Denkmalrundgang - Marzahn Ensemble Magerviehhof

Marzahn
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Denkmalrundgang – Marzahn Ensemble Magerviehhof

Ensemble Magerviehhof - Denkmalnummer 09045525

Beilsteiner Straße
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Denkmalensemble mit drei Gesamtanlagen (1900-1903, 1905-07)
• Marzahner Chaussee 51
• Beilsteiner Straße 51/85
• Beilsteiner Straße 109
und vier konstituierenden Bestandteilen des Ensembles
• Börse, 1901-03 (Denkmalnummer 09080525)
• Verladestation, um 1910 (Denkmalnummer 09080526)
• Einfriedungen (Denkmalnummer 09080527)
• Verladerampen (Denkmalnummer 09080528)

Beilsteiner Straße 109
Denkmalnummer 09045528
Schlachthaus und Rindviehstall 1900-03
Maschinenhaus 1905-07
Gesamtanlage und Bestandteil des Ensembles Magerviehhof

Beilsteiner Straße 51/85
Denkmalnummer 09045527
Beamtenwohnhaus 1900-03
Schweinestall 1900-03
Dienstwohnhaus 1905-07
Kontorhäuschen 1905-07
neues Wolllagerhaus 20er Jahre
Gesamtanlage und Bestandteil des Ensembles Magerviehhof

Marzahner Chaussee 51
Denkmalnummer 09045526
altes Wolllagerhaus / Großer Rinderhalle 1900-03, Umbau 1930
Pförtnerhaus
Brücke
Umfassungsmauern
Auffahrtsallee
Verwaltungsgebäude und Torbauten, um 1930
Gesamtanlage und Bestandteil des Ensembles Magerviehhof

Der Magerviehhof wurde 1903 auf einem langgestreckten Areal im Winkel zwischen der Bahnlinie nach Wriezen und der Ostbahn eröffnet. Er war als ein Handelszentrum insbesondere für Magervieh, d.h. für zur Mast bestimmtes Jungvieh, aber auch für Zuchttiere, Fettvieh und Geflügel, sowie für Tierprodukte wie z.B. Wolle konzipiert worden. Die Funktionen eines Schlachthofes waren mit Ausnahme von Notschlachtungen ausdrücklich ausgeschlossen.

Von Süd nach Nord staffelten sich die Funktionseinheiten folgendermaßen hintereinander:
Haupteingang, Rindermarkt/Wollmarkt, Magerviehverwaltung, Pferdemarkt, Schweinemarkt, Handelszentrum mit Börse und Dienstwohngebäuden, dann Schafmarkt, Gänsemarkt, Seuchenhof, Maschinenhof, Kläranlage und Güterbahnhof.
Die Anlieferung der Tiere erfolgte über die westliche Gleisanlage. Hierauf wurden sie ausgeladen und in den rampenbegleitenden Buchten gesammelt, um anschließend in die Verkaufsstände im Freien oder in den Ställen westlich der Straße zum Verkauf gebracht zu werden. Nach dem Verkauf wurden die Tiere östlich der Straße in den Verladebuchten wieder gesammelt und in die Güterwagons gebracht. Ähnlich der Organisation einer Hafenanlage konnte so der Marktbetrieb ohne Überschneidungen flüssig und reibungslos ablaufen und das Risiko von Krankheitsübertragungen geringgehalten werden. Aus hygienischen Gründen lag auch der Seuchenhof mit dem Schlachthaus für Notschlachtungen ganz am Ende der Anlage, mit dem Gleisbogen als “natürlicher” Barriere zum Marktbetrieb.
Nach dem ersten Weltkrieg kam es um 1921 zu einem empfindlichen Rückgang des Viehauftriebes. Die Viehcentrale war bestrebt, das nun z.T. ungenutzte Gelände des Magerviehhofes sowie einen Teil der Gebäude an andere Nutzer als Lager- und Fabrikationsgebäude zu vermieten. Während des 2. Weltkrieges kam das Militär, insbesondere die deutsche Luftwaffe, als Mieter hinzu. 1941 befanden sich französische Kriegsgefangene auf dem Gelände.

Mit Ende des 2. Weltkrieges erfolgte die Beschlagnahmung des Geländes durch die russische Besatzungsmacht. Durch die Neubelegung der Gebäude als Lager der Besatzungstruppen, kam der Betrieb des Magerviehhofes schließlich vollkommen zum Erliegen.
Das Gelände wurde als Eigentum des Volkes dem Ministerrat der DDR, Ministerium für Nationale Verteidigung, übereignet und von der Nationalen Volksarmee (NVA) genutzt. Dies hatte zur Folge, dass es zum militärischen Sperrgebiet erklärt wurde. Der Bestand sowie einige wenige hinzugefügte Gebäude wurden vor allem zu Lagerzwecken sowie für Werkstätten für Militärfahrzeuge (insbesondere der Bereich nördlich der Börse) genutzt. Daneben wurden auf dem weitläufigen Gelände im Mai und Oktober die Militärparaden vorbereitet.

Das Gelände befindet sich heute in Privatbesitz.