiligt sich seit einigen Jahren am Straßenfest ‚Schöner leben ohne Nazis am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf ‘. Bei dem Straßenfest präsentieren sich verschiedene Vereine, Initiativen, Parteien, Ämter, Gewerkschaften oder Religionsgemeinschaften, die sich aktiv dem Ziel verschrieben haben, gemeinsam ein sichtbares Zeichen gegen Ausgrenzung, Rechtsextremismus und jedwede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu setzen. Mittlerweile sind mehr als 40 Organisationen aus dem Bezirk dabei – darunter auch der Integrationsbeirat.

Seit 2018 befasst sich die AG mit der Weiterentwicklung eines interkulturellen Selbsttests für die Beschäftigten aller Abteilungen des Bezirksamtes. Dieser Test soll der Sensibilisierung dienen und verfolgt das Ziel, von einer eher bürgerfernen Verwaltungskultur zu einer bürgernahen „Willkommenskultur“ zu gelangen. Er soll aber auch als Material für Stadtteilzentren, Organisationen und Initiativen dienen, die mit dem Thema Migration zu tun haben.

Frau Morgenthaler, welche Ziele verfolgen Sie mit der Arbeitsgruppe?

„Die Arbeitsgruppe ‚Vielfalt und Toleranz‘ hat sich zum Ziel gesetzt, zur Toleranz gegenüber der Vielfalt der Menschen in unserem Bezirk beizutragen, welcher Herkunft auch immer sie sein mögen. Ich fing an, mich hier zu engagieren, als in Marzahn-Hellersdorf Aggressionen und Übergriffe gegen als fremd angesehene Menschen scheinbar nachgelassen hatten. In dieser Zeit führten wir jedoch einige qualitative Interviews durch, die eher nahelegten, dass weiterhin Anfeindungen erfahren oder auch befürchtet wurden. Wir wollten mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und ein Gefühl dafür entwickeln, welche Ängste und Sorgen bestehen und wer was braucht. Daher beschlossen wir, auf dem alljährlichen Fest ‚Schöner leben ohne Nazis‘ als Integrationsbeirat präsent zu sein. Unsere Arbeit ist heute notwendiger denn je. Es ist uns wichtig, die Vorteile von Vielfalt aufzuzeigen und über Probleme offen zu sprechen, ohne verschiedene Minderheiten gegeneinander auszuspielen, wie es rechtspopulistische Strömungen gerne versuchen.“

Weshalb engagieren Sie sich persönlich?

„In Marzahn-Hellersdorf gibt es viel Raum, sich einzubringen – auch für Menschen, die ansonsten mit Gremienarbeit nicht viel anfangen können. Hier ist Platz für Einzelne in ihrem Engagement, sei es in der praktischen Gestaltung eines Festes, sei es beim Gedenken an besondere Ereignisse oder durch die Verwirklichung von eigenen Ideen. Ich möchte Wege finden, um möglichst viele Perspektiven anzuhören und dafür zu sorgen, dass sie sich gegenseitig inspirieren.“

Arbeitsgruppe „Arbeit und Ausbildung“

Katarzyna Lasfar
Katarzyna Lasfar
Bild: Katarzyna Lasfar

Katarzyna Lasfar ist die Sprecherin der AG „Arbeit und Ausbildung“ des Integrationsbeirates von Marzahn-Hellersdorf. Sie arbeitet als Sachgebietsleiterin im Bereich Deutsch und Integration an der Volkshochschule Berlin-Mitte. 1997 kam sie aus Polen nach Deutschland, seit 2011 ist sie eine Marzahn-Hellersdorferin.

Frau Lasfar, welche Ziele verfolgen Sie mit der Arbeitsgruppe?

„Arbeit und Ausbildung sind neben dem erfolgreichen Spracherwerb der wichtigste Schlüssel zur erfolgreichen Integration. Doch besonders die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gestaltet sich weiterhin schwierig. Unsere AG „Arbeit und Ausbildung“ erfasst zunächst die aktuelle Situation in der Berufswelt. Einerseits sind viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auf der Suche nach qualifizierten Azubis und Fachkräften, andererseits wünschen sich viele Migrantinnen und Migranten eine Stelle, um in Deutschland anzukommen. Durch Expertenrunden und Besuche vor Ort informieren sich die AG-Mitglieder über die Herausforderungen und Entwicklungen im Bezirk, um dem Bezirksamt mit der nötigen Expertise beratend zur Seite zu stehen. Unser Ziel ist es, die Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten von Zugewanderten mit und ohne Fluchterfahrung im Bezirk zu erhöhen.“

Warum engagieren Sie sich persönlich?

