Werkstattgespräch Organisationsentwicklung stationäre Langzeitpflege - Personalbemessung umsetzen

Referierende der Veranstaltung. V.l.n.r. Elke Ahlhoff und Katrin Mauch der ArbeitGestalten GmbH, Donald Ilte von SenWGP und Thomas Kalwitzki von der Universität Bremen

Im Werkstattgespräch am 14.01.2025 von 13:00 bis 17:00 Uhr in der Berliner Stadtmission wurde die neue Personalbemessung in der Langzeitpflege und deren Einfluss auf die Pflegequalität erörtert. Die Teilnehmenden konnten Ihre Perspektiven mit einbringen.

Wir freuen uns, dass zahlreiche Akteurinnen und Akteure erschienen sind und präsentieren Ihnen die Dokumentation der Veranstaltung.

  • Begrüßung und Eröffnung

    Nach der Begrüßung durch Elke Ahlhoff, Geschäftsführerin des Projektträgers ArbeitGestalten GmbH, wurde das Werkstattgespräch zum Thema „Organisationsentwicklung in der stationären Langzeitpflege. Personalbemessung umsetzen“ eröffnet.

    Donald Ilte, Leiter der Abteilung Pflege in der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, machte in seiner Rede den aktuellen politischen Schwerpunkt deutlich: Fachkräftesicherung. Pflegekräfte der verschiedenen Qualifikationsniveaus zu gewinnen und zu halten, attraktive Arbeitsbedingungen sowie Chancen der Weiterentwicklung zu schaffen, sei die große Herausforderung der Zeit. Eine zielgerichtete Organisationsentwicklung (in der stationären Langzeitpflege) ist wichtig, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden.

  • Personalbemessung in der stationären Langzeitpflege. Umsetzung mit qualifikations- und kompetenzorientierter Arbeitsorganisation.

    Thomas Kalwitzki, Dipl. Gerontologe an der Universität Bremen und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Rothgang, stellte im anschließenden Vortrag erste Erfahrungen aus dem Bundesmodellprojekt nach § 8 Abs. 3b SGB XI zur Umsetzung von PeBeM vor.
    Präsentation von Thomas Kalwitzki

    Die anschließenden Fragen an den Referenten zeigten, dass noch viel Bedarf an Erfahrungsaustausch und konkreter Hilfestellung bei der Umsetzung besteht.

  • Forum 1: Kompetenzanalyse / qualifikationsgerechter Einsatz (Bezugspflege)
    • Referentin: Lilly Wolf, Referentin Personalentwicklung und Mitglied des PeBeM-Projekts bei der Caritas Altenhilfe
    • Moderation: Ute Kathmann, ArbeitGestalten GmbH

    In zwei Modelleinrichtungen der Caritas Altenhilfe wird die Kompetenzanalyse als Ausgangspunkt von PeBeM beteiligungsorientiert durchgeführt.

    Zunächst wird jeder Bewohnerin und jedem Bewohner eine Bezugspflegefachassistenz oder eine Bezugspflegehilfskraft zugeteilt; hinzu kommt eine Bezugspflegefachkraft und zusammen bilden beide Personen das Bezugspflegepaar. Die Zuordnung erfolgt in der Regel im Rahmen einer Dienstbesprechung kompetenzorientiert von den Beschäftigten aus. Das heißt, dass die Kompetenzen und Stärken der Kolleg:innen entsprechend der Bedürfnisse der Beschäftigten maßgeblich bei der Zuordnung der Bezugspflege sind. Dabei können fachliche, methodische, soziale und personale Kompetenzen entscheidend sein. Die Kompetenzen der Beschäftigten werden anhand von Fragebögen analysiert und Selbst- und Fremdeinschätzung werden abgeglichen. Darüber hinaus finden mehrstündige Personalgespräche zur Kompetenzanalyse statt. Die Gespräche stärken gleichzeitig die Personalbindung: Die Beschäftigten fühlen sich stärker wertgeschätzt und die Pflegedienstleitung erfährt von bisher unbekannten Stärken, Erfahrungen und Entwicklungswünschen.

    Lilly Wolf betont, dass die Caritas PeBeM als Chance erkennt, Pflegekräfte an das Unternehmen zu binden und den Pflegeberuf und die Beschäftigten selbst zu stärken.

