Katrin Mauch, ArbeitGestalten GmbH, begrüßte im Namen des Projektteams „Fachkräftesicherung in der Pflege“ die Anwesenden. ArbeitGestalten GmbH führt im Auftrag der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege das Projekt durch.
Dokumentation der Tagung des Berliner Bündnisses „Pflege weiter denken: Vielfalt fördern, Integration stärken, Zukunft gemeinsam sichern“ am 09.07.2025
Abbildung 1: Pressefoto der Tagung. Vorne stehen: Katrin Mauch von ArbeitGestalten GmbH, Bärbel Arwe von Caritas Altenhilfe, Senatorin Dr. Ina Czyborra und Leonie Teubel von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (v.l.n.r.).
Bild: ArbeitGestalten GmbH
Die Fachkräftesicherung in der Pflege bleibt eine zentrale Herausforderung – besonders in einer vielfältigen Stadt wie Berlin. Unter dem Motto „Pflege weiter denken: Vielfalt fördern, Integration stärken, Zukunft gemeinsam sichern“ kamen auf der Tagung des Berliner Bündnisses für Pflege am 9. Juli 2025 zahlreiche Akteurinnen und Akteure zusammen. Im Fokus standen die Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsbildes für die Pflege in Berlin sowie konkrete Strategien zur Integration und langfristigen Bindung von Menschen mit internationaler Geschichte. Die Tagung bot Raum für Austausch, Vernetzung und neue Impulse.
1. Plenum
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1.1 Begrüßung
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1.2 Eröffnung der Tagung
In ihrer Eröffnungsrede zur Bündnistagung 2025 betonte Senatorin Dr. Ina Czyborra die große Bedeutung des Berliner Bündnisses für Pflege als zukunftsgerichtete Plattform für Austausch, Zusammenarbeit und Innovation. Unter dem Motto „Pflege weiter denken: Vielfalt fördern, Integration stärken, Zukunft gemeinsam sichern“ rief sie dazu auf, Pflege nicht nur funktional, sondern menschlich, inklusiv und nachhaltig zu gestalten. Eine gelingende Integration von Menschen mit internationaler Geschichte in Pflegeberufe – sei es durch Ausbildung oder Berufseinstieg – ist aus ihrer Sicht ein Schlüssel zur Fachkräftesicherung. Der gemeinsame politische Schulterschluss im Berliner Bündnis macht für Sie zudem deutlich, dass Pflege in Berlin als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird – mit Querschnittsrelevanz für Arbeitsmarkt, Gesundheit, soziale Teilhabe und Bildung.
Dabei sprach sie allen Beteiligten ihren Dank aus und forderte zur aktiven Mitgestaltung auf. In diesem Sinne begrüßte sie feierlich die neuen Bündnismitglieder: Ina Jarchov-Jadi vom Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus, Nils Svetlik von Korian Deutschland und Katja Dirlenbach vom Alexianer Krankenhaus Hedwigshöhe, die in persönlichen Grußworten ihre Partnerschaft mit dem Bündnis bekräftigten. Gemeinsam betonten alle: Nur gemeinsam kann es gelingen, die Pflege in Berlin so weiterzudenken, dass sie allen Menschen gerecht wird.
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1.3 Ursprung und Entwicklung des Berliner Bündnisses für Pflege
Elke Ahlhoff berichtete zunächst von der Gründung des „Berliner Bündnis für Fachkräftesicherung in der Altenpflege“. Es wurde 2013 ins Leben gerufen, um dem absehbaren Fachkräftemangel in der Altenpflege zu begegnen. In vier Workshops wurden erste Maßnahmen entwickelt und in fünf zentrale Handlungsfelder überführt – darunter bessere Arbeitsbedingungen, Stärkung der Aus- und Weiterbildung sowie die Bedeutung von Vielfalt. Mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 öffnete sich das Bündnis für alle Versorgungsbereiche und wuchs über die Jahre auf 45 Partnerorganisationen an. Heute versteht es sich als zentrale Plattform für den Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Strategien, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Zwei langjährige Bündnispartner, Bärbel Arwe (Caritas Altenhilfe) und Darije Lazovic (Charité), betonten auf der Tagung die Bedeutung des Bündnisses für Vernetzung, gemeinsame Verantwortung und die Entwicklung von Magneteinrichtungen. Sie hoben insbesondere die Rolle des Bündnisses für Austausch, die Förderung Guter Arbeit in der Pflege sowie die Relevanz von Digitalisierung und Diversität hervor.
