Pflege-Bezirksprofil Mitte

Mit den neu eingeführten Bezirksprofilen stellt die SenWGP erstmals bezirksspezifische Daten zur pflegerischen Versorgung in einheitlicher Form bereit.

A. Demographische Entwicklung

Indikator 1: Einwohnerinnen und Einwohner (EW) nach Altersgruppen

Tabelle 1: Einwohnerinnen und Einwohner (EW) nach Altersgruppen im Bezirk Mitte am 31.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Gesamtbevölkerung im Bezirk Mitte betrug zum 31.12.2023 397.134 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Tabelle zeigt unterschiedliche Entwicklungen in den Altersgruppen. Besonders signifikant ist der Zuwachs in der Gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen, die um 3,5 % (+9.980) zunahm und damit 74,4 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Auffällig ist auch die starke Zunahme hochaltriger Menschen (80 Jahre und älter) um 10,8 % (+1.480). Ihr Anteil an der Bevölkerung des Bezirks lag Ende 2023 mit 3,8 % jedoch weiterhin deutlich unter dem Berliner Durchschnittswert von 6,4 %. Im Gegensatz dazu veränderte sich die Gruppe der unter 15-Jährigen lediglich marginal um –0,4 % (-206). Hinsichtlich der Abweichung vom Berliner Durchschnitt fällt neben der Gruppe der Hochaltrigen insb. die Altersgruppe der 15- bis unter 65-Jährigen ins Auge, die um 7,0 Prozentpunkte über dem Vergleichswert liegt. Insgesamt deuten diese Zahlen auf eine überwiegend erwerbsfähige und jüngere Bevölkerungsstruktur hin.

B. Pflegebedürftige und Pflegeprävalenz

Indikator 2: Pflegebedürftige (PB) nach Altersgruppen

Tabelle 2: Pflegebedürftige (PB) gemäß SGB XI nach Altersgruppen im Bezirk Mitte am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Im Bezirk Mitte gab es am 15.12.2023 insgesamt 18.407 pflegebedürftige Menschen, was einer Steigerung von 35 % (+4.770) gegenüber 2019 entspricht. In allen Altersgruppen stieg die Zahl der Pflegebedürftigen. Besonders markant ist der Anstieg bei den unter 15-jährigen Pflegebedürftigen, deren Zahl um 75,4 % (+408) zunahm. Auch die Gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen wuchs um 38,8 % (+1.528) und bildet mit 29,7 % einen bedeutsamen Anteil aller Pflegebedürftigen. Bei den 65- bis unter 80-jährigen Pflegebedürftigen erfolgte ein moderater Zuwachs von 23,1 % (+971), während die Zahl der 80-jährigen und älteren Pflegebedürftigen um 37,6 % (+1.863) zunahm.
Hinsichtlich der Abweichungen vom Berliner Durchschnitt fällt vor allem die Gruppe der 15- bis unter 65-jährigen Pflegebedürftigen auf, die um 10,8 Prozentpunkte über dem Durchschnitt liegt. Dies ist nicht die Folge einer überdurchschnittlichen altersspezifischen Pflegeprävalenz (siehe Tabelle 3), sondern kann auf die Altersstruktur der Bevölkerung des Bezirks zurückgeführt werden. Im Gegensatz dazu weist die Gruppe der 80-Jährigen und Älteren mit -13,9 Prozentpunkten eine deutliche negative Abweichung vom Berliner Durchschnitt auf.
Die Zahlen in den Tabellen 2 und 3 verweisen auf eine generelle Zunahme von Pflegebedürftigkeit und liefern wichtige Hinweise für eine zukunftsorientierte Pflegeplanung im Bezirk.

Indikator 3: Altersspezifische Pflegeprävalenz

Tabelle 3: Altersspezifische Pflegeprävalenz im Bezirk Mitte am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Tabelle 3 zeigt die altersspezifische Pflegeprävalenz im Bezirk Mitte zum Jahresende 2023 sowie deren Veränderung zwischen 2019 und 2023. Insgesamt ist in allen Altersgruppen ein moderater bis deutlicher Anstieg der Pflegeprävalenz zu verzeichnen. Erwartungsgemäß weisen die älteren Gruppen deutlich höhere Prävalenzen auf. So liegt in der Gruppe der 65 bis unter 80-Jährigen die Pflegeprävalenz bei 14,5 %, mit einem signifikanten Anstieg von 2,7 Prozentpunkten. In der Gruppe der 80-Jährigen und Älteren wurde mit von 8,7 Prozentpunkten ein besonders starker Zuwachs der Pflegeprävalenz verzeichnet. Diese lag zum Jahresende 2023 bei 44,7 % und damit 1,6 Prozentpunkte über dem Berliner Durchschnitt. In den jüngeren Altersgruppen (unter 15 Jahre sowie 15 bis unter 65 Jahre) lag die Pflegeprävalenz zuletzt bei rund 2 %. Zwischen 2019 und 2023 ist die niedrige Pflegeprävalenz bei den unter 15-Jährigen ebenfalls sehr deutlich um 0,8 Prozentpunkte (oder 73 %) angestiegen. Hinsichtlich der Abweichungen vom Berliner Durchschnitt fällt vor allem die Gruppe der 65 bis unter 80-Jährigen auf, die um 3,2 Prozentpunkte über dem Vergleichswert liegt, während die übrigen Gruppen nur geringe Differenzen aufweisen.