„Das Thema Integration ist mir ein persönliches Anliegen und meine Herzensangelegenheit. Da ich selbst Migrationshintergrund habe und die Integration sowohl privat als auch im Beruflichen lebe, weiß ich, worauf es bei den integrativen Prozessen ankommt. Ich selbst wurde Teil dieser Gesellschaft und möchte gerne etwas zurückgeben. Mein Traum ist eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen allen Menschen in unserem Bezirk und darüber hinaus, egal ob mit oder ohne Migrationserfahrung.“

Arbeitsgruppe „Mehrsprachigkeit“

Estrella Betancor
Estrella Betancor
Bild: MaMis en Movimiento e.V.

Estrella Betancor, Sprecherin der AG „Mehrsprachigkeit“ des Integrationsbeirates von Marzahn-Hellersdorf, kommt aus Spanien und hat ihr Studium in Tourismuswirtschaft und Umweltmanagement absolviert. Seit 2005 ist sie Marzahn-Hellersdorferin und als Koordinatorin, Projektleiterin und Künstlerin beschäftigt. Sie ist verheiratet, Mutter eines Kindes und engagiertes Mitglied von MaMis en
Movimiento e.V.

Die AG „Mehrsprachigkeit“ des Integrationsbeirates des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf wurde von Migrantenorganisationen initiiert. Sie besteht aus verschiedenen Akteuren des Bezirkes, wie Institutionen, Migrantenorganisationen, der Verwaltung und Bildungseinrichtungen. Sie arbeiten zusammen, um die mehrsprachigen Angebote für alle Familien im Bezirk zu verbessern und das Thema Mehrsprachigkeit als etwas Positives in der Entwicklung unseres Bezirkes zu betrachten. Die AG trifft sich regelmäßig einmal im Monat im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf und ist offen für alle Interessierten.

Frau Betancor, welche Ziele verfolgen Sie mit der Arbeitsgruppe?

„Identität und Sprache sind eng verbunden miteinander. Durch die Sprache bekommt man Geschichte, Erfahrungen, Werte, Wissen oder Traditionen vermittelt, sei es aus der einen oder der anderen Kultur. Jede Sprache birgt eine eigene Perspektive, die bereichernd sein kann. In Marzahn-Hellersdorf widmen sich mehrere Migrantenorganisationen dem Thema Mehrsprachigkeit. Sie zeigen, dass Migrantinnen und Migranten viel Wert auf die sprachliche Förderung ihrer Kinder legen, denn Fremdsprachenkenntnisse sind eine wertvolle Chance. Daher ist es sehr wichtig, die Beratung und die Angebote in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen aufzubauen.

Tagtäglich erbringt die öffentliche Verwaltung verschiedene Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger. Im Sinne einer bürgernahen Verwaltung ist es daher wünschenswert, wenn ihnen mehrsprachige Angebote zur Verfügung stehen. Deutsch ist die offizielle Amtssprache – und das ist auch gut so. Neben den deutschsprachigen Formularen wünschen wir uns Ratgeber und Ausfüllhilfen in anderen Sprachen, um Bürger und Bürgerinnen, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen. In der Arbeitsgruppe erfassen wir den Bedarf und analysieren, was schon vorhanden ist und wo es noch hakt. Neben der interkulturellen Öffnung der Verwaltung spielt Mehrsprachigkeit auch bei der Personalrekrutierung eine Rolle. Um insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst zu gewinnen, sollten ihre vorhandenen Fremdsprachenkenntnisse als wertvolle Ressource angesehen werden.“

Weshalb engagieren Sie sich persönlich?