Präsentation im PDF-Format: Berliner Bündnis – ein historischer Abriss
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1.4 Der Weg zu einem gemeinsamen Zukunftsbild des Berliner Bündnisses für Pflege
Angesichts zunehmender Herausforderungen wie Fachkräftemangel, neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen und der fortlaufenden Notwendigkeit zur Organisationsentwicklung, soll das Berliner Bündnis für Pflege künftig Ziele und Werte bündeln und konkrete Maßnahmen definieren. Mit dem Ziel, Pflege in Berlin zukunftssicher und vielfältig zu gestalten, startet 2025 ein partizipativer Prozess zur Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsbilds. In einem mehrstufigen Beteiligungsprozess mit den Bündnismitgliedern soll das Zukunftsbild bis 2026 erarbeitet werden. Den Auftakt bildete eine interaktive Live-Umfrage auf der Bündnistagung, bei der erste Impulse, Herausforderungen und Wünsche der Teilnehmenden gesammelt wurden. Deutlich wurde: Gute Arbeit, Vielfalt und starke Zusammenarbeit bleiben die zentralen Themen.
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1.5 Von der Qualifikation bis zum Arbeitsalltag: Vielfalt als Chance für die Pflege
In einem von Ute Kathmann, ArbeitGestalten, moderierten Gespräch diskutierten Prof. Dr. Sandra Altmeppen (Evangelische Hochschule Berlin), Beraki Tesfaghabir (Immanuel Krankenhaus) und Selma Güngör (InterKompetenz) über Chancen und Herausforderungen von Vielfalt in der Pflege.
Im Fokus standen drei Themen: der Einstieg in die Ausbildung, sprachliche Hürden im Ausbildungsverlauf sowie Vielfalt und Diskriminierung im Team. Deutlich wurde: Gute Integration beginnt mit offener Ansprache, ausreichender Begleitung und Ressourcen – insbesondere bei sprachlichen Barrieren. Teams müssen auf zwei Ebenen sensibel sein: im Umgang miteinander sowie mit den vielfältigen Bedürfnissen der zu pflegenden Menschen. Die Gesprächsteilnehmerinnen und Gesprächsteilnehmer verwiesen auf gesetzliche Verpflichtungen wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), welche die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen, diskriminierungsfreie und gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen. Vielfalt ist dabei kein „Zusatzthema“, sondern Realität – deren erfolgreiche Gestaltung Selbstreflexion, klare Haltung und gelebte Verantwortung auf allen Ebenen erfordert. Oftmals würde Vielfalt aber noch individualisiert vorangetrieben. Das Gespräch bot wichtige Impulse für die anschließenden Fachforen.
2. Foren
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2.1 Forum 1: Vermittlung und Förderung in Ausbildung und Beschäftigung
Referierende: Katharina Döhler, Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit; Ann-Katrin Molnar, Arrivo Berlin Gesundheit; Mihriban Bayram, BBeRuf Projekt – Berufsbildungsreife/berufliche Qualifikation | Moderation: Elke Ahlhoff, ArbeitGestalten GmbH
Um den Bedarf an Arbeits- und Fachkräften in der Pflege zu decken, ist eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig. Eine vielversprechende Möglichkeit ist die Beschäftigung von Geflüchteten. Diese Menschen haben sich für ein neues Leben in Deutschland entschieden und möchten sich hier eine Zukunft aufbauen. Um eine Beschäftigung aufzunehmen, müssen zunächst sprachliche und administrative Hürden überwunden werden. Damit der Einstieg für geflüchtete Personen und Arbeitgeber leichter wird, gibt es einige Unterstützungsangebote.