  • Forum 2: Entwicklung einer einrichtungsspezifischen Soll-Vision und Einleitung Change Management
    • Referentinnen/Referenten: Sebastian Stauer, Jens Holle und Melanie Broch-Meiners, alle von Korian Deutschland
    • Moderation: Sandra Tausch, ArbeitGestalten GmbH

    Die Werkstatt begann mit einer Vorstellung der Korian Deutschland GmbH, welche die Umsetzung von PeBeM und die Entwicklung neuer Strukturen, wie eine kompetenzorientierte Bezugspflege nach Qualitätsniveaus, präsentierte. Sebastian Stauer, Projektleiter von PeBeM bei Korian Deutschland, erläuterte die drei zentralen Säulen des Change-Prozesses: Personal, Bewohnerinnen und Bewohnern und (Arbeits-)Strukturen. Nach einer Einführung in die Change-Kurve arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen an Soll-Visionen für fiktive Einrichtungen, planten die Zusammenlegung von Wohnbereichen und definierten erste Meilensteine für die PeBeM-Umsetzung. Ein reger Austausch über Herausforderungen und Lösungsansätze prägte die Diskussionen, insbesondere im Hinblick auf regionale oder einrichtungsspezifische Unterschiede. In Berlin wie in anderen Bundesländern fehlt es noch an, QN3-Personal. Die Werkstatt bot praxisnahe Impulse und ermöglichte den Teilnehmenden, voneinander zu lernen und innovative Ansätze zu entwickeln.
    Handreichung von Sebastian Stauer

  • Forum 3: Umstellung auf eine qualifikations- und kompetenzorientierte Pflege
    • Referentinnen/Referenten: Christine Moratz und Stefan Will, Vivantes – Forum für Senioren
    • Moderation: Katrin Mauch, ArbeitGestalten GmbH

    Christine Moratz berichtete aus der Perspektive des zentralen Qualitätsmanagements über die Fortschritte bei der Implementierung von PeBeM. Seit 2023 arbeiten alle Einrichtungen der Vivantes Hauptstadtpflege nach den neuen Vorgaben, und die Einteilung der Mitarbeiter:innen in verschiedene Qualitätsniveaus wurde erfolgreich abgeschlossen. Stefan Will, Pflegedienstleitung in einer Einrichtung in Reinickendorf, schilderte anschließend den praktischen Prozess der Kompetenzanalyse. Dieser basiert auf Mitarbeiter:innengesprächen, die sowohl Selbst- als auch Fremdeinschätzungen einbeziehen. Ziel ist es, individuelle Kompetenzen zu identifizieren und Fachkräfte entsprechend ihrer Stärken und Qualifikationen einzusetzen.

    Im anschließenden Austausch stand die Sicherung des Qualitätsniveaus und die gezielte Nutzung von Kompetenzen im Fokus. Die Teilnehmenden diskutierten, wie gewährleistet werden kann, dass Fachkräfte den Anforderungen ihres Qualitätsniveaus gerecht werden und wie die individuellen Kompetenzen optimal in den Pflegealltag eingebunden werden können. Stellenbeschreibungen und Visualisierungen wurden dabei als mögliche Instrumente genannt, um Kompetenzprofile innerhalb der Teams besser sichtbar und nutzbar zu machen.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Bedeutung der Kommunikation in diesem Veränderungsprozess. Die Umverteilung von Aufgaben zwischen Pflegehilfskräfte, Pflegefachassistenzpersonen und Pflegefachkräften erfordert klare Absprachen und ein gemeinsames Verständnis innerhalb der Teams. Sprachliche und kulturelle Unterschiede wurden dabei als potenzielle Herausforderung identifiziert.

    Die Umstellung auf PeBeM bietet jedoch nicht nur organisatorische Herausforderungen, sondern auch Chancen für innovative Ansätze in der Personalbindung. Flexitouren bei der Dienstplangestaltung, die Nachqualifizierung von Mitarbeitenden unter Beibehaltung bestehender vertraglicher Bedingungen und die gezielte Einbindung der Mitarbeitenden in Entscheidungsprozesse wurden als wirksame Maßnahmen zur Steigerung der Zufriedenheit und Motivation diskutiert.

  • Verabschiedung und Ausblick

    Im letzten Teil der Veranstaltung wurden die Teilnehmenden danach gefragt, was sie im Rahmen von PeBeM noch interessiert und wo es Anknüpfungspunkte gibt.

    Um die Antworten der Teilnehmenden aufzunehmen wird die Möglichkeit geboten, sich an einer möglichen Arbeitsgruppe „Umsetzung von PeBeM“ mit den Schwerpunkten “Kompetenzprofile & Qualifikationsmix” sowie “Digitale Lösungen für Touren- und Dienstplanung” zu beteiligen.

Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege

Abteilung Pflege