Pflege-Bezirksprofil Charlottenburg-Wilmersdorf

Mit den neu eingeführten Bezirksprofilen stellt die SenWGP erstmals bezirksspezifische Daten zur pflegerischen Versorgung in einheitlicher Form bereit.

A. Demographische Entwicklung

Indikator 1: Einwohnerinnen und Einwohner (EW) nach Altersgruppen

Tabelle 1: Einwohnerinnen und Einwohner (EW) nach Altersgruppen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 31.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Gesamtbevölkerung im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf betrug zum 31.12.2023 343.081 Einwohnerinnen und Einwohner und blieb damit nahezu unverändert (–511, 0,1 %). Die Tabelle 1 zeigt aber deutlich unterschiedliche Entwicklungen in den Altersgruppen. So wuchs die Gruppe der unter 15-Jährigen um 1.557 Personen (+4,1 %) und macht nun 11,6 % der Bevölkerung aus, wobei sie mit –2,2 Prozentpunkten etwas unter dem Berliner Durchschnitt liegt. Die Zahl der 15- bis unter 65-Jährigen blieb nahezu konstant ( 296, 0,1 %). Diese Gruppe umfasst 65,5 % der gesamten Bevölkerung des Bezirks und liegt mit –1,9 Prozentpunkten leicht unter dem Berliner Durchschnitt. Hingegen verringerte sich die Gruppe der 65- bis unter 80-Jährigen signifikant um 5.160 Personen (–8,9 %) und beträgt aktuell 15,5 % der Bevölkerung des Bezirks. Hier liegt die Abweichung mit +3,1 Prozentpunkten deutlich über dem Berliner Durchschnitt. Besonders markant ist die Zunahme hochaltriger Menschen (80 Jahre und älter) um 3.388 Personen (+15,2 %), die nun 7,5 % der Bevölkerung ausmachen, mit einer Abweichung von +1,0 Prozentpunkten vom Berliner Mittelwert.

B. Pflegebedürftige und Pflegeprävalenz

Indikator 2: Pflegebedürftige (PB) nach Altersgruppen

Tabelle 2: Pflegebedürftige (PB) gemäß SGB XI nach Altersgruppen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gab es zum 15.12.2023 insgesamt 20.085 pflegebedürftige Menschen, was einer Steigerung von 22,5 % (+3.692) im Vergleich zu 2019 entspricht. Dabei zeigt sich in allen Altersgruppen ein Anstieg der Anzahl Pflegebedürftiger. Die Gruppe „80 Jahre und älter“ verzeichnete einen signifikanten Zuwachs von +2.578 Personen (31,5 %) und bildet mit 53,6 % den größten Anteil. Demgegenüber wuchs die Gruppe der 65- bis unter 80-Jährigen deutlich geringer um 9,4 % (+513) und erreichte einen Anteil von 29,8 % der Pflegebedürftigen. Auch in den jüngeren Gruppen stiegen die Zahlen der Pflegebedürftigen: bei den unter 15 Jährigen um 50,7 % (+146) und bei den 15- bis unter 65-Jährigen um 18,7 % (+455). Sie stellen damit 2,2 % und 14,4 % der Pflegebedürftigen. Die Anteile der Altersgruppen an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen zeigt deutliche Abweichungen zum Berliner Durchschnitt. Die unter 15-Jährigen liegen um 2,2 und die 15- bis unter 65-Jährigen um 4,6 Prozentpunkte darunter, während die älteren Gruppen mit +4,1 bzw. +2,7 Prozentpunkten überdurchschnittlich vertreten sind.