Katharina Döhler vom gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit stellte verschiedene Fördermaßnahmen vor. Arbeitgeber können mit dem zuständigen Arbeitgeberservice Kontakt aufnehmen und um Vermittlung bitten, um Personen mit Interesse an einer Arbeit oder Ausbildung in der Pflege kennenzulernen. Die notwendigen Sprachkenntnisse können über einen Berufssprachkurs (BKS) vermittelt werden. Bei einer Gruppengröße von fünf bis sieben Teilnehmenden kann der Kurs direkt am Arbeitsplatz stattfinden, für Einzelpersonen in einer Sprachschule. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet BKS berufsbegleitend oder zur Vorbereitung auf eine Arbeitsstelle an, sofern ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wurde.
Ann-Katrin Molnar und ihre Kolleginnen von der Ausbildungsinitiative Arrivo Berlin vermitteln junge Geflüchtete mit Schul- oder Berufsabschluss in Ausbildung und Arbeit. Das Projekt berät und begleitet in berufsbezogenen Praktika und Ausbildungsplätze. Arrivo Berlin hat daher großes Interesse an Praktikumsplätzen im Pflegebereich, um den Spracherwerb und die Berufsorientierung insbesondere diesem Bereich intensiver zu fördern. Für Arbeitgeber ist dies eine gute Gelegenheit, Auszubildende zu gewinnen. Es entstehen keine Kosten, da das Projekt von der zuständigen Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung gefördert wird.
Mihriban Bayram stellt das von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege geförderte Projekt: BBeRuf vor. Das Angebot richtet sich an geflüchtete oder Menschen mit Migrationsgeschichte ohne Schulabschluss, die Interesse daran haben, im Pflegebereich zu arbeiten. Die Erreichung der Berufsbildungsreife (BBR) ist eines der Hauptziele des Projektes, denn mit dem Erwerb des BBR steigt die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz erheblich. Gleichzeitig bietet der einjährige Kurs eine praxisorientierte Qualifizierung zur Betreuungs- und Pflegehilfskraft und ermöglicht eine vertiefte Berufsorientierung. Praktikumsplätze, bei denen die Kursteilnehmenden in der Praxisphase begleitet werden, sind immer herzlich willkommen.
Themen der anschließenden Diskussion waren Aufenthaltstitel, die Arbeitserlaubnis und die Berufssprachförderung von Geflüchteten. Eine wichtige Information: Wenn der Aufenthaltstitel mit einer Ausbildung verbunden ist, gilt dieser entsprechend dem Bescheid in der Regel noch sechs Monate nach bestandener Abschlussprüfung zur Pflegefachperson fort. Bis zur Ausstellung der Erlaubnisurkunde können die Absolventinnen und Absolventen bereits als Pflegehilfskraft arbeiten.
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2.2 Forum 2: Sprache als Herausforderung – Brücken bauen zwischen Pflegeausbildung und Berufspraxis
Referierende: Elke Lube und Heike Jacobi-Wanke, Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe; Hamindokht Klein, Bricks Pflegeakademie; Nico Otremba, Unionhilfswerk Senioreneinrichtungen gGmbH | Moderation: Katrin Mauch, ArbeitGestalten GmbH
Elke Lube und Heike Jacobi-Wanke vom Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe skizzierten in ihrem Impuls die strukturellen Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit Sprache in der Ausbildung zur Pflegefachassistenz ergeben: Sprachsensibler Unterricht erfordert nicht nur eine entsprechende Qualifizierung des Lehrpersonals, sondern auch zusätzliche zeitliche Ressourcen – die im ohnehin verdichteten Curriculum oft fehlen. Besonders herausfordernd ist der Umgang mit dem Wechsel zwischen Fachsprache, Alltagssprache und Schriftform. Gerade in der Pflege müssen Auszubildende schnell auf allen sprachlichen Ebenen handlungssicher agieren.
Ein weiteres zentrales Thema war der unbestimmte Rechtsbegriff „ausreichender Deutschkenntnisse“ als Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung. Dies birgt sowohl Chancen für flexible Einstiege als auch Risiken der Überforderung.
