Vom 27. bis 29. August 2025 durfte der Bezirk Lichtenberg eine Delegation aus der polnischen Partnerstadt Warschau-Białołęka herzlich willkommen heißen. Anlass des Besuchs war der Antrittsbesuch der kürzlich neu gewählten Bezirksbürgermeisterin Anna Majchrzak, die gemeinsam mit ihren Stellvertretern Mariusz Wajszczak und Piotr Cieszkowski sowie Aleksandra Czarniakowska aus der Verwaltung nach Berlin reiste. Der Besuch stand im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens, des Austauschs und der Vertiefung der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Bezirken.
Ankunft und herzliche Begrüßung
Die Gäste aus Polen trafen am Mittwochabend mit deutlicher Zugverspätung in Berlin ein – die Deutsche Bahn machte ihrem Ruf alle Ehre. Dennoch wurde die Delegation herzlich empfangen. Bei einem gemeinsamen Abendessen fand in freundlicher Atmosphäre bereits der erste persönliche Austausch statt, bevor es zum Check-in ins Hotel ging.
Einblicke in die Verwaltung und Begegnung mit der Vergangenheit: Besuch im Stasimuseum und Archiv der Stasi-Unterlagen
Am Donnerstagmorgen begann das offizielle Programm mit einer Begrüßung im Rathaus von Lichtenberg. Vertreter:innen des Bezirksamts und der Bezirksverordnetenversammlung empfingen die polnischen Gäste und hießen sie herzlich willkommen.
Im Anschluss führte ein kurzer Spaziergang die polnische Delegation zu einem zentralen Ort der historischen Erinnerung in Lichtenberg: dem Stasimuseum in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR.
Dort erhielten die Gäste mittels polnischsprachiger Audioguides einen individuellen Einblick in die Strukturen, Arbeitsweisen und das umfassende Überwachungssystem der DDR-Staatssicherheit. Die authentisch erhaltenen Räume – darunter auch das originale Büro von Erich Mielke, dem einstigen Minister für Staatssicherheit – vermittelten ein eindrückliches Bild vom repressiven Machtapparat in der DDR.
Im Anschluss besuchte die Delegation den benachbarten Campus für Demokratie, wo eine Führung durch das Archiv der Stasiunterlagen auf Polnisch stattfand. Hier erhielten sie einen Überblick über die Archivarbeit, den Zugang zu persönlichen Akten sowie die Bedeutung der Aufarbeitung politischer Repression für eine demokratische Gesellschaft.
Die polnischen Gäste zeigten sich tief beeindruckt von der Transparenz und der systematischen geschichtlichen Aufarbeitung, die an diesem Ort geleistet wird. In den Gesprächen wurde deutlich, dass eine vergleichbare museale und institutionelle Auseinandersetzung mit den Geheimdiensten der sozialistischen Vergangenheit in Polen – insbesondere mit dem polnischen Pendant zur Stasi, der Służba Bezpieczeństwa (SB) – bislang nur punktuell und in sehr unterschiedlichem Umfang existiert.
Die Delegation wertete diese Erfahrung als wichtigen Impuls für die Erinnerungskultur in Polen. Das sichtbare Bemühen um Offenheit, kritische Reflexion und demokratische Bildung wurde als vorbildlich bezeichnet und regte zu weiteren Gesprächen über den Umgang mit autoritärer Vergangenheit in beiden Ländern an.
Sozial, praxisnah, zukunftsorientiert: Die Kiezküche als Ausbildungsstandort in Lichtenberg
Ein besonderer Programmpunkt während des Besuchs war die Besichtigung des Standorts der Kiezküche Lichtenberg in der Atzpodienstraße – ein Leuchtturmprojekt für berufliche Qualifizierung und soziale Teilhabe im Bezirk. Die Kiezküchen gGmbH ist ein Tochterunternehmen der Berliner Bildungseinrichtung bbw Akademie und hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt praxisnah auszubilden und in Beschäftigung zu integrieren.
Am Standort Atzpodienstraße werden insbesondere Aus- und Weiterbildungen im Bereich Gastronomie und Hauswirtschaft angeboten. Die Teilnehmenden – viele von ihnen mit Migrationshintergrund, Fluchterfahrung oder aus anderen benachteiligten Lebenslagen – absolvieren hier praxisorientierte Qualifizierungen, u.a. als Beikoch/-köchin, Hauswirtschafter:in oder Küchenhilfe. Zusätzlich gibt es Sprachförderangebote, Bewerbungstrainings und sozialpädagogische Begleitung, um individuelle Barrieren abzubauen und langfristige Integration zu ermöglichen.