Indikator 3: Altersspezifische Pflegeprävalenz

Tabelle 3: Altersspezifische Pflegeprävalenz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 3 zeigt die altersspezifische Pflegeprävalenz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sowie deren Veränderung zwischen 2019 und 2023. Insgesamt ist ein Anstieg in allen Altersgruppen zu verzeichnen. Erwartungsgemäß weisen vor allem die älteren Gruppen höhere Pflegeprävalenzen auf. Während sich die Prävalenz in den Gruppen „unter 15 Jahre“ und „15 bis unter 65 Jahre“ um 0,3 bzw. 0,2 Prozentpunkte auf 1,1 % beziehungsweise 1,3 % erhöht hat, stieg die Prävalenz in der Gruppen „65 bis unter 80 Jahre“ um 1,9 Prozentpunkte auf 11,3 % und in der Gruppe „80 Jahre und älter“ um 5,2 Prozentpunkte auf 41,9 %. Die Abweichungen vom Berliner Durchschnitt fallen in den jüngeren Altersgruppen am stärksten aus (–0,6 Prozentpunkte entsprechen einer relativen Abweichung von 35,3 % und –0,3 Prozentpunkte entsprechen relativ 19,8 %), während die Gruppe „80 Jahre und älter“ mit –1,2 Prozentpunkten (bzw. einem relativen Unterschied von 2,8 %) gering unter dem Berliner Mittelwert liegt. Diese Zahlen unterstreichen den besonders hohen Pflegebedarf in den älteren Bevölkerungsgruppen.

Indikator 4: Pflegebedürftige nach Pflegegrad

Tabelle 4: Pflegebedürftige (PB) gemäß SGB XI nach Pflegegrad (PG) im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 4 zeigt die Verteilung der Pflegebedürftigen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nach Pflegegrad sowie deren Veränderungen zwischen 2019 und 2023. Der größte Anteil Pflegebedürftiger entfällt auf Pflegegrad 2, der 40,5 % (8.130 Personen) der Gesamtzahl ausmacht und einen Anstieg um 17,7 % (+1.223) verzeichnet. Besonders auffällig ist der sprunghafte Zuwachs im Pflegegrad 1, wo die Anzahl um 100,9 % (+1.298) mehr als verdoppelt wurde und nun 12,9 % der Pflegebedürftigen ausmacht. Diese Entwicklung ist auf Änderungen im Pflegebedürftigkeitsbegriff, dem dazugehörigen Begutachtungs-Instrument sowie einer verzögerten Erfassung von Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 zurückzuführen. Auch Pflegegrad 3 zeigt mit einem Plus von 26,7 % (+1.253) einen signifikanten Anstieg, während Pflegegrad 4 mit einem Zuwachs von 19,4 % (+436) moderat zunahm. Lediglich im Pflegegrad 5 ist ein Rückgang von 5,8 % (-45) zu verzeichnen. Hinsichtlich der Abweichungen von den Werten für Gesamtberlin rangieren die meisten Werte um den Durchschnittswert aller Bezirke. Pflegegrad 2 befindet sich mit +2,0 Prozentpunkten oberhalb und Pflegegrad 4 mit -2,1 Prozentpunkten unter dem Durchschnitt.

Indikator 5: Hilfe zur Pflege

Tabelle 5: Empfängerinnen und Empfänger und Ausgaben in der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 31.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Zahl der Personen die Leistungen der Hilfe zur Pflege (HzP) im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zwischen 2019 und 2023 erhalten haben und die dabei entstandenen Ausgaben. Dabei wird deutlich, dass sich sowohl die Zahl der HzP-Empfangenden als auch die Ausgaben signifikant verändert haben. So sank die Anzahl der Empfangenden um 17,8 % (-354) und lag 2023 bei 1.635, während die Gesamtausgaben um 6,6 % (+2.289.439 €) auf rund 37,1 Mio. € stiegen. Dabei tritt ein signifikanter Unterschied auf. Die Ausgaben außerhalb von Einrichtungen nahmen um 13,2 % (+2.886.990 €) deutlich zu, während innerhalb von Einrichtungen ein Rückgang um 4,6 % (-597.552 €) verzeichnet wurde. Diese Entwicklungen stehen im Kontrast zu dem deutlichen Anstieg der Pflegebedürftigen im Bezirk (siehe auch Tabelle 2). Mögliche Einflussfaktoren für die Abnahme der HzP-Empfangenden und der damit verbundenen Ausgaben können Änderungen in der Pflegeversicherung, die sozioökonomische Situation der Pflegebedürftigen sowie die verstärkte Bearbeitung von HzP-Fällen durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) sein. Durch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, etwa die Einführung der Tariftreue oder die Inflation, führt eine Reduzierung in der Zahl der HzP-Empfangenden nicht zwangsläufig zu einer Reduktion der Ausgaben in gleicher prozentualer Höhe.