Indikator 4: Pflegebedürftige nach Pflegegrad

Tabelle 4: Pflegebedürftige (PB) gemäß SGB XI nach Pflegegrad (PG) im Bezirk Mitte am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 4 zeigt die Verteilung der pflegebedürftigen Menschen im Bezirk Mitte nach Pflegegrad sowie deren Veränderungen zwischen 2019 und 2023. Mit 42,6 % (7.843) ist der größte Anteil Pflegebedürftiger dem Pflegegrad 2 zugeordnet. Insgesamt steigen die Zahlen in nahezu allen Pflegegraden, wobei die auffälligste Veränderung im Pflegegrad 1 zu beobachten ist: Hier stieg die Zahl der Betroffenen um 132,6 % (+1.331). Diese Entwicklung ist auf Änderungen im Pflegebedürftigkeitsbegriff, dem dazugehörigen Begutachtungs-Instrument sowie einer verzögerten Erfassung von Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 zurückzuführen. Auch die Zunahmen in den Pflegegraden 2 (+26,0 % bzw. +1.619 Pflegebedürftige) und 3 (+39,5 % bzw. +1.549 Pflegebedürftige) sind relevant. Pflegegrad 4 verzeichnete einen mittleren Anstieg von 13,0 % (+238), während Pflegegrad 5 nur moderat um 5,0 % (+33) zunahm. Die Abweichungen vom Berliner Durchschnitt sind in allen Pflegegraden nahezu unauffällig. Insgesamt stieg die Zahl der Pflegebedürftigen im Bezirk Mitte um 35,0 % (+4.770).

Indikator 5: Hilfe zur Pflege

Tabelle 5: Empfängerinnen und Empfänger und Ausgaben in der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) im Bezirk Mitte am 31.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Zahl der Personen mit Leistungen der Hilfe zur Pflege (HzP) im Bezirk Mitte zwischen 2019 und 2023. In diesem Zeitraum sank die Zahl der HzP-Empfangenden signifikant um 21,5 % (–411 Personen). Auch die Ausgaben gingen zurück, wenn auch weniger stark: So reduzierten sich die Gesamtausgaben um 6,2 % (–1.970.029 €). Ein differenziertes Bild zeigt sich zudem beim Vergleich der Ausgabenarten. So fielen die Ausgaben in Einrichtungen um 10,9 % (–1.567.220 €), während die Ausgaben außerhalb von Einrichtungen nur um 2,3 % (–402.809 €) zurückgingen.
Diese Entwicklungen stehen im Kontrast zu dem Anstieg der Pflegebedürftigen im Bezirk (siehe Tabelle 2). Mögliche Einflussfaktoren für die Abnahme der HzP-Empfangenden und der damit verbundenen Ausgaben können Änderungen in der Pflegeversicherung, die sozioökonomische Situation der Pflegebedürftigen sowie die verstärkte Bearbeitung von HzP-Fällen durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) sein. Durch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, etwa die Einführung der Tariftreue oder die Inflation, führt eine Reduzierung in der Zahl der HzP-Empfangenden nicht zwangsläufig zu einer Reduktion der Ausgaben in gleicher prozentualer Höhe.

C. Pflegerische Infrastruktur

Indikator 6: Versorgung nach Einrichtungsart

Tabelle 6: Anzahl Einrichtungen und Pflege-WG nach Art der Versorgung im Bezirk Mitte am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 6 gibt einen Einblick in die pflegerische Infrastruktur im Bezirk Mitte und zeigt die Entwicklung verschiedener Einrichtungsarten und pflegespezifischer Wohnformen zwischen 2019 und 2023. Im Jahr 2023 gab es 19 vollstationäre Einrichtungen (Dauer- und Kurzzeitpflege), was einem Rückgang von 2 Einrichtungen beziehungsweise einem Minus von 9,5 % entspricht. Im Bereich der teilstationären Versorgung, also Tages- und Nachtpflege, stieg die Anzahl um eine Einrichtung auf 7 an, was einer Zunahme von 16,7 % entspricht. Der gesamte stationäre Bereich reduzierte sich moderat um eine Einrichtung auf 26 (–3,7 %). Entgegen dem Berlin-Trend nahm die Zahl der Pflegewohngemeinschaften um 5 auf 57 ab, also um -8,1 %. Im Gegensatz dazu wuchs die Zahl der Pflege- und Betreuungsdienste um 6 Einrichtungen auf 73 an, was einem Anstieg von 9,0 % entspricht. Insgesamt offenbart die Tabelle, dass der Bezirk Mitte insbesondere im stationären Segment leichte Rückgänge verzeichnet, während die ambulanten Strukturen eher ausgebaut werden.

Indikator 7: Versorgung nach Einrichtungsart und Plätze

Tabelle 7: Anzahl Plätze nach Einrichtungsart im Bezirk Mitte am 15.12. der Jahre 2019 und 2023

Die Tabelle 7 beleuchtet die zahlenmäßige Entwicklung der Platzzahlen in den pflegerischen Versorgungsstrukturen im Bezirk Mitte zwischen 2019 und 2023. Im stationären Bereich standen Ende 2023 demnach 2.065 Plätze zur Verfügung (Voll- und teilstationäre Versorgung), was einem Rückgang von 75 Plätzen bzw. 3,5 % entspricht. Im Detail sank die Zahl vollstationärer Plätze deutlich um 139 Plätze (–6,9 %) auf 1.874, während die teilstationären Plätze stark zunahmen und um 64 Plätze (+50,4 %) auf 191 anstiegen. Die Platzzahl in Pflegewohngemeinschaften stieg moderat um 67 Plätze (+13,9 %) auf 548 Plätze an.
Pro 100 Pflegebedürftige (PB) lagen insgesamt 11,2 stationäre Plätze vor, wobei die vollstationären Einrichtungen mit 10,2 Plätzen pro 100 Pflegebedürftigen 4,2 Prozentpunkte unter dem Berliner Durchschnitt lagen.

Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege

Abteilung Pflege