In der Ausbildungsküche sowie im angeschlossenen Restaurantbetrieb lernen die Teilnehmenden unter realistischen Bedingungen – sie kochen täglich für Gäste aus dem Kiez, für Einrichtungen und soziale Träger. Die Küche legt großen Wert auf regionale, gesunde und saisonale Produkte und vermittelt zugleich nachhaltige Aspekte der Gastronomie.
Im Austausch mit den polnischen Gästen wurde deutlich, dass auch in Warschau-Białołęka ähnliche Herausforderungen in der beruflichen Integration bestehen. Das Modell der Kiezküche stieß daher auf großes Interesse – insbesondere der ganzheitliche Ansatz, der soziale Arbeit, berufliche Bildung und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbindet
Der Abend klang bei einem gemeinsamen Abendessen mit Vertreter:innen aus Bezirksamt, Verwaltung und Bezirksverordnetenversammlung aus – mit vielen anregenden Gesprächen über politische, gesellschaftliche und kulturelle Herausforderungen in beiden Bezirken.
Frühkindliche Bildung im Fokus: Besuch in der Kita „Kleine Wichtel“
Vor der Rückreise nach Warschau stand am Freitagmorgen noch ein letzter Programmpunkt an: der Besuch in der Kita „Kleine Wichtel“, einer modernen Kindertageseinrichtung in Lichtenberg, die auch als Kooperationspartnerin im Rahmen eines Job-Shadowing-Programms aktiv ist.
Die Delegation aus Warschau-Białołęka wurde herzlich von der Kitaleitung empfangen und durch das Haus geführt. Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste von der hochwertigen Ausstattung, der freundlichen Atmosphäre sowie dem durchdachten pädagogischen Konzept der Einrichtung. Die Räume sind hell, kindgerecht gestaltet und mit vielfältigen Materialien für kreative, motorische und sprachliche Entwicklung ausgestattet – von Rollenspielbereichen über Bewegungsräume bis hin zu Ruhe- und Leseecken. Auch die großzügig angelegte Außenfläche mit Spielgeräten und naturnahen Elementen stieß auf große Begeisterung.
Im Gespräch mit der Leitung wurde deutlich, wie wichtig die Verbindung von pädagogischer Qualität, frühzeitiger Sprachförderung und einer engen Zusammenarbeit mit Familien ist – insbesondere in einem Bezirk wie Lichtenberg, der durch kulturelle Vielfalt geprägt ist. Die Kita engagiert sich zudem in verschiedenen Förderprogrammen und legt besonderen Wert auf Inklusion, gesundes Aufwachsen und sozial-emotionale Kompetenzen.
Für die Delegation war dieser Einblick besonders spannend, da auch in Warschau aktuelle Diskussionen über Fachkräftemangel, Ausbildung und Qualitätsentwicklung im Bereich frühkindliche Bildung geführt werden. Das Berliner Beispiel wurde als inspirierendes Modell wahrgenommen – insbesondere die Kombination aus qualifizierter Ausbildung, guter Ausstattung und Praxisvernetzung mit Programmen wie dem Job-Shadowing. Die Gäste äußerten großes Interesse an einem vertieften Austausch zu diesem Thema.
Ausblick: Partnerschaft gemeinsam weiterentwickeln
Während des Besuchs wurden zahlreiche Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit diskutiert. Besonders im Fokus standen Austauschprojekte in den Bereichen Schule, Jugend, Sport und Kultur, aber auch Fachaustausche auf Verwaltungsebene wurden als gewinnbringende Perspektiven gesehen.
Zudem gab es Impulse ggf. auch trilaterale Begegnungen zu initiieren – zum Beispiel gemeinsam mit Partnerstädten wie Jurbarkas (Litauen) oder Odesa (Ukraine). Der persönliche Kontakt zwischen den Menschen aus den Partnerbezirken wurde dabei als unverzichtbare Grundlage für nachhaltige Beziehungen hervorgehoben.
Alle diese Ideen stehen am Anfang und leben vom gemeinsamen Engagement.
Wer sich aus der Zivilgesellschaft an der Weiterentwicklung der Städtepartnerschaft beteiligen möchte – sei es durch eigene Projektideen, Beteiligung an Austauschformaten oder durch Unterstützung bestehender Aktivitäten –, ist herzlich eingeladen, sich mit der Beauftragten für Städtepartnerschaften in Verbindung zu setzen.
Die Partnerschaft mit Warschau-Białołęka lebt von Offenheit, Vertrauen und dem gemeinsamen Interesse, voneinander zu lernen. Wir freuen uns auf viele weitere Begegnungen und gemeinsame Projekte!