Im Anschluss stellten Hamindokht Klein (Bricks Pflegeakademie) und Nico Otremba (Unionhilfswerk Senioreneinrichtungen) ihr Kooperationsmodell zwischen Pflegeschule und Träger der praktischen Ausbildung für die dreijährige Ausbildung vor. Im Rahmen eines strukturierten Bewerbungsprozesses wird gemeinsam ein Sprachstand ermittelt, um den individuellen Förderbedarf realistisch einschätzen zu können. Die Auszubildenden erhalten begleitenden Deutschunterricht, für den sie vom Praxispartner freigestellt werden. Der Unterricht erfolgt durch eine zusätzlich angestellte Lehrkraft, die nicht über die bestehenden Refinanzierungsstrukturen finanziert wird. Das Modell verdeutlichte die Relevanz abgestimmter Prozesse zwischen Schule und Praxis.
Weitere Teilnehmende berichteten von Sprachförderangeboten, die auf ehrenamtlichem Engagement basieren – sowohl auf Seiten des Lehrpersonals als auch der Auszubildenden. Hier wurde deutlich, dass das Gelingen sprachlicher Begleitung nicht von Einzelpersonen abhängen darf.
Im Austausch wurde mehrfach betont, wie entscheidend eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Praxis für eine gelingende Ausbildung ist. Dafür benötigen praxisanleitende Personen ebenso wie Lehrkräfte gezielte Qualifizierungen in Deutsch als Zweit- und Fremdsprache. Bestehende Förderprogramme – wie die BAMF-finanzierten Sprachförderkurse – greifen bislang nur eingeschränkt.
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2.3 Forum 3: Wie gelingt betriebliche Integration? Diversitätssensible Kompetenzen im Team stärken
Referierende: Beraki Tesfaghabir und Martin Baumann, Immanuel Krankenhaus Berlin; Selma Güngör, InterKompetenz | Moderation: Sandra Tausch, ArbeitGestalten GmbH
In Berliner Pflegeeinrichtungen arbeiten Menschen mit vielfältigen Erfahrungen, Sprachen, Weltanschauungen und Lebensgeschichten zusammen. Vielfalt ist längst gelebte Realität – doch gelingende Integration geschieht nicht von selbst. Sie erfordert bewusste Entscheidungen von Teams, Führungskräften und Organisationen sowie fachliche Kompetenz. Im Rahmen einer moderierten Gesprächsrunde wurde die Frage beleuchtet, wie betriebliche Integration durch diversitätssensible Kompetenzen gelingen kann.
Im Austausch wurde deutlich: Auch wenn ein vollständig diskriminierungsfreier Raum schwer zu realisieren ist, ist die kontinuierliche Reflexion der eigenen Haltung ein zentraler Bestandteil diskriminierungssensibler Praxis. Eine selbstkritische Grundhaltung – etwa das Anerkennen, dass auch eigenes Verhalten diskriminierend wirken kann – wurde als wichtiger Ausgangspunkt benannt. Zu den zentralen Aspekten, die im Gespräch hervorgehoben wurden, zählen sprachliche Sensibilität, Offenheit, die Bereitschaft zum Dialog, gezielte Angebote sowie geschützte Gesprächsräume. Als Schlüsselfaktoren für eine gelingende betriebliche Integration wurden insbesondere Fortbildungen auf allen Ebenen, klare Verantwortungsstrukturen und die gezielte Stärkung von Mitarbeitenden benannt.
Die Referierenden betonten nachdrücklich die Verantwortung von Einrichtungen, ihre Mitarbeitenden aktiv vor diskriminierendem Verhalten zu schützen – auch durch konsequentes Vorgehen gegenüber diskriminierenden Äußerungen oder Handlungen von Kolleginnen und Kollegen oder Patientinnen und Patienten, Pflegebedürftigen sowie An- und Zugehörigen. Dabei wurde deutlich: Eine erfolgreiche Integration erfordert langfristiges Engagement und gemeinsame Anstrengungen.
3. Impressionen der Tagung
Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege
Abteilung Pflege
- Tel.: (030) 9028-0
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ArbeitGestalten Beratungsgesellschaft mbH, Ahlhoff
- Tel.: (030) 2803208-6
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