Pflege in Not / echt unersetzlich

Die Fachberatungsstelle Pflege in Not bietet Beratung für Pflegebedürftige, Angehörige und Beschäftigte bei Konflikten und Gewalt in der Pflege. Das Projekt „echt unersetzlich“ ist eine niedrigschwellige Anlaufstelle für junge Pflegende. Beide Angebote arbeiten auch aufsuchend.

Ausgangslage

Pflegesituationen bringen oft Belastungen für die pflegebedürftige Person und pflegende Angehörige mit sich (Quelle: Kantar 2019). Auch beruflich Pflegende sind Herausforderungen wie Personalmangel oder einem engen Zeitplan ausgesetzt. Hieraus können Stress- und Krisensituationen entstehen. Damit wächst auch das Risiko für Überforderung, Konflikte und psychische oder physische Gewalt.

Zielsetzung

Ziel des Projekts ist es, Personen, die in Pflegesituationen Konflikte und/oder Gewalt erleben oder wahrnehmen, Möglichkeiten der Entlastung, Konfliktbewältigung sowie weiterführende Hilfe aufzuzeigen und anzubieten. Hierfür wird ein Krisentelefon zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zu persönlicher Beratung. Bei Bedarf kann auch psychologische Beratung in Anspruch genommen werden. Mit seinem Leistungsangebot trägt das Projekt dazu bei,
  • Mängel in der pflegerischen Versorgungsstruktur zu identifizieren und zu kompensieren,
  • der Überlastung der Pflegenden vorzubeugen,
  • vorhandene Unterstützungs- und Beratungsstrukturen zu erschließen und beim Zugang zu unterstützen,
  • bei konkreten Versorgungsmängeln für Abhilfe zu sorgen,
  • die Pflegequalität in häuslichen und stationären Pflegearrangements zu verbessern,
  • die „Kundenposition“ im Rahmen des Verbraucherschutzes zu stärken
  • die öffentliche und private Aufmerksamkeit für die Problematik von Gewalt im Kontext Pflege zu schärfen sowie
  • Strukturen und Prozesse im Land Berlin im Hinblick auf Gewaltschutz zu qualifizieren und weiterzuentwickeln.

Mit dem vom Projektträger verantworteten Beratungsangebot „echt unersetzlich“ steht jungen Pflegenden eine niedrigschwellige Anlaufstelle zur Verfügung.

Zielgruppe

„Pflege in Not“ richtet sich insbesondere an pflegebedürftige alte Menschen, pflegende Angehörige, Angehörige von Heimbewohnerinnen und -bewohnern, Pflegepersonal, Einrichtungsleitungen, Institutionen und Initiativen der Altenhilfe sowie Medien und andere Multiplikatoren. Auch pflegebedürftige Personen im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter und die in ihre Unterstützung und Pflege Einbezogenen zählen zur Zielgruppe. Mit dem Projekt „echt unersetzlich“ wird den spezifischen Bedarfen junger Pflegender Rechnung getragen. Das Angebot richtet sich außerdem an Eltern junger Pflegender und Fachkräfte, die sich über die Zielgruppe informieren möchten.

Tätigkeitsfelder

Schwerpunkt der Projektarbeit sind die Beratung und Begleitung aller an Pflegeprozessen Beteiligten in sich abzeichnenden und akuten Krisen oder aggressiven bzw. gewaltförmigen Pflegesituationen. Ziele sind die persönliche Stabilisierung der Betroffenen sowie die Prävention von Gewaltsituationen und deren Deeskalation. Bei Bedarf wird über Beschwerdemöglichkeiten und -wege informiert. Die Beratungsstelle bietet zusätzlich zur individuellen – persönlichen, telefonischen und videogestützten – Einzelberatung auch eine psychologische Beratung, Familiengespräche und Mediationen bei Konflikten an. Beratungen und Mediationen können bei Betroffenen zu Hause, in Pflegeeinrichtungen oder der Beratungsstelle stattfinden. In Zusammenarbeit mit den Interkulturellen Brückenbauerinnen und Brückenbauern in der Pflege sind auch mehrsprachige Tandem-Beratungen möglich.
Weitere Tätigkeitsschwerpunkte sind die Sensibilisierung für das Thema „Gewalt in der Pflege“ und die Vermittlung von Handlungsmöglichkeiten durch Informationsveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit Akteuren der pflegerischen Versorgungslandschaft im Land Berlin. Die Beratungsstelle ist u.a. aktives Mitglied im Netzwerk gewaltfreie Pflege des Landes Berlin.
Mit dem Beratungsangebot „echt unersetzlich“ steht jungen Pflegenden eine niedrigschwellige Anlaufstelle zur Verfügung. Beraten wird online sowie bei Bedarf persönlich – am Telefon, in der Beratungsstelle, aufsuchend oder über digitale Medien wie Messenger-Dienste.

Träger und Förderung durch das Land Berlin

  • Träger: Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V.
  • Förderung: Die Förderung durch das Land Berlin betrug im Jahr 2023 rund 277.000 Euro.
  • Weitere Finanzierung des Projektes durch andere Förderungen im Jahr 2023: 133.000 Euro.

Weiterführende Informationen

Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege

Abteilung Pflege