Kleine Anfrage - KA-327/VII  

 
 
Nummer:KA-327/VIIEingang:04.04.2014
Eingereicht durch:Kern, Bernadette
Weitergabe:04.04.2014
Fraktion:Fraktion der Bündnis 90/Die GrünenFälligkeit:25.04.2014
Antwort von:BzStR WirtStadtBeantwortet:12.05.2014
Parlament:BezirksverordnetenversammlungErledigt:12.05.2014
  Erfasst:12.05.2014
  Geändert:16.04.2014
 
Betreff:Zum Zustand der Bäume und der Baumpflege im Bezirk
Anlagen:
Anfrage Frau Kern PDF-Dokument
Antwort BzStR WirtStadt PDF-Dokument
   

Kleine Anfragen Eingangstext

Jahr für Jahr wird der Baumbestand in Berlin stark reduziert und durch unsachgemäße Pflegeeingriffe nachhaltig geschädigt. Gründe sind u. a. fehlende finanzielle Mittel und der Abbau des Personals auf Bezirksebene. Wie hat sich die Situation der Bäume, besonders die der Straßenbäume, in unserem Bezirk in den Jahren 2012 und 2013 entwickelt?

 

Ich frage hierzu das Bezirksamt:

 

  1. Wie viele Straßenbäume wurden im Bezirk in den Jahren 2012 und 2013 gefällt und nachgepflanzt? Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?
     

1.1.  Wie viele dieser gepflanzten Bäume wurden jeweils in den Jahren 2012 und 2013 aus eigenen Mitteln finanziert und wie viele mit Hilfe der               Stadtbaumkampagne der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt?
 

1.2.  Wird die Gesamtzahl der Straßenbäume im Bezirk auch noch durch andere Faktoren als Fällungen und Neupflanzungen beeinflusst? Wenn ja, welche Faktoren sind das?

 

  1. Wie viele Baum-Naturdenkmäler gibt es im Bezirk?
     

2.1.              Werden diese besonders geschützten Bäume anders behandelt als andere Bäume               im Bezirk?

 

  1. Gibt es im Bezirksamt ein digitales Baumkataster und welches Produkt wird genutzt? Wie viel Prozent der Straßenbäume im Bezirk sind in diesem Kataster erfasst? Wenn noch nicht der komplette Bestand erfasst ist, wann wird die Erfassung voraussichtlich abgeschlossen sein?
     

3.1.              Werden nur Straßenbäume oder auch Bäume in Parks und Grünanlagen in das               Kataster aufgenommen? Wie viel Prozent der Bäume in Parks und Grünanlagen               sind bereits erfasst?

 

  1. Gibt es im Bezirk ein Schadmonitoring für Straßenbäume? Wie gesund oder krank - aufgeschlüsselt nach den verwendeten Schadklassen - ist der Baumbestand im Bezirk?
     

4.1.              Was sind die häufigsten Schadursachen für die Bäume im Bezirk?

 

  1. Werden Baumpflanzung, -pflege und -kontrolle im Bezirk durch das eigene Personal durchgeführt? Wenn ja, wie viele Personen umfasst das Team?

 

  1. Wie hoch ist der jährliche Etat für die gesamte Grünflächenpflege im Bezirk? Wie viel wird hiervon für Straßenbaumpflanzung und pflege verwendet?
     

6.1.              Welche zusätzlichen Mittel bzw. Personal würden jährlich benötigt, um etwaig               vorhandene Defizite bei der Straßenbaumpflanzung und -pflege auszugleichen und               das erforderliche fachliche Niveau nachhaltig zu sichern?

Kleine Anfragen Antworttext

Zu o. g. Kleinen Anfrage möchte ich Ihnen folgende Antwort geben.

 

 

Der Fachbereich Grünflächen und Friedhöfe ist für die Pflege und Erhaltung der Verkehrssicherheit der 100.155 vorhandenen Bäume verantwortlich. Diesen Aufgaben kommen wir durch den Einsatz von eigenem Personal bzw. durch Auftragsvergabe an Fachfirmen nach. Durch unsachgemäße Pflegeeingriffe ist noch kein Baum im Bezirk nachhaltig geschädigt worden.

 

Frage

1. Wie viele Straßenbäume wurden im Bezirk in den Jahren 2012 und 2013 gefällt und nachgepflanzt? Wie hoch ist die aktuelle Zahl der Straßenbäume im Bezirk?