C. Pflegerische Infrastruktur

Indikator 6: Versorgung nach Einrichtungsart

Tabelle 6: Anzahl Einrichtungen und Pflege-WG nach Art der Versorgung im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 6 gibt einen Einblick in die pflegerische Infrastruktur im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und zeigt die Entwicklung verschiedener Pflegeeinrichtungsarten zwischen 2019 und 2023.
Im Jahr 2023 waren 30 vollstationäre Einrichtungen (Dauer- und Kurzzeitpflege) vorhanden, was einem Rückgang um 3 Einrichtungen beziehungsweise 9,1 % entspricht. Auch die teilstationären Einrichtungen, also Angebote in Form von Tages- und Nachtpflege, nahmen um 2 Einrichtungen ab (- 20,0 %). Insgesamt verzeichnete der stationäre Bereich damit einen Rückgang um 4 Einrichtungen (-9,8 %). Im Gegensatz dazu zeigt sich bei den alternativen Versorgungsformen ein differenziertes Bild. Die Zahl der Pflege-Wohngemeinschaften stieg leicht um 2 Einrichtungen auf 127 (+1,6 %), während die Pflege- und Betreuungsdienste entgegen dem Berliner Trend um 9 Einrichtungen auf 98 (-8,4 %) zurückgingen. Insgesamt verdeutlicht die Tabelle, dass im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf insbesondere im stationären Segment ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist, während sich im ambulanten Bereich unterschiedliche Entwicklungen zeigen.

Indikator 7: Versorgung nach Einrichtungsart und Plätze

Tabelle 7: Anzahl Plätze nach Einrichtungsart im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 7 beleuchtet die Entwicklung der Pflegeplätze im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zwischen 2019 und 2023. Insgesamt standen im Jahr 2023 2.510 stationäre Pflegeplätze zur Verfügung, was einem Rückgang von 318 Plätzen bzw. 11,2 % entspricht. Pro 100 Pflegebedürftige lagen demnach 12,5 Plätze vor. Betrachtet man die einzelnen Versorgungsformen, so sanken die Plätze in den vollstationären Einrichtungen um 285 Plätze (-10,9 %) auf 2.331, wobei im Schnitt 11,6 Plätze pro 100 Pflegebedürftige vorgehalten wurden, 2,8 Prozentpunkte unter dem Berliner Durchschnitt. Die teilstationären Plätze gingen um 33 Plätze (-15,6 %) auf 179 zurück, mit 0,9 Plätzen pro 100 Pflegebedürftige und einer deutlichen Abweichung von -0,3 im Vergleich zum Durchschnittswert aller Bezirke.
Bei den Pflege-Wohngemeinschaften erfolgte ein geringerer Rückgang um 22 Plätze ( 2,7 %) auf 799, was einer Versorgungsdichte von 4,0 Plätzen pro 100 Pflegebedürftige entspricht und 1,1 Prozentpunkte oberhalb des Berliner Durchschnitts liegt. Insgesamt zeigt sich bei allen Einrichtungsarten und Wohnformen ein Rückgang, wobei dieser bei stationären Einrichtungen größer ausfällt, als bei Pflege-Wohngemeinschaften.

Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege

Abteilung Pflege