„Auf persönlicher Ebene kann ich die Bedeutung von Sprachen als Vermittler von Kultur, Identität, Kommunikation und Wissen bestätigen. Daher ist es notwendig, sie als wichtigen Beitrag zum kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand unserer Gesellschaft zu bewerten. Ich möchte helfen, die Familien in dieser Angelegenheit besser zu beraten und die Verwaltung und Bildungseinrichtungen Instrumente zur Verbesserung des Mehrsprachigkeitsangebots zur Verfügung zu stellen“.

Arbeitsgruppe „Geflüchtete und Nachbarschaften“

Sabine Schwarz
Sabine Schwarz
Bild: BA M-H

Sabine Schwarz, Sprecherin der AG „Geflüchtete und Nachbarschaften“ des Integrationsbeirates von Marzahn-Hellersdorf, ist von Beruf Diplom-Agrarökonomin (Timirjasew-Akademie Moskau) und hat in landwirtschaftlichen und milchverarbeitenden Betrieben in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet. Seit 1988 ist sie Marzahn-Hellersdorferin und freiberuflich als Leiterin und Koordinatorin von Projekten mit Seniorinnen, Senioren, Schulen und Kitas tätig.

Frau Schwarz ist Mitglied der Linksfraktion der Bezirksverordneten-versammlung, im „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ und im Behindertenbeirat. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und engagierte Oma zweier Enkelkinder.

Die Mitglieder in der AG bestehen aus Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, der Parteien, Beratungsstellen, dem Personal aus den Unterkünften für Geflüchtete, den Quartiersmanagementgebieten, der Koordination der Projekte „Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften“ (BENN) und von engagierten Institutionen und Trägern, die mit Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten arbeiten.

Frau Schwarz, welche Ziele verfolgen Sie mit der Arbeitsgruppe?

„Unser Bezirk hat sich in den letzten fünf Jahren unglaublich verändert. Das siehst du nicht auf den ersten Blick, obwohl auch das Straßenbild durch neue Nachbarn vielfältiger und bunter geworden ist. Sie stammen aus vielen Teilen der Welt und haben hier bei uns ein neues Zuhause gefunden. Ich wohne seit 30 Jahren hier und habe meine Nachbarschaft immer als freundlich und interessiert erlebt. Es ist aber auch so, dass sich vor allem in den 90er Jahren scheinbar ‚geschlossene Gesellschaften‘ entwickelten, die Schwierigkeiten hatten sich für Neues und zunächst Unbekanntes zu öffnen. Ich möchte nicht, dass die Zweifler gewinnen, die sagen: Integration und ‚Multikulti‘ scheitern in Deutschland, in Berlin oder einfach nur in Marzahn-Hellersdorf. Ich denke, wir können auch in unserem sich wandelnden Bezirk gute, funktionierende Nachbarschaften entwickeln, die auf Verständnis und gegenseitigem Respekt beruhen. Deshalb tragen wir Expertenwissen zusammen und besuchen Orte, an denen sich Neuberliner und Alteingesessene begegnen. Auf diese Weise erlangen wir ein Gespür für die Bedarfe des Bezirks in der Integrationsarbeit, die bei der Kommunalpolitik berücksichtigt werden, z.B. bei Anträgen für die Bezirksverordnetenversammlung.“

Weshalb engagieren Sie sich persönlich?

„Ich habe viele Jahre selbst im Ausland gelebt und weiß, wie gut Gastfreundschaft tut, wie sehr du es brauchst, nicht ständig als Fremde betrachtet zu werden, sondern als gleichberechtigte Mitbürgerin. Mich machen Ausländerhass, die Ausgrenzung und Herabwürdigung von Menschen, Vorurteile und Hass wütend. Ich weiß, dass manche meinen, das seien ganz normale menschliche Reaktionen auf Unbekanntes und auf Schwierigkeiten. Aber ich weiß auch, dass damit kein einziger Schritt gegangen werden kann, um Probleme zu lösen. In der langen Zeit meiner vielen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten haben mich meine Erfahrungen gelehrt, dass nur ein Miteinander auf Augenhöhe ein Zusammenleben in Akzeptanz und Toleranz ermöglicht. Außerdem gefallen mir die Vielfältigkeit und facettenreichen Farben. Ich freue mich darauf, unbekannte Erfahrungen zu teilen und mein Leben somit zu bereichern.“