 

2012 wurden 257  Bäume gefällt und 12  neu gepflanzt.

2013 wurden  302   Bäume gefällt und  88    neu gepflanzt.

Aus eigenen Mitteln finanziert und neu gepflanzt wurden insgesamt 92 Bäume. Mit Hilfe der Stadtbaumkampagne wurden im Frühjahr 2014, im Internet veröffentlicht, 200  Bäume im Bezirk nachgepflanzt.

Der derzeitige Straßenbaumbestand wird mit 45 583  beziffert.

Faktoren die die Gesundheit und Vitalität  der Straßenbäume negativ beeinflussen und damit die Ursache von Fällungen sind, können sein:

Sturmschäden, Verkehrsschäden, fehlendes Platzaufkommen, Aufgrabungen im Wurzelbereich, parasitäre Schäden sowie Zu- und Abgänge infolge von Widmungen bzw. Entwidmungen von öffentlichem Straßenland.

 

2. Wie viele Baumdenkmäler gibt es im Bezirk?

 

Im Bezirk Marzahn Hellersdorf sind 27 Bäume als Naturdenkmal geschützt. Diese stehen sowohl auf öffentlichen Flächen als auch auf privaten Grundstücken.

Naturdenkmale unterliegen nicht der Baumschutzverordnung, sondern der Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen in Berlin.

In Zusammenarbeit zwischen der Unteren Naturschutzbehörde und dem Fachbereich Grün werden alle Möglichkeiten zum Erhalt dieser Bäume genutzt. In diesem Zusammenhang wird auf die erfolgten Pflegeschnitte, die Kronengurtsicherung und die Stützkonstruktionen an der Linde vor der Dorfkirche Mahlsdorf verwiesen.

 

 

3. Gibt es im Bezirksamt ein digitales Baumkataster und welches Produkt wird genutzt?

    Wie viel Prozent der Straßenbäume im Bezirk sind in diesem Kataster erfasst? Wenn noch      

    nicht der komplette Bestand erfasst ist, wann wird die Erfassung voraussichtlich  

    abgeschlossen sein?

 

Für die digitale Erfassung der Daten zu den Bäumen wird gegenwärtig noch die Software d.b.g. baum der Datenbankgesellschaft mbH genutzt.

Ab 2014/2015  wird Berlin weit, das vom Senat für Stadtentwicklung einheitlich festgelegte Grünflächeninformationssystem GRIS eingeführt. Das Baumkataster ist Bestandteil dieses Systems.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind 100 Prozent aller Bäume erfasst. Schwankungen sind auf Veränderungen von Grundstückszuordnungen zurückzuführen, die nicht Tag genau erfasst werden können. Die Bäume in den Parks und Anlagen sind ebenfalls zu 100% erfasst.

 

 

4. Gibt es im Bezirk ein Schadmonitoring für Straßenbäume? Wie gesund oder krank-  

aufgeschlüsselt nach den verwendeten Schadklassen- ist der Baumbestand im Bezirk?

 

Anhand der durchgeführten Regelkontrollen, auf der Grundlage der FLL -   Baumkontrollrichtlinie 2011, wird der   Baumzustand  erfasst und eventuell erforderliche Maßnahmen eingeleitet.

Die häufigsten Schadursachen sind  bereits unter Frage 1 genannt.

Auf eigenen Baustellen gehen keine Bäume durch unsachgemäßen Umgang verloren, die erforderlichen Normen werden eingehalten zudem sind hier auch  bei den beauftragten Firmen Fachleute bei der Arbeit.

Grundsätzlich ist allerdings davon auszugehen, dass ein großer Teil insbesondere der Straßenbäume, durch eine Vielzahl von Eingriffen in ihren Lebensraum über Jahrzehnte- nicht zuletzt wegen Straßenausbau, Umbau, Rekonstruktion und der Verlegung von Grundstücksversorgungsanschlüssen- geschädigt ist. Die konkreten Ursachen lassen sich nicht ermitteln oder nur einem Grund zuordnen, die Auswirkungen der Eingriffe sind in den meisten Fällen erst deutlich später erkennbar. Ein wesentliches Problem sind die Arbeiten Dritter. Wenn Baumaßnahmen im Wurzelbereich von Bäumen dem Amt in Form von so genannten Aufgrabemeldungen oder Planverfahren bekannt gemacht werden, erfolgt die fachliche Begleitung derselben durch MitarbeiterInnen des Amtes. In vielen Fällen erfolgt diese Mitteilung aber nicht rechtzeitig, weil eine Beteiligung gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, häufig reicht eine Anzeige der Arbeiten, die oft zu spät erfolgt.

 

5. Werden Baumpflanzung,- pflege und Kontrolle durch das eigene Personal durchgeführt? Wenn ja, wie viele Personen umfasst das Team?

 

Baumpflanzung, -pflege und -kontrolle werden sowohl durch eigenes Personal durchgeführt als auch je nach Situation an entsprechende Firmen vergeben.

Angeleitet von zwei DiplomingenieurInnen sind in den beiden Baumkolonnen ab 01.06.2014 insgesamt  6 MitarbeiterInnen (4 Baumpfleger + 2 als Bodenpersonal) beschäftigt. Die Baumkontrollen werden von 3 MitarbeiterInnen auf Grundlage der hierfür geltenden Arbeitsanweisung / Baumkontrollrichtlinie durchgeführt. Kontrollen im Wert von rund 80.000 ? sind an eine Firma vergeben, unter anderem die der Bäume auf den Friedhöfen und in den Anlagen.

Baumpflanzungen erfolgen im Rahmen von Landschaftsbaumaßnahmen und durch die Pflegereviere.

Die Jungbäume werden von den Revieren gepflegt, zusätzliche Wässerungsgänge, zum Beispiel bei anhaltender Trockenheit, sind an eine Firma vergeben. Rund 1.000  Bäume werden durch eine Firma im Rahmen eines Pflegeauftrages gepflegt.

Schnittarbeiten oder Fällungen, zu deren Erledigung die technischen oder personellen Kapazitäten des Fachbereiches nicht ausreichen, werden im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets ergänzend an Fachfirmen vergeben.

 

Frage

6. Wie hoch ist der jährliche Etat für die gesamte Grünflächenpflege im Bezirk? Wie viel wird hiervon für Baumpflanzungen und -pflege verwendet?

 

Das aktuelle Gesamtjahresbudget an Sachmitteln für die Grünflächenpflege im Produktbereiches 52 in den Kapiteln 3810 und 3820 beläuft sich auf 2.640.000 ?. Geplant ist, davon  249.000 ? (9,4%) für die Pflege und Unterhaltung von Straßenbäumen zu verwenden. Im Haushaltsjahr 2013 waren es 10,4%. Das Budget für Park- und Anlagenbäume und für Baumbestandsflächen ist in den 12 Pflegeprodukten enthalten und lässt sich nicht baumbezogen ermitteln.

Allein für die Pflegeprodukte im Kapitel 3810- also ohne Friedhöfe- wurde im Rahmen des Pflege- und Entwicklungsplans für eine fach- und qualitätsgerechte Pflege der öffentlichen Grün- und Freiflächen ein notwendiges Budget in Höhe von 16,7 Mio ? und 244 Arbeitskräfte ermittelt. Zurzeit sind  in diesem Bereich lediglich 120 Dienstkräfte beschäftigt, das entspricht grade mal 49%. Bis 2020 wird sich das Personal wegen der Einsparvorgaben des Senats weiter reduzieren.

Das gutachtlich ermittelt erforderliche Budget allein für die Pflege der 45.583 Straßenbäume beträgt rund 1,42 Mio ? bei 24,5 notwendigen Arbeitskräften, weiterhin für die Pflege der 54.572 Park- und Anlagenbäume ein Budget in Höhe von 1,46 Mio ? bei notwendigen 24 Arbeitskräften und zusätzlich für die Pflege der Baumbestandsflächen ein Budget in Höhe von 1,9 Mio ? bei notwendigen 26,5 Arbeitskräften.

Der Gesamtbedarf allein für die Pflege und Unterhaltung der Bäume beträgt also 4,78 Mio ? und 75 Arbeitskräfte.

 

 

 

Christian Gräff

 
 

Legende

Ausschuss Tagesordnung Drucksache
Bezirk Aktenmappe Drucksachenlebenslauf
Fraktion Niederschrift Beschlüsse
Kommunalpolitiker Auszug Realisierung
   Anwesenheit Kleine Anfragen

Kontakt

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin

Büro der Bezirksverordnetenversammlung

Leiterin:
Anne Nentwich, BVV L

Postanschrift:
12591 Berlin